BLGS sieht Pilotprojekt Altenpflegehilfe skeptisch

(lifePR) ( Berlin, )
Am 1. August 2018 startet ein bayerisches Pilotprojekt, in dem türkische Frauen ohne Schul-abschluss in einem speziellen Ausbildungsgang zu Altenpflegehelferinnen ausgebildet wer-den sollen. Als Zugangsvoraussetzungen genügen rudimentäre deutsche Sprachkenntnisse sowie mehrjährige Erfahrung in eigener Haushaltsführung und Kinderbetreuung bzw. Pflege von Angehörigen. Die zweijährige Ausbildung beinhaltet auch allgemeinbildende Fächer und soll zu zwei Abschlüssen führen: Mittelschulabschluss und Staatlich geprüfte Pflegefach-helferin in der Altenpflege.

Erklärtes Ziel von Kerstin Schreyer, der Integrationsbeauftragten der bayerischen Staats-regierung und Initiatorin des Projekts ist es, „die Potenziale von Frauen mit türkischem Migrationshintergrund, die nach der Erziehung ihrer Kinder berufstätig werden möchten, zu entfalten", um sie vor drohender Altersarmut zu schützen und dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzuwirken. Kai Kasri vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) begrüßt das Projekt vor dem Hintergrund des Personalmangels in der Pflege.

Ein solches Vorhaben wird allerdings keinen nennenswerten Beitrag zur Reduzierung des Pflegenotstands leisten, der in erster Linie in einem dramatischen Mangel an professionell ausgebildeten Pflegefachkräften besteht. Diese eigentliche Versorgungslücke kann weder heute noch morgen mit weiterem unzulänglich ausgebildeten Hilfs- und Assistenzpersonal kompensiert werden, so die stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe e.V. Christine Vogler in Berlin. Gleiches gilt für das Problem der Altersarmut: Ein verspäteter Einstieg in den Arbeitsmarkt mit einer schlecht bezahlten Hilfstätigkeit ermöglicht keine auskömmliche Rente. Damit fügt sich das Projekt in eine Reihe ähnlicher Aktionen bildungs- und arbeitsmarktpolitischer Flickschusterei, mit denen die anhaltenden politischen Fehlentwicklungen notdürftig verdeckt werden sollen.

Solche Modelle mögen einigen wenigen Frauen zu einem nachträglichen Bildungsschub, zu einer späten, begrenzten Teilhabe im System Erwerbsarbeit und auch zu mehr Anerkennung und Selbstbewusstsein verhelfen. Damit ist zwar ein Anfang gemacht und dies könnte sich im Einzelfall sogar als biografischer Glücksfall erweisen. An der systematischen Benach-teiligung von Migrantinnen im Bildungssystem und am Arbeitsmarkt, an wachsender Alters-armut und am Pflegenotstand wird sich dadurch freilich nichts ändern. Gleichberechtigung und Integration bedeuten vielmehr, benachteiligten Menschen möglichst frühzeitig den Zugang zum regulären Bildungssystem zu erleichtern und eine freie Berufswahl gemäß ihrer Neigungen und Fähigkeiten zu ermöglichen. Davon sind wir leider immer noch weit entfernt.
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