Fehlgebrauch der Airbagabschaltung bei der Beförderung von Kindern in Kinderschutzsystemen

(lifePR) ( Bergisch Gladbach, )
Bei der Beförderung von Kindern in rückwärts gerichteten Kinderschutzsystemen auf dem Beifahrerplatz ist es vorgeschrieben, den Frontairbag zu deaktivieren. Dadurch soll ein zusätzliches Verletzungsrisiko im Fall eines Verkehrsunfalls vermieden werden. Im Rahmen einer Studie im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen wurden die Folgen von Fehlbenutzungen des Beifahrerairbags untersucht.

Problem

Nach der allgemeinen Einführung des Beifahrerairbags stellte sich dessen Inkompatibilität mit rückwärts gerichteten Kindersitzen heraus. Insbesondere in den USA kam es zu zahlreichen tödlichen Unfällen mit Babyschalen auf dem Beifahrerplatz bei einem aktiven Beifahrerairbag. In der Folge wurde in den USA und in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die Beförderung von Kindern in rückwärts gerichteten Kinderschutzsystemen auf einem mit Frontairbag geschützten Autositz untersagt, sofern der Airbag nicht vor Fahrtbeginn deaktiviert wurde. Während Beifahrerairbags zunächst entweder gar nicht oder nur dauerhaft durch eine Werkstatt deaktiviert werden konnten, gibt es heute eine Vielzahl an Möglichkeiten, die dem Pkw-Fahrer die vorübergehende Abschaltung des Beifahrerairbags ermöglichen. Das schließt allerdings das Risiko von Fehlbedienungen ein, wie die Beförderung eines Kindes in einer Babyschale trotz aktiviertem Airbag oder die Mitfahrt eines Beifahrers trotz deaktiviertem Airbag.

Untersuchungsmethode

Nach einer Übersicht über die Gesetzgebung und Zulassungsbedingungen von deaktivierbaren Frontairbags sowie einer Unfallanalyse und der Beschreibung der Airbagtechnik folgten Befragungs- und Beobachtungsstudien. In einer Online- Befragung und in Feldstudien wurden Fragen zur Beförderungssituation, und zur Konstellation Airbag/Kinderschutzsystem thematisiert. Daneben wurden persönliche Angaben erhoben. Daran schlossen sich dynamische Tests mit verschiedenen Airbagmodellen an. Die Ergebnisse wurden mit zwei Referenzmodellen ohne Airbag verglichen. Zusätzlich wurden statische Versuche durchgeführt, bei dem in der stehenden Karosse verschiedene Airbagmodelle getestet wurden. Insbesondere wurde auf Kopf- und Halsbelastungen eingegangen.

Ergebnisse

Die Umfragen zeigten, dass die untersuchten Fehlgebrauchsfälle offensichtlich seltene Ausnahmen geworden sind. Die Präferenz der Eltern liegt bei der Beförderung ihrer Kinder auf den Rücksitzen. Der Großteil der Fehlbenutzungsfälle entsteht in älteren Pkw, bei denen ein Werkstattaufenthalt für die Deaktivierung/Aktivierung des Beifahrerairbags erforderlich ist. Keine Missbräuche oder technische Fehler fanden sich bei Systemen mit automatischer Sitzerkennung. Der überwiegende Anteil der Fehlgebrauchsfälle bei den Modellen mit manueller Umschaltmöglichkeit geht offenbar auf Vergessen zurück. Ein anderes mögliches Problem stellt die Mitnahme von Erwachsenen auf dem Beifahrerplatz nach Deaktivierung des Beifahrerairbags dar. Durch automatische Abschaltung des Airbags nach automatischer Kindersitzerkennung wird dieser Fehler vollständig vermieden. Dieses Problem wird jedoch in den meisten Fällen ignoriert in denen der Airbag dauerhaft in der Werkstatt deaktiviert wurde. Auch die Unfallanalyse von Informationen der GIDAS-Datenbank deutet auf eine geringe Fehlbenutzungsquote hin. Meist war bei Unfällen mit beförderten Kindern der Beifahrerairbag vorschriftsmäßig deaktiviert. Die untersuchten Einzelfälle zeigen jedoch, dass vom Beifahrerairbag tödliche Gefahren ausgehen können.

Folgerungen

Eine Fehlbenutzung der Abschaltung des Beifahrerairbags ist die Ausnahme, aber das davon ausgehende Risiko ist hoch. Kinder werden selten auf dem Beifahrerplatz befördert. Durch die allgemeine Erneuerung der Fahrzeugflotte ist darüber hinaus ein Trend in Richtung weniger gefährlicher Beifahrerairbags entstanden. Aus technischer Sicht wäre es mittelfristig denkbar, das generelle Verbot von rückwärts gerichteten Kinderschutzsystemen in Zusammenhang mit einem aktiven Airbag zugunsten einer Freigabe/Sperre durch den Fahrzeughersteller aufzuheben.

Abstract

Misuse of airbag deactivation during the transportation of children in CRS

Within the process of integration of passenger airbags into the vehicle fleet a problem of incompatibility between the passenger airbag and rearfacing child restraint systems (CRS) was recognised. Therefore the deactivation of a present passenger airbag is mandatory in all member states of the European Union if a child is carried in a rearfacing child restraint system on the front passenger seat. Today there are a lot of different possibilities for the car driver himself to deactivate the airbag. Taking into account the need for deactivation of the front passenger airbag two types of misuse can occur: transportation of an adult, while the airbag is disabled and transportation of an infant while the airbag is still enabled, respectively. Within this project both options of misuse were analysed.

There where only a few cases of misuse, on account of the high number of passenger airbags disabled and the wish of parents to seat their infants on the back seat. For systems, which detect a child seat automatically, no misuse could be found. However, there is always a problem, if the airbags was deactivated expensively by a garage. The resulting risk for adults following from a deactivated airbag is assumed to be less dangerous. Even if these findings do not allow obtaining general conclusions, a tendency of less danger by new airbagstechnologies could be identified.
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