Barockspezialisten, Hammerklavier und Haydns Esprit

(lifePR) ( Bremen, )
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WAS          
Fundamente
3.Philharmonisches Konzert der Bremer Philharmoniker
               
WANN       
Sonntag, 17. November 2019, 11 Uhr
Montag, 18. November 2019, 19:30 Uhr
 
WO            
Konzerthaus Glocke
Domsheide 4/5
28195 Bremen

Barockbögen, Naturhörner und ein Hammerklavier – beim 3. Philharmonischen Konzert der Bremer Philharmoniker erklingen Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Xaver Dussek wie zu deren Lebzeiten. Barockspezialist Marco Comin, der anstelle des ursprünglich angekündigten Vaclav Luks die musikalische Leitung übernehmen wird, gilt als Experte für die sogenannte historisch informierte Aufführungspraxis und präsentiert als besonderen Höhepunkt des Programms das Konzert für Klavier und Orchester D-Dur von Joseph Haydn mit Andreas Staier am Hammerklavier.

Andreas Staier ist für seine akribische Herangehensweise bekannt, wenn es darum geht, Werke unter Berücksichtigung der historischen Situation ihrer Entstehungszeit zu interpretieren. Als Cembalist und Pianist arbeitet Staier mit renommierten Instrumentenbauern zusammen, um dem speziellen Klang, den sich die Komponisten für ihre Werke vorgestellt haben, möglichst nahe zu kommen. So wird eigens für dieses Konzert ein Nachbau eines Hammerklaviers aus der Werkstatt des legendären Klavierbauers Conrad Graf vom niederländischen Klavierrestaurator Edwin Beunk zur Verfügung gestellt. Staier freut sich nicht nur auf das besondere Instrument, sondern auch darauf, seine Liebe zu Joseph Haydn mit dem Publikum zu teilen. „Haydns Idiom ist von einer solchen Klarheit und Schnelligkeit, die es der Musik erstmals ermöglichen, humorvoll zu sein. Haydns Allegri blitzen vor Esprit“, so Andreas Staier, „Je älter ich werde, desto größer wird meine Beglückung darüber, dass Joseph Haydn gelebt hat.“

Vorab widmen sich die Bremer Philharmoniker der zu Unrecht wenig bekannten Symphonie B-Dur des tschechischen Komponisten Franz Xaver Dussek und beenden das Konzert mit der Symphonie Nr. 36 von Dusseks engem Freund Wolfgang Amadeus Mozart. Diese als „Linzer“ bekannt gewordene Symphonie gilt nicht nur auf Grund ihrer nur wenige Tage dauernden Entstehungszeit als kompositorische Sensation, sondern vor allem durch ihren spritzigen Ideenreichtum, mit dem sich Mozart auf neue Wege begab.

Das Programm

Franz Xaver Dussek (1731-1799)
Symphonie B-Dur, Altner Bb3
Allegro e vivo
Andante
Minuetto
Allegro assai
Entstanden wahrscheinlich in den 1760er Jahren

Joseph Haydn (1732-1809)
Konzert für Klavier und Orchester D-Dur Hob. XVIII:11
Vivace
Un poco Adagio
Rondo all’Ungarese. Allegro assai
Komponiert zwischen 1780 und 1784

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Symphonie Nr. 36 C-Dur KV 425 („Linzer“)
Adagio – Allegro spiritoso
Andante
Menuetto
Presto
Komponiert Ende Oktober / Anfang November 1783; Uraufführung am 4. November 1783 in Linz

Andreas Staier, Hammerklavier
Marco Comin, Dirigent

Es spielen die Bremer Philharmoniker.

Informationen zu Künstlern und Programm
Auszüge aus dem Programmheft

Marco Comin
Dirigent
Marco Comin studierte in seiner Heimatstadt Venedig Klavier und Komposition am Conservatorio di Musica „Benedetto Marcello“ sowie Geschichte an der Università Ca‘ Foscari. Gleich nach dem Abschluss seines Dirigierstudiums an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin wurde er als Zweiter Kapellmeister am Deutschen Nationaltheater in Weimar engagiert. 2008 wurde er Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor am Staatstheater Kassel. Von 2012/13 bis 2016/17 war Marco Comin Chefdirigent des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München. Comin genießt einen ausgezeichneten Ruf als Experte für barockes Repertoire. Als Operndirigent tritt Marco Comin europaweit auf. Sein Repertoire reicht von Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart, Vincenzo Bellini, Gaetano Donizetti und Giuseppe Verdi bis Richard Strauss, Arthur Honegger, Benjamin Britten, Aribert Reimann und Friedrich Cerha. Im Theater Bremen bekam er bereits mit Giuseppe Verdis „Un Ballo in Maschera“ beste Kritiken, ab November 2019 ist er dort mit der Oper „Alcina“ von Georg Friedrich Händel zu erleben. Als Konzertdirigent arbeitet er unter anderem mit den Münchner Philharmonikern, der Philharmonie Essen, der Mecklenburgischen Staatskapelle und der Jenaer Philharmonie.

Andreas Staier
Hammerklavier
Nach Studien bei Lajos Rovatkay und Ton Koopman wurde Andreas Staier zunächst als Cembalist weltberühmt. Durch seine akribische Herangehensweise an die Werke sowie an die historische Situation deren Entstehungszeit eröffnet er in seinen Konzerten neue Interpretationsansätze – er könnte wohl als „leidenschaftlicher Klangsuchender“ bezeichnet werden. Andreas Staier arbeitet mit renommierten Instrumentenbauern zusammen, um dem speziellen Klang für Werke der englischen Virginalisten aus dem 16. Jahrhundert oder für die Kompositionen von Bach, Beethoven und Brahms möglichst nahe zu kommen. Außerdem verbindet ihn eine enge Kooperation mit dem Komponisten Brice Pauset (geb. 1965). Von 2012 bis 2016 war Staier Artist in Residence am AMUZ in Antwerpen; in gleicher Funktion ist er seit 2011 an der Oper von Dijon tätig. Andreas Staier tritt weltweit auf. Zu seinen langjährigen musikalischen Partnern und Partnerinnen zählen unter anderem Alexander Melnikov, Christine Schornsheim, Isabelle Faust und Christoph Prégardien. Seine CD-Aufnahmen wurden vielfach ausgezeichnet. Als vielgefragter Pädagoge war Andreas Staier von 1987 bis 1995 Professor für Cembalo und Hammerklavier an der berühmten Schola Cantorum Basiliensis und hält weltweit Meisterkurse. Seit einigen Jahren arbeitet er auch als Dirigent und Orchesterleiter.

Franz Xaver Dussek
Symphonie B-Dur, Altner Bb3 Franz Xaver Dussek hinterließ ca. 200 Werke, darunter etwa 40 Symphonien, Klavier- und Kammermusik. Die meisten dieser Werke blieben ungedruckt, deshalb ist deren Datierung nicht mit Sicherheit festzulegen. Wahrscheinlich entstand die Mehrzahl dieser Kompositionen in den 1760er Jahren. Von der heute zu hörenden Symphonie B-Dur wurden lediglich die Instrumentalstimmen überliefert. Dussek schuf mit seinen Kompositionen eine Art Brücke zwischen dem galanten Stil der Frühklassik und der „reiferen“ symphonischen Gestaltung der Zeit eines Haydn und Mozart. Die Symphonie B-Dur liefert ein beredtes Beispiel für die Vermischung dieser beiden stilistischen Elemente. So besticht der Eröffnungssatz durch markante Rhythmen und dynamische Kontraste, die immer wieder in geschmeidige Motive münden. Der Satz ist zwar in einer Sonatenform verfasst. Der langsame zweite Satz der Symphonie, in dem nur die Streicher spielen, wird durch eine grazile und verzierte Melodie geprägt und wirkt wie ein intimer Streichquartettsatz. Gleichwohl tauchen hier auch dynamische Kontraste zwischen piano und forte ebenso auf wie pulsierend-synkopische Rhythmen. Auch der dritte Satz, das Minuetto, setzt diese kompositorischen Stilmerkmale fort. Das Hauptthema des Finales klingt wie ein fröhlicher, kleiner Marsch. Das zweite Thema wirkt danach geradezu lustig hüpfend. Die zwei Themenbereiche erklingen in kunstvoller Kontrapunktik – hier stellt Franz Xaver Dussek sein kompositorisches Talent in vollem Reichtum dar.

Joseph Haydn
Konzert für Klavier und Orchester D-Dur D-Dur Hob. XVIII:11 Joseph Haydn schrieb seine Werke für Tasteninstrument und Orchester während seiner Dienstzeit beim Fürsten Esterházy für die Konzerte am Hof von Eszterháza (Nordwestungarn). Das Klavierkonzert D-Dur, Haydns letzter Beitrag aus dieser Reihe, entstand wahrscheinlich zwischen 1780 und 1784. Was für ein Instrument Haydn dabei in Betracht zog, ist bis heute nicht geklärt: Der Titel des Werkes Concerto per il clavicembalo o fortepiano lässt die Verwendung eines Cembalos genauso zu wie eher wahrscheinlicher die eines Hammerklaviers. Seit dem Erstdruck (1784 beim Pariser Musikverlag Boyer) erfuhr das Konzert viele Abschriften, was für eine schnell wachsende und bis heute dauernde Popularität des Werkes spricht – der hauptsächliche Grund dafür war wohl das zündende Finale (Rondo all‘ Ungarese). Haydn zeigt wie in seinen Symphonien auch hier seine musikalische Originalität.
Der ganze erste Satz basiert eigentlich auf einem Thema, aus dem etliche Segmente sich selbständig machen und dabei ganze Formteile beherrschen können. Der langsame Satz – in dem Haydn die Bläser weiterhin mitspielen lässt, was damals recht unüblich war – besticht durch seine zart pochenden Triolen-Motive. Im dritten Satz erklingt das quirlige Finale Rondo all‘ Ungarese, in dem auch die zwei Moll-Episoden zur rhythmischen Prägnanz und steigenden Intensität des ganzen Satzes beitragen.

Wolfgang Amadeus Mozart
Symphonie Nr. 36 C-Dur KV 425 („Linzer“)
Während eines Besuches in Linz komponierte Mozart die sogenannte Linzer-Symphonie angeblich innerhalb von 5-6 (!) Tagen – wahrhaft bewundernswert bei diesem Werk ist jedoch nicht nur die kurze Entstehungszeit, sondern auch wie Mozart bei diesem Auftragsstück ganz neue Dimensionen in seinem orchestralen Schaffen, nämlich den Weg zu seinen letzten vier Symphonien, eröffnet. Neuartig ist in Mozarts Symphonik, dass der erste Satz mit einer langsamen Einleitung beginnt. Der Satz ist zwar in klarer Sonatenform angelegt, doch Mozart hat immer einige Überraschungen parat. Das Seitenthema etwa erklingt nicht in der „regulären“ Dominanten-Tonart G-Dur, sondern in e-Moll und bringt jenen fröhlichen türkischen Charakter, der unter anderem aus seinem Singspiel Die Entführung aus dem Serail bekannt ist. Der langsame zweite Satz ist ein sanfter Siciliano. Üblicherweise würde ein Komponist in einem solchen Satz aus dem Tutti-Orchesterklang die Trompeten und Pauken weglassen, doch Mozart gibt gerade diesen Instrumenten eine äußerst subtile Funktion. Auch im Menuett, im dritten Satz, mangelt es nicht an hinreißenden Einfällen. Im Hauptteil täuscht Mozart die Wiederkehr des Menuett-Themas durch ein lediglich vier Takte langes Motiv vor; im Trio wird das ländlerartige Thema am Schluss als Kanon zwischen Oboe und Fagott intoniert, als wenn der Fagottspieler seinen Einsatz verpasst hätte. Das Finale besticht nicht nur durch seine sprudelnd-lebhafte Stimmung, sondern auch durch die Vielfalt und den Ideenreichtum in der Orchestration – „typisch Mozart“, wie leuchtende Tutti-Klänge mit Abschnitten von raffinierter Transparenz vor allem im Seitenthema-Bereich abwechseln.
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