Freitag, 24. Februar 2017


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Arbeitsmarkt ahoi

Der Maritime Campus in Elsfleth hat bei jungen Seeleuten und Reedereien einen guten Ruf

(lifePR) (Bremen, ) Sandrin Elsner blickt konzentriert auf das Radar, die Hand fest um den Joystick gelegt. Ihr Blick wandert herum, herauf zu den Anzeigen für Luftdruck, Temperatur und Tempo, nach links zum Monitor mit der Seekarte und der Wassertiefe und wieder zurück zum Radar. Sie darf weder anecken noch auflaufen, und mit dem "Seefalken", einem Fischereischutzboot von 72 Metern Länge, ist das im Rotterdamer Hafen kein leichtes Spiel. Doch Elsner hat schon Routine und bleibt ruhig. Bis das Radar ausfällt. Im wahren Leben müsste die 23-Jährige jetzt mit Seekarten weitermanövrieren. Zum Glück fährt sie nur eine Übung am Simulator.

Wie rund 400 andere Frauen und Männer studiert Elsner Nautik im niedersächsischen Elsfleth. Eine Kleinstadt mit knapp 10 000 Einwohnern, zwei Ampeln und einem bisher 17 Mio. teuren Projekt: dem Maritimen Campus, der hier seit 2005 wächst als Kompetenzzentrum für alles, was die Seewirtschaft betrifft.

Auf 38 000 Quadratmetern erstrecken sich am Hunteufer Hochschulgebäude, Ausbildungsstätten für Schiffsmechaniker, Büros und Wohnheime. Hier soll die Zukunft der Seefahrt heranwachsen, denn gut ausgebildete Seeleute werden gesucht, und Elsfleth hat als Ausbildungsstätte einen guten Ruf in der traditionsbewussten Branche.

Allein aus öffentlichen Kassen konnte das Projekt nicht finanziert werden. Deswegen haben sich Niedersachsen, Elsfleth, die Jade Hochschule und die Bremer Reederei Beluga Shipping zu einer Public Private Partnership (PPP) zusammengeschlossen. Ein Konzept, das immer häufiger genutzt wird, um große Bauvorhaben zu finanzieren. So müssen die öffentlichen Kassen weniger bezahlen. Aber auch Beluga profitiert: Die Reederei bekommt zum Beispiel Forschungsergebnisse vor der Konkurrenz zu sehen.

Die Ausbildung ist die wichtigste Kompetenz des Martimen Campus. Elsner ist fast fertig mit dem Nautikstudium. Anschließend will sie in zwei bis drei Jahren ihr Kapitänspatent ausfahren. "Das schönste sind die Sonnenaufgänge auf offener See, wenn man morgens um vier alleine auf der Brücke ist", erzählt sie.

Die meisten Absolventen des Studiengangs Nautik finden schnell einen Job. Nach Angaben des Verbands deutscher Reeder sind mehr als die Hälfte der deutschen Kapitäne älter als 50 Jahre. Noch vor 15 Jahren wollte niemand Kapitän werden, billigere Arbeitskräfte aus Osteuropa hatten den Markt übernommen. "Nun fehlt bei den Kapitänen die Altersgruppe zwischen 35 und 50 Jahren", sagt Klaus-Jürgen Windeck, Dekan des Fachbereichs Seefahrt.

Die Flaute hat auch die Hochschule zu spüren bekommen. 1992 gab es nur 42 Bewerber für den Studiengang Nautik, die Schließung drohte. Zwei neue Studiengänge retteten den Fachbereich: internationales Transportmanagement und Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft. Momentan sind 700 Studenten am Fachbereich Seefahrt eingeschrieben. Ein erfolgreicher Elsflether Absolvent heißt Niels Stolberg und ist geschäftsführender Gesellschafter und Mitbegründer der Reederei Beluga.

"Elsfleth ist wesentlich besser aufgestellt als andere Studienstandorte. Nicht nur die Ausstattung und Infrastruktur sind hervorragend, auch die qualifizierten Dozenten und Professoren - immerhin 16 allein für den Studiengang Nautik - sprechen für die Qualität des Standortes."

Stolbergs Investition in Elsfleth nutzt auch der Zukunft seiner Reederei. Eigenen Schätzungen zufolge braucht Beluga bis 2012 ungefähr 80 Nachwuchskapitäne und 300 Schiffsoffiziere. Die Reederei fährt Ladungen, die zu groß sind für den normalen Frachtverkehr, Offshore- Windanlagen zum Beispiel. Dafür braucht man geschultes Personal.

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