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Pressemitteilung BoxID: 277226 (Bach-Archiv Leipzig)
  • Bach-Archiv Leipzig
  • Thomaskirchhof 15/16
  • 04109 Leipzig
  • https://www.bach-leipzig.de
  • Ansprechpartner
  • Franziska von Sohl
  • +49 (341) 9137-104

Bach-Archiv Leipzig zieht positive Jahresbilanz 2011

(lifePR) (Leipzig, ) Eine positive Jahresbilanz 2011 zieht das Bach-Archiv Leipzig. Neben der erfolgreichen Erweiterung der Sammlung und zahlreichen, die aktuellen Forschungsergebnisse des Hauses widerspiegelnden Publikationen, erzielte das Bachfest Leipzig mit 73.000 Gästen im Jahr 2011 einen Besucherrekord. Zu einem Höhepunkt des Musikfestivals geriet die Aufführung der verschollen geglaubten Oper Zanaida Johann Christian Bachs, deren Partitur als Bestandteil der umfangreichen Privatsammlung Elias N. Kulukundis im Bach-Archiv Leipzig verwahrt wird. Neben zwei viel beachteten Kabinettausstellungen im Bach-Museum Leipzig wurden ein Interpretations-Meisterkurs und zahlreiche Kammerkonzerte im Sommersaal des Bach-Museums Leipzig realisiert. Die Gerda Henkel Stiftung sagte eine umfassende Förderung für das Forschungsprojekt »Bachs Thomaner« zu, das pünktlich zum Thomana-Jubiläum 2012 startet.

Auch im Jahr 2011 standen sowohl die zahlreichen Forschungs- und Editionsprojekte zur Bach-Familie als auch die Entwicklung der Sammlung im Zentrum der Arbeit des Bach-Archivs Leipzig. Neben der Sichtung und Auswertung der über 1.000 Autographe und Drucke umfassenden Privatsammlung Elias N. Kulukundis, gelangten mit Unterstützung des Privatgelehrten aus Greenwich, CT und des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in e-Moll, BWV 548 sowie die Partita VI in e-Moll, BWV 830 in der Abschrift von der Hand des Bach-Schülers Bernhard Christian Kayser (Leipzig, um 1730) in den Bestand des Bach-Archivs Leipzig. Zudem wurde die Sammlung durch eine Schenkung Sir Ralph Kohns (London) erweitert. Die Abschriften der Suiten III und V, BWV 808 und 810 von der Hand des Bach-Schülers Heinrich Nikolaus Gerber gehören zu den Hauptquellen der Englischen Suiten. Sie entstanden 1725 am Thomaskirchhof und kehren nun, 286 Jahre später dauerhaft dorthin zurück.

Im Rahmen einer vom Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien und dem Bach-Archiv Leipzig veranstalteten Tagung zum Thema »Bach und Wien« wurde ein zweibändiger Katalog mit wichtigen Quellen zur Bach-Familie vorgestellt. Dieser bietet erstmalig einen Überblick über die äußerst vielgestaltige Bach-Rezeption eines großen Kulturraums. Zu den weiteren Publikationen, die im Jahr 2011 durch das Bach-Archiv Leipzig realisiert wurden, zählen unter anderem Johann Christoph Friedrich Bach. Briefe und Dokumente, herausgegeben von Ulrich Leisinger (=Leipziger Beiträge zur Bachforschung, Band 9), CPE Bach - The complete works: -Volume 2.1 und 2.2: Trios Sonatas I + II, herausgegeben von Christoph Wolff, sowie Keyboard Concertos from Manuscript Sources - Volume 9.5, herausgegeben von Elias N. Kulukundis, das Bach-Jahrbuch 2011 sowie die Beiträge zur Geschichte der Bach-Rezeption: »Diess herrliche, imponirende Instrument«. Die Orgel im Zeitalter Felix Mendelssohn Bartholdys, herausgegeben von Dr. des. Anselm Hartinger, Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Wolff und PD Dr. Peter Wollny im Rahmen des Projekts Bach-Mendelssohn-Schumann.

Das Bach-Museum Leipzig begrüßte seit Januar 2011 über 43.000 Besucher aus aller Welt. Zu den Gästen gehörten Bobby McFerrin, Nadja Michael und Martin Stadtfeld. Das Bosehaus am Thomaskirchhof 16, in dem sich das Bach-Archiv Leipzig mit dem Bach-Museum befindet, gehört zu den schönsten Bürgerhäusern Leipzigs. Die Kabinettausstellung Bürgerstolz und Musenort. 300 Jahre Bosehaus zeigte vom 15. April bis zum 31. Juli 2011 Streiflichter aus 300 Jahren und erzählte von der bewegten Geschichte des Hauses und seiner Nutzer. Eine weitere Kabinettausstellung des Bach-Museums Leipzig präsentierte vom 2. September bis 1. Dezember 2011 Die Bildnis-Sammlung Carl Philipp Emanuel Bachs. Der zweitältester Sohn Johann Sebastian Bachs war einer der am meisten geschätzten Komponisten seiner Zeit und leidenschaftlicher Sammler von Musikerporträts. Erstmals wurden wichtige Teile dieser Sammlung der Öffentlichkeit präsentiert, darunter zahlreiche Pastelle, Zeichnungen und Druckgraphiken aus der Staatsbibliothek zu Berlin.

Im barocken Sommersaal des Museums fanden 17 Konzerte statt. Einen viel beachteten Auftakt erfuhr die Reihe Konzerte aus der Himmelsburg mit dem Neuen Bachischen Collegium Musicum, das zum »Ensemble in residence des Bach-Museums Leipzig« ernannt wurde. Das Kammerorchester musiziert in dieser Reihe Bachs Weimarer Kantaten aus der Himmelsburg von der Galerie des Sommersaals aus, was die besondere Akustik des Raumes mit seiner Schallkammer zur Geltung bringt. Zu einem Höhepunkt der museumspädagogischen Arbeit des Hauses geriet das von der 68. Mittelschule Leipzig entwickelte Theaterstück Die Geschichte von Jonny S. Krach oder wenn Bach heute leben würde, das im Rahmen des Bachfestes auf der großen Open-Air Bühne am Leipziger Markt uraufgeführt wurde. Die Schüler hatten sich zuvor ein Jahr lang unter Anleitung von Museumsmitarbeitern dem Thema Bach angenähert. Im Mai 2011 besuchte Kulturstaatsminister Bernd Neumann erstmals nach der Sanierung des Bosehauses das Bach-Archiv Leipzig. Neben einer Führung durch das nach umfangreicher Rekonstruktion wiedereröffnete Bach-Museum und einer Besichtigung der Bibliothek, besuchte der Minister auch den museumspädagogischen Bereich der Stiftung und trug sich in das Gästebuch des Bach-Archivs Leipzig ein.

Das Bachfest Leipzig 2011 fand vom 10. bis 19. Juni statt und endete mit einem Besucherrekord. Zirka 73.000 Gäste, darunter zahlreiche Musikfreunde aus aller Welt, besuchten die insgesamt 111 Veranstaltungen in Leipzig und Umgebung. Bei durchschnittlich hoher Auslastung und einer deutlichen Umsatzsteigerung geriet die Aufführung der verschollen geglaubten Oper Zanaida des jüngsten Bachsohnes Johann Christian zum Höhepunkt des Festivals. Die Partitur ist Bestandteil der Privatsammlung Elias N. Kulukundis und wurde während des Bachfestes in der Schatzkammer des Bach-Museums Leipzig gezeigt. Neben hochkarätig besetzten Konzerten an den authentischen Bachstätten sorgten zahlreiche kostenfreie Open-Air-Veranstaltungen während des Bachfest-Zeitraums auf dem Leipziger Markt für Festivalflair von Barock bis Breakdance.

An einem Meisterkurs zur Aufführungspraxis der Werke Johann Sebastian Bachs im November 2011 nahmen 28 junge Musiker aus 13 Ländern teil. Der Besuch des Meisterkurses wurde von vielen der jungen Künstler zur direkten Vorbereitung des XVIII. Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerbs genutzt, der vom 4. bis 14. Juli 2012 in Leipzig stattfindet. Zahlreiche erfolgreiche Interpreten, darunter Martin Stadtfeld, Ragna Schirmer, Simone Kermes, Christoph Genz, Gerald Fauth und Antje Weithaas, haben ihre Karriere als Preisträger des international renommierten Bach-Wettbewerbs gestartet.

Die Gerda Henkel Stiftung sagte dem Bach-Archiv Leipzig im Jahr 2011 eine Förderung für das umfassende Forschungsprojekt Bachs Thomaner zu, die sowohl Personalmittel für zwei halbe Doktorandenstellen als auch Sachmittel umfasst. Die Bachthomaner - Kopisten, Interpreten und Rezipienten der Bachschen Werke - stehen ab 2012 somit erstmals systematisch im Fokus der Leipziger Bach-Forscher. Zwischen 250 und 300 Archivstätten wird die Forschergruppe um Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Wolff in den kommenden Jahren nach Quellen durchsuchen. Von deren Erschließung erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse zu Bachs Lebensgeschichte, seiner Aufführungs- und Unterrichtspraxis.

Das Bach-Archiv Leipzig versteht sich als musikalisches Kompetenzzentrum am Hauptwirkungsort Johann Sebastian Bachs. Sein Zweck ist, Leben, Werk und Wirkungsgeschichte des Komponisten und der weit verzweigten Musikerfamilie Bach zu erforschen, sein Erbe zu bewahren und als Bildungsgut zu vermitteln. Die besondere Stärke des Bach-Archivs liegt in dem Perspektivenreichtum, den es im Zusammenwirken von Forschungsinstitut, Bibliothek, Bach-Museum, künstlerischem Betriebsbüro und Servicefunktionen auf eine der herausragenden Künstlerpersönlichkeiten der europäischen Kulturgeschichte richten kann.