Samstag, 21. April 2018


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Vorgeschlagene End-of-Waste-Kriterien bremsen Kunststoffrecycling aus

Neuer EoW-Vorschlag von GD Umwelt und dem JRC mit IPTS stoßen auf Kritik des bvse

Bonn, (lifePR) - Von der GD Umwelt und dem JRC mit IPTS wurde die schon bestehende Studie zu den "Abfallende-Kriterien für Kunststoffabfälle" überarbeitet und um den Teil "Abfallende" sowie "Beschreibung von Einflüssen" (Umwelt, Gesundheit, rechtl. Aspekte, wirtschaftl. Gegebenheiten) ergänzt. Damit liegt jetzt das Technical Proposal - also der Technische Vorschlag vor, der Grundlage ist für die weiteren europäischen Beratungen und damit für das Setzen der Abfallende-Kriterien. Nach der jetzt noch anstehenden Beratung zu den vorgeschlagenen EoW-Kriterien ist der sogenannte Sevilla-Prozess beendet.

Das Technical Proposal gibt die unterschiedlichen Positionen, die von der Technical Working Group und von den Beteiligten Kreisen (Stakeholder), vorgetragen und vorgelegt wurden, durchaus wieder. Der hieraus resultierende Vorschlag zu den Abfallende-Kriterien trifft jedoch in wichtigen Punkten nicht auf die Zustimmung des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling. Bis zum 26. April 2013 haben die Beteiligten Kreise noch Zeit, Ihre Stellungnahme gegenüber den Verantwortlichen abzugeben.

Für den bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung ist schon jetzt deutlich geworden, dass die Verfasser des Vorschlages nicht genügend beachtet haben, dass das in Deutschland bestehende Kunststoffrecycling für die weitere Kunststoffverarbeitung hochwertigste, qualitätsgesicherte Recyclate liefert. "Diese aufbereiteten Kunststoffe haben schon heute den Produktstatus erhalten; sie ergänzen in geradezu idealer Weise die Kunststoffneumaterialien", stellt bvse-Kunststoffexperte Dr. habil. Thomas Probst fest. Probst bedauert, dass trotz aller guten Vorsätze von den Beteiligten im Sevilla-Prozess Kriterien vorgeschlagen werden, die das bestehende Kunststoffrecycling in Deutschland gefährden und schon gar nicht geeignet sind, einen zukunftsweisenden Impuls für mehr Recycling zu leisten.

So werden beispielsweise quantitative Analysen vorgeschrieben, um die Übereinstimmung mit den Verordnungen nach CLP, REACH oder POP zu gewährleisten. Diese Anforderungen stellen allerdings die gegenwärtige Pflichten gemäß CLP und REACH auf den Kopf: Gefährliche Bestandteile unterliegen schließlich schon heute der unbedingten Anzeigepflicht - allerdings sind bislang für den Nachweis der CLP- und REACH-Compliance quantitative Analysen nicht unbedingt notwendig. Dieser Nachweis kann auch durch andere geeignete Maßnahmen wie einer Qualitätssicherung oder Zertifizierung geführt werden.

Darüber hinaus werden bei den zu setzenden EoW-Kriterien die kunststofffremden Bestandteile zu streng limitiert - vorgeschlagen sind bisher zwischen 1,5 % und 5 %.

Zu befürchten ist aber, dass letztlich das Limit nicht erst bei 5% sondern deutlich darunter angesetzt wird. Das aber würde den Einsatz von Kunststoffen in Massenprodukten, die mit Holz oder Beton konkurrieren, stark erschweren. Die Kunststoffzwischenprodukte für Bauzaunfüße, Buhnenpfähle, Wassereinbauten, Lärmschutzwände, Rasengittersteine würden dann den Abfallstatus haben und könnten nur noch eingeschränkt vermarktet werden.

Überrascht ist der bvse von der Empfehlung der JRC-IPTS, dass beim Aufbereiten von Kunststoffen aus Elektro(nik)-Altgeräten oder aus Altfahrzeugen Zerkleinerungsprozesse zusammen mit anderen Materialien zu vermeiden sind. Begründet wird dies mit dem Argument, dadurch eine mögliche Kontamination mit Schadstoffen verhindern zu wollen. Fakt ist aber, dass bei der Behandlung von Elektro(nik)-Altgeräten im ersten Verfahrensschritt eine selektive Schadstoffentfrachtung durchgeführt wird. Danach jedoch ist die Einleitung eines Zerkleinerungsprozesses zwingend erforderlich, um im Anschluss die verschiedenen Materialanteile voneinander separieren zu können. Darüber hinaus werden im Prozess des Kunststoffrecyclings eventuelle Kontaminationen ausgewaschen oder ausgetragen und so eine wirksame Schadstoffentfrachtung erreicht. Von daher rät der bvse dringend dazu, diese Empfehlung noch einmal zu überdenken.

Nicht weiter spezifiziert ist, ob die vorgeschlagenen EoW-Kriterien für Kunststoffabfälle oder Recyclate gelten. Dies ist auch deswegen interessant, da Getrennthaltungspflichten oder die Freiheit von anhaftenden Verunreinigungen durch Flüssigkeiten, Ölen, Fetten, Speiseresten oder Getränkerückständen eingefordert wird. Für Recyclate ist diese Forderung weitgehend obsolet, nicht aber für Kunststoffabfälle. Nach Auffassung des bvse sollen aber Kunststoffabfälle, die nicht die Recyclatstufe (Mahlgüter, Agglomerate, Regranulate, Regenerate/Compounds) erreicht haben, den Produktstatus erst gar nicht erhalten.

Auch bei EoW für das Kunststoffrecycling wird jeweils eine Konformitätserklärung eingefordert. Eine Konformitätserklärung hat aber zahlreiche Konsequenzen in der Kunststoffkette. Bei Streitigkeiten resultieren hieraus zusätzliche Probleme. Die Konformitätserklärung wird aber v.a. durch das eingeforderte Managementsystem obsolet, das ist zusätzliche und überflüssige Bürokratie. Geeignete QA, QM oder Zertifizierungen decken bereits die geforderten Vorgaben ab.

"Das bestehende Kunststoffrecycling umfasst den Einsatz von PET-Flakes, der durch Vorgabe zur Getränkeflaschen bestimmt wird, bis hin zur Herstellung von Bakenfüßen, die um Märkte im Straßenbau konkurrieren. Der Vielfalt der Kunststoffe und deren Aufbereitungs- und Verwertungsprozesse wird der vorliegende Vorschlag nicht gerecht. Kriterien, die den Einsatz von Recyclaten limitieren sind für das ressourceneffiziente Kunststoffrecycling in Deutschland nicht akzeptabel und bremsen das Kunststoffrecycling aus", lautet das Fazit von bvse-Experte Thomas Probst.

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