Fauler Kompromiss bei der Reform der Pflegeberufe

(lifePR) ( Berlin, )
Jetzt ist es offiziell: Die große Koalition hat die Generalistik und damit das zentrale Vorhaben der Pflegeberufereform scheitern lassen. Damit wird es in Deutschland auch weiterhin kein einheitliches und stabiles Berufsbild für alle Pflegenden geben. Stattdessen zementieren die politisch Verantwortlichen die traditionelle Dreiteilung des Pflegeberufs, obwohl dies europäische Mindeststandards unterläuft und die angemessene pflegerische Versorgung der Bevölkerung immer stärker gefährdet.

Nun wird es also nach zwei Jahren gemeinsamen Lernens eine Differenzierung geben. Dann entscheiden die Schüler/innen, ob sie sich in ihrem dritten Ausbildungsjahr entweder auf die Kinderkrankenpflege oder auf die Altenpflege spezialisieren oder ob sie einen generalistischen Abschluss anstreben. Allerdings soll wohl auch im Rahmen dieses Abschlusses eine Vertiefung in der Alten- oder Kinderkrankenpflege möglich sein.

Zwar wird hierdurch ein generalistischer Ausbildungsweg eröffnet. Dieser soll aber nur von einem Teil der zukünftig Pflegenden beschritten werden und wird daher kaum zur Lösung der strukturellen Probleme beitragen – der Systemfehler wird festgeschrieben. Zudem drängt sich die Frage auf, was denn der Unterschied zwischen einer generalistischen Ausbildung mit Vertiefung Altenpflege im dritten Ausbildungsjahr und einer Altenpflegeausbildung mit zweijähriger generalistischer Grundausbildung und Spezialisierung Altenpflege im dritten Ausbildungsjahr sein soll? Vielleicht die Tatsache, dass den Absolvent/innen im ersten Fall alle pflegerischen Berufsfelder offenstehen, während sie sich zweiten Fall mit einer Zulassung für die Altenpflege begnügen?

Mangels vorliegender Konzepte bleibt unklar, ob man sich nun auch von anderen wichtigen Vorhaben wie der Bestimmung vorbehaltener Tätigkeiten oder dem hochschulischen Ausbildungsweg verabschiedet hat. So verunsichert man die zukünftigen Auszubildenden und zwingt den Schulen, die diese bildungspolitische Flickschusterei umsetzen müssen, einen erheblichen Mehraufwand auf - angesichts der marginalen positiven Effekte eine erhebliche Ressourcenverschwendung in einem ohnehin unzureichend ausgestatteten System.

Trauriger Höhepunkt der politischen Verantwortungslosigkeit ist allerdings das Ansinnen, die neuen Ausbildungsgänge nach sechs Jahren auswerten und dann eventuell erneut ändern zu wollen. Die generalistischen Modellversuche der letzten zehn Jahre sind wissenschaftlich begleitet und positiv evaluiert worden. Deshalb fordert die überwältigende Mehrheit der Expert/innen aus Wissenschaft und Fachverbänden seit Jahren eine einheitliche generalisti-sche Ausbildung. Angesichts der konsequenten Ignoranz dieser Faktenlage zeugen die neuen Evaluationsbekundungen von mangelnder Seriosität. Von Evaluation kann hier nicht mehr ernsthaft gesprochen werden. Vielmehr werden Auszubildende, Lehrer/innen, Pflegende und letztlich auch die Pflegebedürftigen als Versuchskaninchen in einem politischen Experiment missbraucht.

Was bleibt, ist mehr denn je das Warten auf politische Klärung drängender Fragen. Inzwischen gilt weiter: Heiteres Beruferaten.
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