Sonntag, 22. Juli 2018


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Stellungnahme zur geplanten Wiedereinführung des Diploms in Mecklenburg-Vorpommern

Berlin, (lifePR) - Weitgehend unbemerkt und ohne vorherige öffentliche Anhörung soll in das novellierte Hochschulgesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern die Bestimmung aufgenommen werden, dass zukünftig wieder Diplom-Titel durch die Hochschulen vergeben werden sollen.

Ein solcher Schritt würde erheblichen hochschulpolitischen Schaden in Mecklenburg- Vorpommern anrichten, könnte aber Auswirkungen auch über die Landesgrenzen hinaus haben. Wir wollen, dass darüber keine Abgeordnete und kein Abgeordneter des Landtages im Unklaren ist, wenn die definitive Entscheidung Mitte Dezember ansteht.

Flächendeckend besteht in Deutschland großes Interesse an bundesweit einheitlichen und international verständlichen Abschlussbezeichnungen. Hierdurch wird die nationale und internationale Mobilität der Studierenden und Absolventen genauso gewährleistet wie die Transparenz der Qualifikationen für andere Hochschulen und Arbeitgeber. Schädlich wäre es daher, sollte sich nun Mecklenburg-Vorpommern hiervon isolieren. Niemand kann sich einen auf diese Weise entstehenden Flickenteppich der Qualifikationen wünschen. Probleme bei der Anerkennung und Bewertung von Abschlüssen auch innerhalb Deutschlands wären vorprogrammiert - mit allen schädlichen Folgen für die Mobilität von Studierenden und Absolventen. Der in der Kultusministerkonferenz vereinbarte und in den Gemeinsamen Strukturvorgaben formulierte Konsens über die Benennung der akademischen Qualifikationen darf nicht aufgekündigt werden. Wir brauchen in Deutschland einen Wettbewerb der Studienqualität, nicht der Abschlussbezeichnungen.

In einem länderübergreifenden Konsens haben alle deutschen Hochschulen in den letzten Jahren ihre Studiengänge auf Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt. Dem Ziel, die Studienstrukturen wie auch die Abschlussbezeichnungen international kompatibel und verständlich zu machen und damit den Austausch und die Mobilität während des Studiums und nach dessen Abschluss auf dem Arbeitsmarkt zu fördern, sind wir so schon ein gutes Stück näher gekommen. Die Weiterentwicklung der Bologna-Reform würde aber durch die vorgeschlagene erneute Umbenennung der Abschlüsse Schaden erleiden. Auch die vorgesehene Ungleichbehandlung der Bachelor-Abschlüsse je nach Semesterzahl steht im völligen Widerspruch zur Studienstruktur des Europäischen Hochschulraums, ist unsachgemäß und führt zudem zu einer ungerechtfertigten Diskriminierung der meisten Bachelor-Absolventen. Die negativen Konsequenzen für die Akzeptanz der neuen Hochschulabschlüsse Bachelor und Master liegen auf der Hand - zum Schaden der Studierenden, der Hochschulen und der Wirtschaft.

Selbst die Befürworter der Rückentwicklung zum Diplom sind sich offensichtlich der Probleme bewusst, die mit ihrer kurzfristig eingebrachten Initiative verbunden sind: Der Gesetzentwurf sieht in der Begründung vor, dass ein Diplom-Abschluss nachträglich in einen Masterbzw. Bachelor-Abschluss eingetauscht werden kann, falls es zu Problemen bei der Anerkennung kommt. Dies würde den kompletten Abschied von der Verbindlichkeit akademischer Grade bedeuten und die Abschlussbezeichnung der individuellen Beliebigkeit anheim stellen.

Sollte es Wunsch des Gesetzgebers sein, auf die Gleichwertigkeit der neuen Abschlüsse Bachelor und Master mit dem früheren Diplom hinzuweisen, so können hierfür auch bestehende Transparenzinstrumente genutzt werden. Die Äquivalenz ist in den Gemeinsamen Strukturvorgaben der Länder geregelt und kann von den Hochschulen entsprechend bescheinigt werden. Einer gesetzlichen Regelung bedarf es hierzu nicht. Auf diesem Wege könnte der gesetzgeberische Zweck erreicht und zugleich eine hochschulpolitische Isolation des Landes Mecklenburg-Vorpommern abgewendet werden.

Wir appellieren nachdrücklich an alle Abgeordneten des Landtages von Mecklenburg- Vorpommern, den Vorstoß für einen Sonderweg des Landes bei der Benennung akademischer Abschlussbezeichnungen nicht zu unterstützen. Wir stehen weiterhin als Partner an der Seite der Landesregierung und des Landtags, um die Reform der Bachelor- und Master- Studiengänge voranzutreiben und ihre Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt weiter zu verbessern - im Interesse der Studierenden, der Hochschulen, der Wirtschaft wie auch der Bürgerinnen und Bürger.

Die Fachhochschulen des Landes begrüßen und unterstützen diese Stellungnahme ausdrücklich.

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