Erstmals Schienenechsen im Kölner Zoo geschlüpft: Welterste Zoonachzucht des Kryptischen Goldtejus (Tupinambis cryptus) im Terrarium des Kölner Zoos

(lifePR) ( Köln, )
Schienenechsen (Tejus) sind die größten neotropischen Echsen. Sie sind gleichzeitig auch die aufgrund ihres Fleischs und ihrer Häute am stärksten genutzten Reptilien der Neuen Welt. Innerhalb von drei Jahrzehnten tauchten mehr als 34 Millionen Tejuhäute im Handel auf, was mehr als 1 Million Häuten pro Jahr entspricht. Alle Tejus sind daher im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA; engl. CITES) gelistet.

In den von Tejus besiedelten Ökosystemen kommt ihnen als Großprädatoren, Aasfresser und Saatverbreitern eine wichtige Rolle zu. Was den Lebensraum betrifft, sind viele Vertreter an ein breites Habitatspektrum angepasst, man kann sie in Wäldern, Savannen und in Feuchthabitaten auf Bäumen, am Boden oder grabend antreffen und sie scheuen auch nicht die Nähe des Menschen. Mittlerweile sind sie auch außerhalb ihres natürlichen Vorkommensgebietes anzutreffen, so z.B. in Florida.

Bis vor wenigen Jahren waren vier Arten innerhalb der Teju-Gattung Tupinambis bekannt: Drei davon vornehmlich in Brasilien vorkommend (T. longilineus, T. palustris und T. quadrilineatus). Die älteste Art der Gattung, Tupinambis teguixin, die bereits im Jahr 1758 wissenschaftlich beschrieben wurde, war bis vor kurzem von einem weiten geographischen Einzugsgebiet bekannt, nämlich aus Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Französisch Guyana, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago, sowie Venezuela.

In den letzten vier Jahren wurden vier (!) weitere Arten innerhalb des T. teguixin Komplexes entdeckt: T. cryptus, T. cuzcoensis, T. matipu und T. zuliensis. Die Artenvielfalt innerhalb der äußerlich konservativen, d.h. durch kryptische (= morphologisch versteckte) Artenvielfalt charakterisierten Tupinambis teguixin Artengruppe ist also offenbar höher als zuvor angenommen.

Schaut man sich aber einmal in der Zoowelt um, so haben Recherchen von Prof. Dr. Thomas Ziegler, Kurator für das Aquarium, und der Reviertierpflegerin des Terrariums, Anna Rauhaus, ergeben, dass in mindestens 22 Institutionen im europäischen Großraum, in mindestens 18 Zoos in Nordamerika und in mindestens 6 in Südamerika de facto nur eine Tupinambis-Art gehalten wird, nämlich Tupinambis teguixin. Hier müssen nun Nachbestimmungen zeigen, inwiefern es sich tatsächlich um die angegebene Art oder nicht doch um Vertreter der jüngst entdeckten vier Arten handelt.

Das ist aber gar nicht so einfach, da die einander sehr ähnlichen Teju-Arten äußerlich nur schwer zu bestimmen sind. Dank der Kooperationsbereitschaft des Zoologischen Instituts der Technischen Universität Braunschweig konnten wir das Kölner Tejupärchen dort anhand von Blutproben genetisch testen lassen. Die ursprünglich als Farmzuchten von Tupinambis teguixin nach Köln gekommen Tejus stellten sich anhand der derzeit verfügbaren Analysemethoden tatsächlich als die erst kürzlich beschriebenen Tupinambis cryptus, also die dem Goldteju zum Verwechseln ähnlichen Kryptischen Goldtejus heraus. Demnach handelt es sich bei der Haltung im Kölner Zoo um die derzeit einzige Zoohaltung des Kryptischen Goldtejus weltweit.

Vor kurzem stellte sich dann auch erster Tejunachwuchs ein. Am 31.8.2018 erfolgte die Ablage von fünf Eiern, wovon sich nach zwei Wochen zwei als befruchtet herausstellten. Bei einer Bebrütungstemperatur von 29,3-29,8°C erfolgte der Schlupf von zwei gesunden Jungtieren am 19.2. und 21.2.2019. Das zuerst geschlüpfte Jungtier hatte eine Kopfrumpflänge von 9,0 cm, eine Schwanzlänge von 15,0 cm und ein Gewicht von 22 g, das zwei Tage später geschlüpfte Jungtier hatte eine Kopfrumpflänge von 9,1 cm, eine Schwanzlänge von 15,2 cm und ein Gewicht von 20 g.

Heute werden die jetzt fünf Monate alten Jungtiere das erste Mal ihr neues Schaugehege in der Terrarienabteilung des Kölner Zoos beziehen.

Vielleicht halten auch noch andere Zoos Kryptischen Goldtejus oder eine andere der jüngst beschriebenen vier Tupinambis-Arten. Potential an Tupinambis haltenden Institutionen gibt es, wie oben aufgeführt wurde, ja genug. Entsprechende Berichte bzw. Nachzuchten zu T. cryptus sind uns jedoch nicht bekannt – auch wenn zugegebenermaßen natürlich nicht auszuschließen ist, dass solche unter dem Namen T. teguixin bereits erfolgt sind.

Professor Dr. Thomas Ziegler: „Dies zeigt aber auch, wie wichtig es ist, insbesondere im Falle kryptischer Arten bzw. Artenkomplexe nicht nur morphologisch zu bestimmen, sondern insbesondere auch genetisch zu identifizieren, um abgesicherte Artdeterminationen zu erhalten, so wie diese, die zumindest offiziell nun zur Weltzooerstzucht von T. cryptus geführt hat. Aus zoobiologischer Sicht sind moderne Identifizierungsmethoden Grundvoraussetzung insbesondere bei kryptischen Arten um eindeutige Ergebnisse zu erhalten insbesondere für den Aufbau von Reservepopulationen und Erhaltungszuchtprojekten, die darauf abzielen, dass Arten später gegebenenfalls einmal ausgewildert werden“.

Professor Theo B. Pagel: „Der Kölner Zoo ist ein wissenschaftlich geführter Zoo, der den Grundprinzipien moderner Zoos nachkommt, nämlich Erholung und Bildung, aber auch Artenschutz und Forschung, wie das der aktuelle Fall sehr schön veranschaulicht. Wir freuen uns sehr über diesen seltenen Nachzuchterfolg“.

 
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