Samstag, 18. November 2017


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Ein Schatz aus Birkenrinde - Indologen erforschen 2000 Jahre alte Zeugnisse des indischen Buddhismus

München, (lifePR) - Die wertvollen Schriften sorgen in der Fachwelt für Überraschungen. Am 31. Januar wird an der Ludwig-Maximilians-Universität München das Projekt "Die frühbuddhistischen Handschriften aus Gandhara" vorgestellt, das von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften betreut wird.

Die ältesten buddhistischen Handschriften sind lange Rollen aus Birkenrinde, eng in Gandhari beschrieben, einer früheren indischen Regionalsprache, die es längst nicht mehr gibt. Sie stammen aus Gandhara, wie der Nordwesten Pakistans früher hieß.

Für die Buddhismus-Forschung sind die Handschriften eine Sensation. Da ist zum einen das Alter der Dokumente, die bis ins erste Jahrhundert vor Christus datieren. Damit enthalten sie die bei weitem ältesten schriftlichen Überlieferungen des indischen Buddhismus. Auch ihr Inhalt überwältigt die Fachleute. Sie ermöglichen Einblicke in eine Literatur, die bislang als vollständig verloren galt, und sie helfen, entscheidende Entwicklungsschritte des indischen Buddhismus zu rekonstruieren. Zudem bestätigen die Rollen die Bedeutung Gandharas für die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China.

An der Ludwig-Maximilians-Universität München beginnt ein Team um den LMU-Indologen Professor Jens-Uwe Hartmann und Professor Harry Falk von der Freien Universität Berlin nun mit der Edition der Handschriften. Der Großteil der Schriften liegt nur in Fragmenten vor, die zunächst richtig zusammengesetzt werden müssen. Welche Herausforderung das ist, zeigt die Laufzeit des Projekts der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Es ist auf 21 Jahre angelegt und hat ein Gesamtvolumen von 8,6 Millionen Euro. Finanziert wird es im Rahmen des Akademienprogramms, das der Erschließung, Sicherung und Vergegenwärtigung unseres kulturellen Erbes dient. Es ist eines der größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik Deutschland und wird von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften koordiniert.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten dabei mit Scans. Die extrem brüchigen Originale der kostbaren Handschriften sind weltweit über verschiedene Sammlungen verstreut; ein Großteil befindet sich in der British Library in London. Ziel des Projektes ist es, alle Gandhari-Handschriften zu edieren und sie damit für die weitere Forschung verfügbar zu machen. Außerdem sollen ein Wörterbuch und eine Grammatik der Gandhari-Sprache entstehen, und es soll vor allem eine Geschichte der Literatur und des Buddhismus in Gandhara erarbeitet werden. Schon jetzt ist abzusehen, dass die Ergebnisse zu einem neuen Verständnis der Frühphase des indischen Buddhismus führen werden.

Kernstück des Projektes bildet eine Datenbank, in der alle Informationen gesammelt und verknüpft werden. Sie wird die Grundlage für digitale und gedruckte Publikationen bilden und der internationalen Fachwelt den Zugriff auf die laufend erarbeiteten Daten ermöglichen.

Näheres zum Projekt: www.gandhara.indologie.lmu.de

Veranstaltung: Vorstellung des Projektes „Frühbuddhistische Handschriften aus Gandhara“
Termin: Donnerstag, 31. Januar 2013, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Senatssaal, Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München
Anmeldung: bis 25. Januar unter Tel. 089-2180 2353 oder per E-Mail an evelyn.kindermann@lmu.de

Bayerische Akademie der Wissenschaften

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften, gegründet 1759, ist eine der größten und ältesten Akademien in Deutschland. Sie ist zugleich Gelehrtengesellschaft und Forschungseinrichtung von internationalem Rang. Mit rund 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreibt sie Grundlagenforschung in den Geistes- und Naturwissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf langfristigen Vorhaben, die die Basis für weiterführen-de Forschungen liefern und die kulturelle Überlieferung sichern. Sie ist ferner Trägerin des Leibniz-Rechenzentrums, eines der größten Supercomputing-Zentren Deutschlands, und des Walther-Meißner-Instituts für Tieftemperaturforschung. Seit 2010 betreibt sie ein Junges Kolleg für den exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs in Bayern.



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