Sonntag, 19. November 2017


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Gertrud Arndt: Weberin und Fotografin am Bauhaus 1923-1931

"Eigentlich wollte ich ja Architektin werden..."

Berlin, (lifePR) - In einer Gesamtschau präsentiert das Bauhaus‐Archiv / Museum für Gestaltung in Berlin textile und fotografische Arbeiten der Bauhäuslerin Gertrud Arndt

Die bisher umfangreichste Ausstellung zum Werk der Weberin und Fotografin Gertrud Arndt (1903‐2000) zeigt das Bauhaus‐Archiv Berlin vom 30. Januar bis zum 22. April 2013. Die 1924 bis 1927 in der Weberei des Bauhauses ausgebildete Textilspezialistin wurde ab Ende der 1970er Jahre durch ihre zwischen 1929 und 1931 entstandenen Maskenfotos international bekannt.

Die Ausstellung dokumentiert Gertrud Arndts Lebenswerk, das in den Jahren 1923 bis 1931 entstanden ist: Neben ihren Maskenfotos, in denen sie sich mit wenigen Hilfsmitteln selbst inszenierte, sind bislang weniger bekannte Personenfotografien, Arbeiten aus dem Vorkurs, Entwürfe für Textilien sowie seltene Web‐ und Knüpfarbeiten ausgestellt. Darunter befinden sich die Pläne für ihren bekanntesten Teppich, der ab 1924 im Direktorzimmer von Walter Gropius lag und heute nicht mehr im Original erhalten ist. Das Zentrum der Schau bildet Arndts Teppich aus dem Jahr 1927, der sich seit 1972 im Besitz des Bauhaus‐Archivs befindet und für die Ausstellungspräsentation aufwendig restauriert wurde.

"Gertrud Arndts kurzes künstlerisches Werk zeichnet sich wie ihr Lebenslauf durch Brüche und Leerstellen aus, und gerade darin liegt der Reiz. Obwohl sie ursprünglich Architektin werden wollte, hat sie während ihrer Ausbildung in der Bauhaus‐Weberei großartige Textilien entworfen. Danach, nur noch wenige Jahre fotografisch tätig, schuf sie ihre faszinierenden Maskenfotos, die sich eigensinnig einer eindeutigen Interpretation verweigern und dadurch ein unglaubliches Interesse generieren", resümiert Dr. Annemarie Jaeggi anlässlich der Sonderausstellung.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet. Es erscheint ein 128‐

seitiger Katalog mit 184 Abbildungen (Preis: 14,90 Euro, ISBN 9783922613473).

Begleitprogramm

bauhaus_spezial
Do, 14.02., 19 Uhr: "Es kommt der neue Photograph", Einführung in die Fototechnik der 20er und 30er Jahre von Markus Hawlik, Eintritt: 3 €/ Mitglieder frei, Anmeldung: visit@bauhaus.de

Do, 18.04., 19 Uhr: "Der Bauhaus‐Webstuhl", Webmeisterin Ilsebill Zintel demonstriert die technischen Möglichkeiten. Eintritt: 3 €/ Mitglieder frei, Anmeldung: visit@bauhaus.de

bauhaus_familie
So, 17.02., 11‐14 Uhr: "MASKERADE - Sich wie die Bauhäusler kostümieren", Workshopteilnahme ab 5 Jahren, Gebühr: Kinder 6 €/ Erw. 9 €, Material 4,50 €.

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So, 24.02., So, 14.04., jeweils 11 Uhr: "bauhaus_brunch" inkl. Eintritt und Führung: 19 €, Mitgl. 15 €, Anmeldung: visit@bauhaus.de

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Immer sonntags um 14 Uhr gratis durch "Die Sammlung Bauhaus" und die Sonderausstellung

Gertrud Arndt (1903‐2000): Leben und Werk

Gertrud Arndt wurde 1903 als Gertrud Hanschk in Ratibor geboren. Bereits 1918 äußerte sie den für die damalige Zeit für Frauen untypischen Berufswunsch Architektin zu werden und trat 1919 in das Büro des Erfurter Architekten Meinhardt ein. Im Rahmen der dortigen Lehre machte sie erste architektonische Fotoaufnahmen und brachte sich auch die Dunkelkammertechnik autodidaktisch bei. Ein Stipendium ermöglichte ihr ab 1923 ein Studium am Bauhaus. Insbesondere der Unterricht von Paul Klee beeinflusste sie nachhaltig. Ein Architekturstudium war damals am Bauhaus jedoch noch nicht möglich. Stattdessen ging sie im Frühjahr 1924 in die Weberei, wo sie ihre Ausbildung mit der Gesellenprüfung 1927 abschloss. Sie entwarf in diesem Zeitraum zahlreiche Stoffmuster und mindestens vier Teppiche, darunter den berühmten Teppich, der 1924 im Direktorzimmer von Gropius lag, sowie den Teppich für das Esszimmer des Reeders Eberhard Thost (1927), der in der Ausstellung zu sehen ist. Ob Gertrud Arndt auch am Weimarer Bauhaus fotografierte, ist nicht belegt.

Ihre erste eigene Kamera konnte sie erst 1926 erwerben, die Weberei gab sie 1927 nach Abschluss ihrer Gesellenprüfung auf. Noch während ihrer Studienzeit am Dessauer Bauhaus begann sie damit, eine Serie von Selbstporträts aufzunehmen, bei denen sie Porträttyp, Kleidung, Frisur und Mimik vielfach variierte. Im November 1927 heiratete sie den Bauhäusler Alfred Arndt und ging mit ihm nach Probstzella. Sie kehrte 1929 mit ihrem in der Zwischenzeit zum Bauhaus‐Meister ernannten Mann nach Dessau zurück und setzte ihre fotografischen Experimente bis kurz nach der Geburt ihrer Tochter Alexandra 1931 fort. Es entstand eine Serie von Fotos mit ihrer Freundin, der Weberin Otti Berger, bei der die Kostümierung für den Betrachter leicht zu erkennen ist. Parallel dazu machte sie etwa 40 Aufnahmen, bei denen sie selbst die zentrale Figur war. Sie zeigte sich scheinbar in Rollen, doch sind diese häufig nicht definierbar, weil das Kostümarrangement und seine Details sowie Gestik und Mimik bei genauem Hinsehen nicht zusammenpassen. Was die abgebildete Person darstellen soll, wird ebenso wenig offen gelegt wie die Rolle, die die Fotografin spielte. Nach Schließung des Dessauer Bauhauses kehrte die Familie Arndt 1933 nach Probstzella zurück. Mit dem Umzug brach Gertrud Arndt auch ihre intensive Beschäftigung mit der Fotografie ab, und nahm sie selbst nach der Übersiedlung nach Darmstadt 1948 nicht mehr auf. Ihre Fotografien wurden 1979 erstmals im Museum Folkwang ausgestellt und machten Gertrud Arndt international bekannt. Arndts Stoffentwürfe zählen heute zu den am häufigsten nachproduzierten Bauhausstoffen; auch ihr Teppich für das Direktorzimmer wurde nachgeknüpft. Gertrud Arndt starb im Jahr 2000.

Allgemeine Besucherinformation

Bauhaus‐Archiv/Museum für Gestaltung, Klingelhöferstraße 14, 10785 Berlin
Telefon 030/25 40 02‐0, bauhaus@bauhaus.de, www.bauhaus.de
Verkehrsanbindung: U Nollendorfplatz, Bus M 29, 100, 106 und 187 Lützowplatz
Öffnungszeiten: Tägl. außer Di 10 - 17 Uhr; Sonderöffnung Ostern: 29.03.‐02.04.: tägl. 10‐17 Uhr
Eintritt: Mi - Fr 6 € / 3 €, Sa - Mo 7 € / 4 €

Bauhaus-Archiv Museum für Gestaltung

Das Bauhaus‐Archiv / Museum für Gestaltung in Berlin erforscht und präsentiert Geschichte und Wirkung des Bauhauses (1919‐1933), der bedeutendsten Schule für Architektur, Design und Kunst im 20. Jahrhundert und zeigt Schlüsselwerke aus der weltweit umfangreichsten Sammlung zur Geschichte der Schule und zu allen Aspekten ihrer Arbeit. Als Laboratorium und Diskursplattform befasst sich das Bauhaus‐Archiv mit aktuellen Fragen zeitgenössischer Architektur, Design und Kunst.

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