Montag, 25. September 2017


  • Pressemitteilung BoxID 669376

Notenbanken werden Geldpolitik schneller straffen als es die Märkte einpreisen

Kommentar

Brussels, (lifePR) - .

- Schon vor Jackson Hole stand fest: Zentralbanken wollen ihre ultralockere Geldpolitik sukzessive zurückführen und lassen sich dabei alle Optionen offen
- Die Geldpolitik rund um den Globus dürfte sich nach Ansicht von DPAM etwas schneller normalisieren als vielfach erwartet wird
- USA, Europa, England, Japan: Wie DPAM den Fahrplan der Notenbanken bis 2019 einschätzt

Keine ‚Breaking News‘ aus Wyoming

Beim Treffen der wichtigsten Notenbanker und Finanzpolitiker im US-amerikanischen Jackson Hole blieben konkrete Entscheidungen über die zukünftige Geldpolitik erwartungsgemäß aus. Vor drei Jahren hatte Mario Draghi in einer spektakulären Rede die Anleihekäufe im Rahmen des Quantitative Easing-Programms der Europäischen Zentralbank angekündigt. In diesem Jahr verlief die Sitzung unspektakulärer. Einig sind sich die meisten Notenbankchefs allerdings darüber, die ultralockere Geldpolitik sukzessive zurückzufahren – ohne konkrete Aussagen zu treffen über Art und Umfang sowie Zeitpunkte von möglichen Tapering- und Zinserhöhungsmaßnahmen.

„Es ist nachvollziehbar, dass sich die Notenbanken zurückhalten und sich alle Optionen offen halten“, sagt Hans Bevers, Chefökonom bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM). „Auf der makroökonomischen wie geopolitischen Seite gibt es weltweit neben viel Licht auch viel Schatten. Außerdem bleibt ungewiss, wie sich Wachstum, Beschäftigung und Inflation zukünftig tatsächlich entwickeln. Hinzu kommen die Unsicherheiten, die vom zunehmenden Populismus und der weltweiten Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen ausgehen. Da möchte niemand frühzeitig konkret werden. Außerdem betreten die Notenbanken Neuland bei der Rückführung ihrer unkonventionellen Maßnahmen. Schließlich haben diese nie dagewesene Dimensionen erreicht. Von der technischen Seite mag der Prozess zwar einfach erscheinen, von Seiten der Marktpsychologie ist er es jedoch nicht. Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Gemengelage sollten durch sukzessiv wieder steigende Zinsen und die Straffung von quantitativen Maßnahmen die Risiken tendenziell zunehmen“.

DPAM-Experte Bevers geht davon aus, dass sich die Geldpolitik rund um den Globus etwas schneller normalisieren wird als dies von den Märkten derzeit eingepreist wird. Die aktuellen Bewertungen spiegeln bis Herbst 2019 zwei Zinsschritte der US-Fed wider sowie jeweils eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank und der Bank of England. Von der Bank of Japan erwarten die Märkte hingegen, dass sie ihre extreme Niedrigzinspolitik unverändert fortsetzt und keinerlei Zinsschritte veranlassen wird .

Im Einzelnen erwartet Hans Bevers folgende Entwicklungen:

US-Federal Reserve

Die USA zeichnen ein gemischtes wirtschaftliches Bild. Während einerseits Stimmungsindikatoren ein solides Momentum zeigen und der Konsum zuletzt angestiegen ist, bleibt die Produktivität insgesamt schwach und die vom Präsidenten ausgehende politische Unsicherheit hoch. Die US-Notenbank Fed befindet sich bereits in einem sukzessiven Straffungsmodus, dessen weitere Geschwindigkeit von der Volatilität an den Finanzmärkten, der wirtschaftlichen Aktivität und der Inflation abhängig gemacht wird.

Wir rechnen damit, dass schon im September der Beginn für die Reduzierung der Fed-Notenbankbilanz angekündigt und im Dezember der fünfte Zinserhöhungsschritt durchgeführt wird. Außerdem erwarten wir für 2018 zwei bis drei weitere Zinsschritte der Fed.

Europäische Zentralbank

Europa befindet sich in einem breiten wirtschaftlichen Aufschwung über Länder und Sektoren hinweg, jedoch bleibt das Wachstum unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Kerninflation in Europa verzeichnet nur geringe Steigerungen. Die weitere Preisentwicklung wird maßgeblich davon abhängen, inwiefern Löhne steigen können und die Arbeitslosigkeit weiter abgebaut werden kann. Der Fokus der Europäischen Zentralbank liegt weiterhin auf dem Tapering und dem Euro-Wechselkurs. Eine zu starke Euroaufwertung würde die Wettbewerbsfähigkeit beim Export belasten und hinderlich sein, das Zwei-Prozent-Inflationsziel zu erreichen.

Wir erwarten, dass die EZB bereits in ihrem Oktober-Meeting das Tapering ihres quantitativen Programms ab dem Beginn 2018 ankündigen wird. Innerhalb der darauffolgenden sechs bis zwölf Monate sollten die monatlichen Staats- und Unternehmensanleihekäufe sukzessive bis auf null zurückgefahren werden. Mit einem ersten Zinserhöhungsschritt rechnen wir im Sommer 2019.

Bank of England Das wirtschaftliche Wachstum im Vereinigten Königreich hat sich im Zuge der Brexit-Unsicherheiten abgekühlt. Dennoch blickt die Industrie optimistisch nach vorne angesichts des schwachen Pfund Sterlings und der positiven globalen Stimmung. Demgegenüber belastet die schwache Währung den privaten Konsum. Die Pfund-Abwertung und Basiseffekte treiben die Inflation an – die Rate liegt bei knapp drei Prozent. Die Wachstumsaussichten bleiben insgesamt gedrückt. Die Bank of England befindet sich in einer prekären Lage. Die vom Brexit ausgehenden politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten bleiben hoch. Zudem würde eine weitere Pfund-Abwertung die Konsumkraft der Briten noch mehr schwächen. Somit befindet sich die Geldpolitik auf unsicherem Terrain.

Wir erwarten, dass die britische Notenbank ihre quantitativen Programme in Bezug auf Staats- und Unternehmensanleihen noch bis Februar 2018 fortsetzen wird. Das „Term Funding Scheme“, ein großangelegtes Kreditförderungsprogramm, mit dem erreicht werden soll, dass Geschäftsbanken den niedrigeren Leitzins auch an ihre Kunden weitergeben, dürfte Anfang 2018 beendet werden. Erste Zinserhöhungen erwarten wir ab Sommer kommenden Jahres.

Bank of Japan

Die Wirtschaft in Japan hat sich zuletzt stark entwickelt unter dem Einfluss des schwächeren Yens und der hohen Zuversicht unter Geschäftsleuten und privaten Konsumenten. Vorsicht ist geboten mit Blick auf die weitere konjunkturelle Entwicklung in China. Die Inflationserwartungen bleiben insgesamt niedrig. Nichts deutet derzeit auf eine Straffung des extrem lockeren geldpolitischen Kurses in Japan hin. Die quantitativen Anstrengungen sollten erst beendet werden, wenn sich die Inflation nachhaltig im Bereich oberhalb der Zwei-Prozent-Marke eingependelt hat. Dies erlaubt nur einen langfristigen Blickwinkel auf den weiteren geldpolitischen Fahrplan in Japan.

Wir erwarten, dass die Bank of Japan bis mindestens Mitte 2019 ihren Richtungszinssatz unverändert bei minus 0,1 Prozent sowie das Ziel für die Zehn-Jahres-Rendite bei null Prozent belassen wird. Möglicherweise könnte die Zentralbank jedoch schon früher ihr Comittment aufgeben, jährlich Staatsanleihen in Höhe von 80 Billionen Yen aufzukaufen.

 

Bank Degroof Petercam

Degroof Petercam Asset Management (DPAM), mit Hauptsitz in Brüssel, ist eine in den Benelux-Ländern führende unabhängige Asset Management-Gesellschaft mit langjähriger Marktreputation in Long Only- Anlagekonzepten sowie spezialisierten Asset Management-Lösungen. Neben aktiv gemanagten Publikumsfonds verwaltet DPAM Vermögensverwaltungsmandate für institutionelle Investoren in ganz Europa und stellt seine Expertise über ein breites Netzwerk von über 400 Vertriebspartnern zur Verfügung. Das Produkt- und Dienstleistungsangebot von DPAM richtet sich vornehmlich an öffentliche und betriebliche Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften, private Banken sowie gemeinnützige Organisationen. Aktuell verwaltet DPAM ein Vermögen von über 37 Milliarden Euro.

Alleiniger Anteilseigner ist die unabhängige und renommierte Degroof Petercam Gruppe, die mit Büros in Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, der Schweiz, den Niederlanden, Deutschland, Italien und Hongkong insgesamt 1.400 Mitarbeiter in den Bereichen Asset Management, Private Banking, Investment Banking (Corporate Finance und Wertpapierhandel) und Asset-Servicing beschäftigt. Ca. 70 Prozent der Aktien der in Privatbesitz gehaltenen Gesellschaft befinden sich in den Händen von Familien und Referenz-Aktionären (Philippson, Peterbroeck, Van Campenhout, Haegelsteen, Schockert, Siaens sowie CLdN Finance und Cobepa). Der Rest des Grundkapitals wird von der Unternehmensführung und Mitarbeitern, Finanzpartnern und sonstigen Aktionären gehalten.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

Betriebsrentenstärkungsgesetz: Nicht nur Vorteile für Arbeitgeber

, Finanzen & Versicherungen, DG-Gruppe

Mit dem neu verabschiedeten Betriebsrentenstärku­ngsgesetz (BRSG) soll die Betriebsrente attraktiver werden – allerdings mit einem Nachteil für...

Riester-Sparer aufgepasst: Zulagenkürzung vermeiden

, Finanzen & Versicherungen, uniVersa Versicherungen

Riester-Sparer sollten ihren Vertrag einmal jährlich prüfen. Denn jegliche Gehaltserhöhung, auch per Tarifabschluss oder Berufsgruppensprung,...

Firmenjubiläum bei der BKK ProVita

, Finanzen & Versicherungen, BKK ProVita

Am 1. September 2017 beging Herr Josef Huber sein 25-jähriges Firmenjubiläum bei der BKK ProVita in Bergkirchen. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde...

Disclaimer