Montag, 18. Dezember 2017


  • Pressemitteilung BoxID 307285

Gauchos mit Kirchturmpolitik, Nordmänner mit Weitblick

Hamburg, (lifePR) - Die Auseinandersetzungen um eine Wiederverstaatlichung des erst 1999 privatisierten Ölkonzerns YPF sind ein Lehrbeispiel für die Fallstricke, die Investoren in vielen Weltregionen drohen. Die wievielte Todsünde der Argentinier ist das eigentlich, wenn es wirklich dazu kommt - nach der Weigerung der Anleihenbedienung, nach der Nationalisierung der privaten Pensionskassen, dem Griff in die Devisenreserven der Notenbank in Buenos Aires? Außerhalb der in Europa, Nordamerika, Australien, Japan oder wohl auch Korea, Taiwan und Singapur verankerten Rechtskultur bestehen für Anleger an vielen Orten der Welt Risiken der politischen Willkür, die denn auch die Begründung für entsprechende Bewertungsabschläge liefern.

Natürlich stehen die Volkswirtschaften Indonesiens, Angolas, Indiens oder Malaysias vor einer großen Zukunft. Die Aufhol- oder Angleichungsprozesse bieten das Potenzial für eine lange Periode starker Wirtschaftsdynamik. Doch die Claims und Pfründe werden unter den Regionalfürsten abgesteckt. Siemens, BASF, Volkswagen oder EADS haben gute Karten in China, bis sie in einer oder zwei Dekaden ersetzbar sind durch regionale Wettbewerber. Pharmakonzerne in Indien erleben gerade, wie ihre Produktrechte durch Verordnungen ausgehöhlt werden können. Das sind Feststellungen mit Konsequenzen für heutige Anlage- oder Investitionsentscheidungen.

Es sind all das keine moralische Wertungen - Argentinien hat eine respektable Geschichte und war vor 65 Jahren Absender von Care-Paketen nach Deutschland, während die Interessendurchsetzung Großbritanniens in der Opiumfrage oder die der Niederländer im Gewürzhandel den Europäern noch heute die Schamesröte ins Gesicht treiben könnten. Nicht Freundschaften und Emotionalitäten, lediglich Interessen könnten die Länder zusammenführen. Heißt es. Stimmt auch, wenn - wie in ökonomischen und manchen polittheoretischen Modellen sehr üblich - wichtige Aspekte des gemeinschaftlichen Lebens ausgeblendet werden. In Wirklichkeit ist Solidarität die Voraussetzung für gute Nachbarschaft. Sie ist ein Muss, wenn man gemeinsam in einem Boot sitzt. So wie die Deutschen jetzt Solidarität üben müssen mit den Griechen, die wiederum großen Lern- und Anpassungsbedarf haben und sich von ihren Illusionen Schritt für Schritt lösen müssen.

Solidarität: Die Zustimmung des Kabinetts in Hannover zur Elbvertiefung ist ein erfreulicher Akt zugunsten des Nachbarn Hamburg. Es hätte ja auch noch anders kommen können, also nicht vom Ergebnis, aber doch vom Zeitablauf her. Falsches politisches Taktieren drohte das Okay der Niedersachsen hinauszuzögern und die Nerven auf eine längere Probe zu stellen, wenn Ministerpräsident McAllister eben diesen Spielchen nicht ein schnelles Ende bereitet hätte. Mit Hafenwirtschaft und Schifffahrt sind für norddeutsche Metropolregion jährliche Steuereinnahmen von 800 Millionen Euro verbunden. Es geht beim Thema der Wettbewerbsfähigkeit des Hafens also um sehr viel.

Und für die Ergebnismargen der HHLA, ganz besonders aber für die Wahrnehmung der Aktie durch nationale und internationale Investoren, wird der Startschuss zum Ausbau der Fahrrinne ganz wichtige Impulse leisten. Noch drücken die Zweifel am raschen Beginn der Baggerarbeiten den Kurs der Aktie auf ein Niveau von 25 Euro. Das Potenzial des Dividendenpapiers liegt aber weit darüber, wenn denn letztlich auch die Freigabe, der sofortige Vollzug des Planfeststellungsverfahrens durch den Gerichtshof in Leipzig festgestellt wird. Dahingehend werden wir in zwei bis drei Monaten schlauer sein. Mit Klagen von Obstbauern ist zu rechnen. Sie fürchten, dass der Salzgehalt der Elbe deutlich steigen und der wirtschaftliche Obstanbau entlang der Unterelbe damit gefährdet werden könnte.

Für einen positiven Ausgang, also ein schnelles höchstrichterliches Verfahren, sind - anders als bei der geplanten Ausbaggerung der Weser - wichtige Hürden im Vorwege genommen. So sieht die EU-Kommission laut einer Erklärung vom Dezember in der Elbvertiefung ein Projekt von übergeordnetem öffentlichen Interesse. Anders auch als beim Ausbau des Frankfurt Airport sind unmittelbare Benachteiligungen von Parteien nicht gegeben. Lediglich Risiken und Eventualitäten galt und gilt es abzuwägen. Die Ausbauarbeiten an der Elbe werden nach zwei Jahren abgeschlossen sein, die für die Schifffahrt relevanten eigentlichen Baggerarbeiten bereits nach rund neun Monaten.

Fazit: Vor Gericht und auf hoher See... wir wissen es. Und doch dürfte sich der Kursanstieg der HHLA-Aktie bei einer endgültigen Freigabe der Ausbauarbeiten so rasch wie fulminant vollziehen. Sich da im Vorwege zu positionieren, halte ich aus der Abwägung der Argumente und Wahrscheinlichkeiten für eine vernünftige Spekulation.

Manchmal ist es eben spannend, aber auch schön, wenn Nachbarn aufeinandertreffen. Vergangenes Wochenende spielten der große und kleine HSV (Hamburg vs. Hannover) gegeneinander. Aber die Anhänger der Kontrahenten übten sich in Eintracht. Bei diesem Lokalderby wird die Tradition gepflegt, dass im Wechsel mal die einen, dann die anderen Fans ihren HSV lautstark anfeuern. Hamburg und Hannover gehören zusammen in die Spitzenliga. Ohne den Nachbarn wäre es doch ziemlich einsam und trostlos - wirtschaftlich, und vom Gefühl her sowieso. Also hatten die Niedersachsen auch in dieser Sache ein Einsehen. Diesmal benötigte Hamburg die Punkte dringender. Auch Erfahrungen werden geteilt: Was den Hanseaten die Elbphilharmonie, das ist den Friesen jetzt ihr Jade-Weser-Port bei Wilhelmshaven. Stress, Mehrkosten, Zeitaufschub. Wir sitzen in einem Boot.

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