lifePR
Pressemitteilung BoxID: 534639 (Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft e.V. - BDWi)
  • Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft e.V. - BDWi
  • Universitätsstraße 2-3a
  • 10117 Berlin
  • http://www.bdwi-online.de
  • Ansprechpartner
  • Ralf-Michael Löttgen
  • +49 (30) 288807-12

Pflegekammern - Was planen die Länder und warum?

(lifePR) (Berlin, ) Mehrere Bundesländer (Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein) streben die Errichtung von Pflegekammern an - obwohl dadurch nichts weiter geschaffen wird als eine Mammutbehörde, die unnötige Kosten und Bürokratie verursacht. Hamburg hat nach einem eindeutigen Umfrageergebnis unter Pflegekräften das Projekt Pflegekammer ad acta gelegt. In Bayern liegt mit dem Konzept, eine Körperschaft öffentlichen Rechts zu errichten, nun eine belastbare Alternative vor. Diese verzichtet auf Zwangsmitgliedschaft und -beiträge und zeigt die hohe politische Wertschätzung der Pflegeberufe durch eine staatliche Finanzierung bei klarer Aufgabenzuweisung.

Warum Pflegekammern?

Die Befürworter von Pflegekammern versprechen eine Professionalisierung der Pflege unter anderem durch eine Verwissenschaftlichung eines berufseigenen "body of knowledge" und einer Akademisierung der Pflegeausbildung. Hinzu käme die Entwicklung von Programmen zur Berufsqualifizierung und deren Überwachung; außerdem die Erfassung von Daten der Mitglieder, deren Registrierung sowie die Ausstellung von Urkunden und Zertifikaten.

Macht das Sinn?

Die Forderung nach einer Professionalisierung der Pflege suggeriert, dass zurzeit keine professionelle Pflege stattfindet. Das ist falsch. Die Ausbildung der Pflegefachkräfte an Berufsfachschulen hat sich bewährt. Weiterbildung obliegt Unternehmen, Kostenträgern und den Fachkräften selbst. Ob eine Akademisierung des Pflegeberufes den Anforderungen des demographischen Wandels gerecht wird, muss bezweifelt werden. Der Bedarf an Pflegefachkräften kann bereits heute nicht erfüllt werden. Diesem Problem droht in den nächsten Jahren eine dramatische Verschärfung. Die Schwelle für den Berufseinstieg weiter nach oben zu verschieben, kann keine sinnvolle Antwort sein.

Für Registrierung, Statistik und Zertifikate ist eine Pflegekammer nicht erforderlich. Das ist vielmehr eine Frage der Ausgestaltung intelligenter Schnittstellen, um Daten sicher zu verarbeiten und zu übermitteln.

Wer bezahlt es?

Die Pflegefachkräfte sollen die Kammern selber finanzieren. Dafür stehen gehaltsabhängige Monatsbeiträge von 7 bis 12 Euro / durchschnittlich 10 Euro im Raum. Die Kammermitgliedschaft ist für alle Pflegefachkräfte verbindlich.

Beispiele aus Kammerneugründungen zeigen, das anfangs mit einer Widerspruchsquote auf Beitragsrechnungen von 30 Prozent gerechnet werden muss. Das stellt Beitragskalkulationen grundsätzlich in Frage. Für satzungemäße Aufträge kann nur ein Drittel der Beitragseinnahmen verwendet werden. Der Rest fließt in Gremien, Organe, Umlagen und Personal der Mammutbehörde.

Politischer Prozess

Zentraler Bestand zur Einrichtung von Pflegekammern sind Befragungen der Pflegefachkräfte. Knackpunkte bei den Befragungen sind eindeutige Hinweise auf die Zwangsmitgliedschaft, verbunden mit einer Beitragspflicht und die Registrierung zur Befragung. In Rheinland-Pfalz haben sich nur 20 Prozent der Fachkräfte zur Befragung registriert. Bei allen anderen Befragungen kamen keine Mehrheiten für Pflegekammern - inklusive Zwangsmitgliedschaft und Beitragspflicht - zustande. Bei einer Umfrage des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) haben 95 Prozent der Teilnehmer eine Zwangsverkammerung abgelehnt. Damit fehlt es an der Legitimation der Pflegekammern durch die Betroffenen - die Pflegefachkräfte. Das sollten die politischen Entscheider berücksichtigen.

Alternativen

Besser als neue Institutionen einzuführen, ist bestehende Institutionen zu stärken. Das kann auch durchaus mit neuen Gremien gelingen. Eine Möglichkeit ist die Einführung von "Pflegesenaten", in denen alle relevanten Berufs- und Trägerverbände Sitz und Stimme haben und zu relevanten Themen Empfehlungen entwickeln und Stellung beziehen.