Charta Landwirtschaft und Verbraucher: BLHV fordert realistische Ansprüche für den Dialog

(lifePR) ( Freiburg, )
Bäuerliche Belange müssen bei einer Charta Landwirtschaft und Verbraucher mehr Berücksichtigung finden. Dies forderte Präsident Werner Räpple anlässlich der Pressekonferenz zur Landesversammlung des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV). Grundsätzlich sei der von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner in Form der Charta Landwirtschaft eingeleitete Dialogprozess zu begrüßen. Gefahr bestehe allerdings, dass die Anliegen der betroffenen Landwirte nicht ausreichend gehört werden. Räpple betonte, dass eine erfolgreiche Umsetzung der gesellschaftlichen Wünsche durch die Landwirtschaft nur im Einvernehmen mit den Betroffenen erreicht werden könne.

Der BLHV-Präsident unterstrich, dass die gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirtschaft heute anspruchsvoller und vielfältiger denn je sind: Zuvorderst werde von den Bauern erwartet, dass sie alle Bevölkerungsschichten mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln versorgen. Unter dem Stichwort Multifunktionalität werde aber ebenso gefordert, dass eine vielfältige Kultur- und Erholungslandschaft für Tourismus und Bevölkerung in dem über Jahrhunderte gewachsenen typischen Landschaftsbild erhalten und gepflegt werde. Naturschutzmassnahmen, die durch Landwirte erbracht werden, sollen den Landschaftsverbrauch als Folge gesellschaftlichen Wachstums kompensieren. Wo landwirtschaftliche Fläche für den Bau von Strassen, Schienen, Siedlungsinfrastruktur und Industrie verloren gehe, werden der Landwirtschaft zusätzlich Ausgleichsflächen abgezwungen. Im Rahmen der Energiewende solle zukünftig noch mehr Erneuerbare Energie aus Biomasse gewonnen werden; Rohstoffe zur industriellen Verwendung sollen vermehrt landwirtschaftlich-regenerativ hergestellt werden.

Räpple kritisierte, dass der Erwartungskatalog allzu oft das Machbare übersteige.
So gerieten viele Wünsche, wenn es um die Frage der Finanzierung gehe, an ihre Grenzen. Eine große Gefahr für den Charta-Prozess bestehe darin, dass durch das Ausufern von unrealistischen Erwartungen die politischen Prioritäten falsch gesetzt werden. Eine Fehlentwicklung würde dem gesellschaftlichen Konsens eher schaden als nutzen.

"Der Charta-Prozess bietet aber auch die Chance zu einem gesellschaftlichen Konsens über die vielfältigen Aufgaben und die dazu nötige öffentliche Förderwürdigkeit unserer Landwirtschaft", so der BLHV-Präsident. Klar müsse sein, dass das Leitbild unserer Landwirtschaft nur in engster Zusammenarbeit mit den Betroffenen weiterentwickelt werden kann. Für eine realistische Zielentwicklung müssten deshalb zunächst die Praktiker und Agrarexperten gehört werden. Zudem müsse den Bauern langfristig wieder ein Platz in der gesellschaftlichen Mitte eingeräumt werden, der den hohen Erwartungen an sie entspräche. Dort, wo Leistung nachgefragt werde, müsse sie auch eine angemessene Entlohnung finden.

Präsident Räpple wies darauf hin, dass der Erfolg der Charta von der Ausgewogenheit zwischen gesellschaftlicher Erwartung und marktwirtschaftlicher Realität abhängt. Landwirte könnten auf Dauer nur leisten, was der Markt bereit sei zu honorieren. Ein gesellschaftlicher Konsens zu weiter steigender Lebensmittelqualität, Landschaftserhaltung, Klima- und Naturschutz, bedürfe ebenso einer breiten Zustimmung zu den dafür nötigen öffentlichen Mitteln. Landwirte fühlten sich im Spannungsfeld gesellschaftlicher Erwartungen und marktwirtschaftlicher Realität von der Politik zunehmend alleine gelassen. Die Politik habe mit dem Chartaprozess jetzt die Chance, die geforderten Veränderungen in der Landwirtschaft auch glaubwürdig und angemessen zu fördern.

Hintergrund:

Der Dialogprozess für ein neues Leitbild unserer deutschen Landwirtschaft wurde von Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner Anfang des Jahres initiiert. In moderierten Workshops diskutieren Vertreter von insgesamt 40 geladenen Organisationen.

Der Dialogprozess startete am 15.3.2011 mit einem Workshops zum Thema Umwelt. Weiterhin werden die Bereiche Tierhaltung, Lebensmittel sowie Ernährungssicherung und Weltagrarhandel behandelt. Neben dem Berufsststand und angelagerten Branchen sind die Kirchen, relevante Gewerkschaften, alle Bundestagsfraktionen sowie eine große Zahl von Bürger- und Verbraucherorganisationen vertreten. Die "Charta Landwirtschaft und Verbraucher" soll die Entwicklungslinie zur Gestaltung zukünftiger Agrarpolitik sein; der Verbindlichkeitsgrad indes bleibt offen.
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