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Pressemitteilung BoxID: 203418 (Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft e.V. - BDWi)
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Fachkräfte für die Dienstleistungswirtschaft

(lifePR) (Berlin, ) Der Fachkräftemangel besonders im produzierenden Gewerbe erhält viel Aufmerksamkeit aus Politik und Medien. Die größten Beschäftigungszuwächse sind jedoch in der Dienstleistungswirtschaft zu erwarten.

Alleine in der Altenpflege fehlen in den nächsten zehn Jahren 400.000 Fachkräfte. Dieses führt zu einem Anstieg der Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern. Private Anbieter sozialer Dienstleistungen - u.a. Altenpflege, Jugendhilfe und Krankenhäuser - verzeichnen bereits heute zahlreiche unbesetzte Stellen für Fachkräfte. Das gilt auch für unternehmensnahe Dienstleistungen, zum Beispiel in der Branche Zeitarbeit. Die Erbringung von Dienstleistungen durch professionelle Anbieter verspricht erhebliche Produktivitätsgewinne für Unternehmen und Privathaushalte.

Die Hauptverantwortung zur Bewältigung des Fachkräftemangels liegt bei den Unternehmen. Die Politik darf das Problem aber nicht verschärfen, etwa durch die Abkehr von der Rente mit 67.

Auf der anderen Seite gilt es, die vorhandenen Stellschrauben zu nutzen, um die Unternehmen zu unterstützen. Das allgemeine Bildungssystem (Kinderbetreuung, Schulen und Hochschulen) muss verbessert werden. Branchen mit hohem Fachkräftebedarf müssen durch gezielte Förderung und die Verbesserung des Regulierungsrahmens unterstützt werden. Darüber hinaus müssen Politiker sich stärker engagieren, um dieses existenzielle gesellschaftliche Thema gegenüber Bürgern und Unternehmen zu vermitteln.

Zur Kenntnis: Fachkräftemangel: Demographie ist nur eine Ursache

Hauptursache für den Fachkräftemangel ist der demographische Wandel. Hinzu kommt, dass in Deutschland zurzeit 60.000 Schulabgänger ohne Abschluss pro Jahr zu verzeichnen sind. Diese können später nicht oder nur mit erheblichem Aufwand in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden.

Demographischer Wandel

Aktuelle Studien kommen zu dem Ergebnis, dass das Erwerbspersonenpotenzial (zurzeit 44,7 Millionen Personen) in Deutschland in den nächsten 20 Jahren um 10 Prozent zurückgehen wird. Diese Schätzungen sind möglicherweise zu optimistisch, da sie auch viele potentielle Zuwanderer in ihre Betrachtung einkalkulieren. Die Anzahl der Erwerbstätigen soll mit knapp 40 Millionen gleich bleiben. Der demographische Wandel wird aber regional stark unterschiedliche Auswirkungen haben.

Betriebliche Ausbildung

Zentrale Bedeutung bei der Gewinnung neuer Fachkräfte hat die duale betriebliche Ausbildung. 1,57 Millionen junge Menschen befanden sich 2009 in Ausbildung. 566.000 Ausbildungsverträge wurden im Jahr 2009 neu abgeschlossen (Quelle BIBB), die Hälfte davon in Dienstleistungsberufen.

Berufsfachschulen

Berufsfachschulen hatten 2008/9 einen Bestand von 195.000 Schülern, davon knapp 100.000 im ersten Schuljahr. Erzieher (ca. 20.000) und Altenpfleger (ca. 21.000) gehören zu den beliebtesten Berufen (BIBB).

Weiterbildung

Laut dem IAB-Betriebspanel haben im Jahr 2008 die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland Mitarbeiter weitergebildet. Für das Jahr 2009 zählt das Statistische Bundesamt 8 Millionen Erwerbspersonen, die an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen haben. Der Anteil der Dienstleistungswirtschaft lag bei rund 6,5 Millionen Teilnehmern. Die Finanzierung der beruflichen Weiterbildung wird neben der Bundesagentur für Arbeit, vom Bund (aus den Etats von: BMWI, BMAS, BMBF), sowie von Ländern und Gemeinden unterstützt. Gefördert wird u.a. auf Grundlage des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG), des BA-Sonderprogramms WeGebAU, im Rahmen der Kurzarbeit und der Begabtenförderung berufliche Bildung.

Perspektive für Unternehmen

Das Qualifikationsniveau von Arbeitsplätzen in Deutschland hat in den letzten 15 Jahren zugenommen. Der Anteil der Beschäftigten auf dem höchsten Qualifikationsniveau (Akademiker, Führungskräfte, usw.) ist von 35 Prozent auf 41 Prozent angestiegen. Der Anteil der Beschäftigten mit dem niedrigsten Qualifikationsniveau (Hilfstätigkeiten) beträgt nur noch 16 Prozent (Quelle Prognos, IAB). Dieser Trend wird sich fortsetzen.

Für Unternehmen wird sich die Besetzung von Arbeitsplätzen in Zukunft schwieriger gestalten. Das übt Druck auf die Preise (Lohn + Lohnzusatzkosten) aus. Höhere Lohnkosten könnten durch Produktivitätszuwächse (Automatisierung und Outsourcing) oder Verbesserungen in der Qualität ausgeglichen werden. Letztendlich muss der Kunde die höheren Lohnkosten tragen.

Ein Schlüssel für die erfolgreiche Besetzung von Arbeitsplätzen ist deren Gestaltung. Arbeitsplatzcharakteristika wie Arbeitsplatzsicherheit, interessante und unabhängige Arbeit wird von Arbeitnehmern als bedeutender eingeschätzt als ein hohes Einkommen. Hohe Wertschätzung erhalten Arbeitsplätze, die es ermöglichen anderen zu helfen bzw. etwas Nützliches für die Gesellschaft zu leisten (Quelle International Social Survey Programme ISSP).

Rente mit 67

Die Umstellung auf das Renteneintrittsalter 67 ist zwingend erforderlich. Nur dadurch ist es möglich, den Trend zur Frühverrentung zu durchbrechen. Bereits heute ist eine Zunahme der Erwerbstätigkeit älterer Arbeitnehmer zu verzeichnen. Eine Ursache ist die Heraufsetzung der Abschläge für einen vorzeitigen Renteneintritt. Dass nicht alle Beschäftigten in ihren angestammten Berufen bis zum 67-zigsten Lebensjahr arbeiten können, liegt auf der Hand. Wichtig ist jedoch, dass Strukturen für altersgerechte Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden. Dieses wird für einen Teil der Beschäftigten nur zu niedrigeren Löhnen möglich sein. Qualifizierte Mitarbeiter werden aber auch im höheren Alter von der Knappheit auf dem Arbeitsmarkt profitieren und höhere Einkommen erzielen. Die Einführung der Rente mit 67 ohne Ausnahmen ist ein Gebot der Gerechtigkeit. Ausnahmen und Verzögerungen gehen zu Lasten der jüngeren Generation und stellen das soziale Sicherungssystem grundsätzlich in Frage.