Freitag, 22. September 2017


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Leben am seidenen Faden

Spinnentierausstellung im Kölner Zoo eröffnet

Köln, (lifePR) - Sie haben lange, haarige Beine, sind Meister im Bau verfänglicher Netzwerke – und faszinieren auch als Heimtiere immer mehr Menschen: Grund genug, dass der Kölner Zoo Spinnen und Skorpionen eine eigene Sonderausstellung widmet. Der Titel lautet „Spinnen und Skorpione – eine Erfolgsgeschichte der Evolution“. Die Schau wird vom Kölner Zoo in Kooperation mit dem Forschungsmuseum Alexander Koenig, Bonn, präsentiert. Zoobesucher können sie vom 24. August bis 19. November 2017 in der Ausstellungshalle unter dem Regenwaldhaus bestaunen – und zwar ohne Aufpreis auf das reguläre Zoo-Ticket.

Auf fast 300 Quadratmetern und in über 90 Terrarien sind eine Fülle lebender Spinnentiere und Skorpione aus allernächster Nähe zu sehen – so u.a. die brasilianische Vogelspinne Lasiodora klugi, eine der größten Spinnenarten der Welt. Faszinierend ist auch das Modell der 100-fach vergrößerten Zwergspinne Walckenaeria acuminata. Zusätzlich arbeiten die Ausstellungsmacher mit hochauflösenden Makrofotografien, anschaulichen Infotafeln und Videos. So schaffen sie es, den Besuchern die geheimnisvolle Welt der Gliederfüßer ganz nah zu bringen.

Die Ausstellung spannt den Bogen von althergebrachten Klischees über Giftspinnen und Skorpione bis hin zur wissenschaftlichen Systematisierung und dem aufkommenden Interesse an Vogelspinnen als Haustiere. Neun Themenblöcke geben dem Spinnenfreund bei der Kölner Ausstellung Einblick in die Vielfalt der Erscheinungsformen von Spinnentieren. Aber auch Besucher, die sich aufgrund einer ausgeprägten Spinnenphobie (Arachnophobie) nur mit Widerwillen den Spinnen und Skorpionen nähern, haben die Gelegenheit, durch eine Glasscheibe getrennt die Exotik der Tiere auf sich wirken zu lassen.

Die Ausstellung entstand als Kooperation von Kölner Zoo, dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn und privaten Sammlern. Sie ist ein schönes Beispiel für die in dieser Form sicher erstmalige Zusammenarbeit zwischen Instituten und Privatleuten. Peter Klaas, Leiter des Insektariums im Kölner Zoo, übernahm die Beschaffung des gesamten lebenden Inventars. Zudem koordinierte er die Herstellung, Aufstellung und Einrichtung der Terrarien mit Hilfe eines grenzüberschreitenden Netzwerks von Spezialisten. „Für den Aufbau dieser Ausstellung haben wir unseren Spinnenfachmann sehr gern zeitweise von seiner eigentlichen Arbeit in unserem Insektarium freigestellt“, erklären die Kölner Zoovorstände Prof. Theo B. Pagel, und Christopher Landsberg.

Spannende Fakten über Spinnentiere


Spinnen vertilgen im Jahr weltweit 400 bis 800 Millionen Tonnen Insekten. Sie tragen so zum ökologischen Gleichgewicht bei. Zum Vergleich: Ungefähr genauso viel Fleisch und Fisch verzehrt die menschliche Bevölkerung jährlich, so eine aktuelle Studie von Zoologen der Universität Basel und der schwedischen Universität Lund.



Die extrem reißfeste und dehnbare Spinnenseide bietet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der regenerativen Medizin. Das Spider Silk Laboratory der Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover züchtet die weibliche Nephila edulis – eine große australische Seidenspinne – im eigenen Labor und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Einsatz natürlicher Spinnenseide als medizinisches Material der Zukunft. Die Besucher können im Kölner Zoo in einer von der Biologin Dr. Sarah Strauß  konzipierten Vitrine modellhaft verstehen, wie die Gewinnung von Spinnenseide funktioniert.



Ist es Furcht oder Angst, die einen Menschen wegen einer Spinne in der Zimmerecke in die Flucht treiben können? Ein Themenblock der Ausstellung  beschäftigt sich mit Ausprägungen von Phobien und deren Therapiemöglichkeiten. Eine davon könnte der Besuch der Kölner Schau  sein, denn eine Konfrontationstherapie führt bei 80 Prozent der Fälle zu deutlichen Verbesserungen.



Auf die Haltung und Zucht von Spinnen für den Handel konzentriert sich ein weiterer Themenblock der Ausastellung. Im Internet, auf Messen und in lokalen Foren werden Spinnen aus aller Welt gehandelt und daher wird auch der Artenschutz thematisiert. Vor Ort kommen Liebhaber großer Spinnen auf ihre Kosten: Die die größten Spinnen der Welt enthaltende Gattung Theraphosa  aus Guyana, Brasilien und Venezuela ist mit allen drei Arten vertreten.


Die Präsentation von Spinnentieren hat im Kölner Zoo eine lange Tradition. Sonderausstellungen gab es schon vor 40 Jahren anlässlich der Veröffentlichung des Zweiteilers „Bemerkungen über die Spinne: Leben am seidenen Faden“ von Horst Stern und Ernst Kullmann (ehemaliger Direktor des Kölner Zoos).

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