Dienstag, 24. Oktober 2017


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Audre Lorde - Die Berliner Jahre 1984 bis1992

A Film by Dagmar Schultz

Berlin, (lifePR) - WELTPREMIERE auf der Berlinale, Internationale Filmfestspiele Berlin, Panorama
15. Februar, 2012, CineStar 7, 20:00 Uhr

WEITERE VORFÜHRUNGEN
16. Februar, 2012, CineStar 7, 14:30 Uhr
17. Februar, 2012, Cubix 7, 17:30 Uhr
18. Februar, 2012, CineStar 7, 12:00 Uhr

Produktionsjahr: 2012
Filmlänge: 84 min.

FILMTEAM
Produzentin Regisseurin: Dr. Dagmar Schultz
Editorin: Aletta von Vietinghoff
Autorin: Dr. Dagmar Schultz
Koautorinnen: Ika Hügel-Marshall, Ria Cheatom, Aletta von Vietinghoff
Dramaturgische Beratung: Regina Bärtschi
Kamera: Dagmar Schultz, Michael Seidel, Ika Hügel-Marshall

KURZSYNOPSIS

Audre Lorde, die einflussreiche, preisgekrönte afro-amerikanische, lesbische Dichterin lebte und lehrte in den 1980er Jahren in West-Berlin. Während ihres Aufenthaltes als Gastprofessorin, wurde sie zur entscheidenden Mentorin und Initiatorin der Afro-Deutschen Bewegung. Die weißen Deutschen forderte sie dazu heraus, die Bedeutung ihrer weißen Privilegien zu erkennen und mit Unterschiedlichkeiten auf konstruktive Weise umzugehen.

INHALT

Audre Lordes prägnanten, oft wütenden und immer brillianten Texte und Vorträge definierten und inspirierten in den 1970ern und 1980ern feministische, lesbische, Afro-Amerikanische und "women of color Bewegungen" in den USA, sowie weltweit.

Audre Lorde - the Berlin Years 1984 to 1992 dokumentiert ein bisher unbekanntes Kapitel aus Lordes Leben: ihren Einfluss auf die politische und kulturelle Szene in Deutschland in einem Jahrzehnt tiefen sozialen Wandels, einem Jahrzehnt, das den Mauerfall mit sich brachte.

Der Film hebt die Wichtigkeit von Audre Lordes Werk hervor, durch das Afro-Deutsche dazu ermutigt wurden, in einer Gesellschaft auf sich aufmerksam zu machen, in der sie bis dahin isoliert und schweigend gelebt hatten und in der sie weder einen Raum noch einen Namen für sich selbst besaßen. Er berichtet darüber, wie Lorde sowohl die Afro-deutschen Frauen darin bestärkte, zu schreiben und zu publizieren, als auch die weißen deutschen Frauen dazu herausforderte, die Bedeutung ihrer weißen Privilegien zu erkennen und mit Unterschiedlichkeiten auf konstruktive Weise umzugehen.

Der Film beinhaltet bislang unveröffentlichtes Archivmaterial und aktuelle Interviews, die deutlich machen, wie die Ideen, das Werk und die Persönlichkeit von Audre Lorde fortwährend Einfluss auf Deutschland haben. Zum ersten Mal erlauben persönliche Video- und Audioaufzeichnungen von Dagmar Schultz einen tiefen Blick in das Leben der privaten Audre Lorde, als auch in ihr Ziel, dass Afro-Deutsche sich gegenseitig erkennen und verbinden. 2012 ist das zwanzigste Todesjahr von Audre Lorde.

BIOGRAPHIE DER REGISSEURIN

Dagmar Schultz wurde in Berlin geboren und studierte von 1963 bis 1972 an der Freien Universität Berlin und in den USA und Puerto Rico, wo sie auch ihre ersten beruflichen Erfahrungen sammelte. Von 1973 bis 1986 lehrte sie mit dem Schwerpunkt "Women's studies and cultural and immigration issues" am John F. Kennedy Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin. Von 1991 bis 2004 war sie Professorin für Sozialarbeit und Sozialpädagogik an der Alice-Salomon Hochschule für angewandte Wissenschaften in Berlin. Zu ihren Lehr- und Forschungsschwerpunkte zählten feministische Studien, Frauenbewegungen, anti-rassistische und interkulturelle Sozialarbeit, sowie die Gesundheitsversorgung von Frauen und kulturelle Kompetenz in der psychologischen und psychiatrischen Versorgung von MigrantInnen. Nach ihrer Rückkehr aus den USA 1974, war Dagmar Schultz Mitbegründerin des Feministischen FrauenGesundheitsZentrums e.V. in Berlin - das erste in ganz Deutschland - wo sie bis 1981 arbeitete. Im gleichen Jahr war sie ebenso Mitbegründerin des Orlanda Frauenverlags und bis 2001 Mitherausgeberin.

Dagmar Schultz traf Audre Lorde erstmals 1980 auf einer Weltfrauenkonferenz in Kopenhagen. Sie lud Lorde 1984 als Gastprofessorin an das John F. Kennedy Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin. Als Verlegerin des Orlanda Frauenverlags publizierte Schultz "Macht und Sinnlichkeit - ausgewählte Texte von Audre Lorde und Adrienne Rich" und machte die deutsche Leserschaft mit den Autorinnen bekannt. Orlanda veröffentlichte weitere Arbeiten von Audre Lorde. Dagmar Schultz ist Koproduzentin des Films Hope in my Heart - May Ayim von Maria Binder. 2011 wurde Schultz für ihre langjährige Arbeit für Gleichberechtigung von Frauen in der akademischen Welt mit dem Margherita-von-Brentano Preis ausgezeichnet. Das Preisgeld trägt sowohl zur Produktion des Films Audre Lorde - The Berlin Years 1984 to 1992 bei, als auch zum Aufbau eines Audre Lorde Archivs an der Freien Universität Berlin.

KOMMENTAR DER FILMEMACHERIN

Ich selbst hatte von 1963 bis 1973 in den USA und in Puerto Rico gelebt und war dort in der Bürgerrechtsbewegung, in der Anti-Vietnambewegung und schließlich in der Frauen- und Lesbenbewegung aktiv. Durch diese Tätigkeiten hatte ich viel Gelegenheit, mich mit meiner Rolle als Deutsche und als weiße Europäerin auseinanderzusetzen. Nach meiner Rückkehr nach Berlin wurde mir immer klarer, wie sehr die Abwesenheit von Schwarzen und jüdischen Frauen in der Frauenbewegung bestimmend für das Selbstverständnis der deutschen Bewegung war. 1980 begegnete ich dann Audre Lorde zum ersten Mal auf der "Weltfrauenkonferenz" in Kopenhagen in der Diskussion nach einer Lesung. Sie redete über die Bedeutung ihrer Arbeit als Dichterin, über Rassismus und Unterschiede zwischen Frauen, über Frauen in Europa, den USA und Südafrika und von der Notwendigkeit einer Zukunftsvision als Wegweiser für unser politisches Handeln.

Mir wurde an diesem Abend klar: Audre Lorde musste in der Bundesrepublik von Frauen gehört werden, ihre Stimme könnte Frauen aus ihrer teilweise provinziellen, an den Erfahrungen weißer Frauen ausgerichteten Politik herauskatapultieren. Damals unterrichtete ich an der Freien Universität Berlin und hatte die Möglichkeit, Gastprofessorinnen vorzuschlagen. 1984 erfüllte sich mein Wunsch: Audre Lorde kam nach Berlin und bot u.a. das erste Seminar in kreativem Schreiben an, das auch mich motivierte, meine eigenen dichterischen Schreibversuche ernster zu nehmen. Sie machte sich auf die Suche nach Schwarzen Deutschen und so entstand unsere gemeinsame Arbeit an dem Buch "Farbe Bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte" und damit auch meine Freundschaften mit Afrodeutschen.

Zuvor, 1981, hörte ich in den USA Audre Lorde und die jüdische Dichterin Adrienne Rich auf einer Konferenz sprechen. Aus der Idee, ihre Vorträge zu übersetzen, entstand der Band "Macht und Sinnlichkeit", ein Buch das die Diskussion über Rassismus und Antisemitismus in der deutschen Frauenbewegung anregte und den LeserInnen Audre Lorde und Adrienne Rich als Freundinnen, Kolleginnen, gemeinsame Streiterinnen, als zwei eigenwillige, sehr unterschiedliche Frauen, die sich nicht scheuten, ihre Differenzen untereinander auszutragen, lebendig nahebringt. Wir veröffentlichten im Orlanda Verlag in den folgenden Jahren vier weitere Bücher mit Audres Werken. (Der Roman "ZAMI. Eine neue Schreibweise meines namens" wird im März 2012 vom Unrast Verlag wieder aufgelegt.)

Audre kehrte 1986 nach Berlin zurück und verbrachte bis 1992 jährlich mehrere Wochen und Monate in der Stadt. In den letzten zwei Jahren wohnte sie bei mir und meiner Partnerin Ika Hügel- Marshall, und wir besuchten Audre und Gloria Joseph in St. Croix. So entwickelte sich eine langjährige Freundschaft: wir arbeiteten an der Veröffentlichung ihrer Bücher zusammen, wir machten Lesereisen bei denen ich übersetzte, wir hatten viele lebhafte und anregende Diskussionen mit Audre im Verlag über Buch- und Manuskriptangebote. Meine Freundschaft mit Audre Lorde hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf den Orlanda Frauenverlag. Wir verwirklichten unser Ziel ein Team aus Schwarzen und weißen Mitarbeiterinnen zu werden. Damit erweiterten wir unsere Sichtweisen und lernten, konstruktiv mit Unterschiedlichkeiten umzugehen.

Ein anderer Aspekt unserer Freundschaft hatte mit Audres Krebserkrankung zu tun: ich vermittelte Audre naturheilkundliche Behandlungen und begleitete sie dabei über die Jahre. Für mich bedeutete dies eine ganz besondere Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod - die mir Jahre später auch dabei half mit meiner eigenen Krebserkrankung umzugehen. Audre sagte bezüglich der Krankheit: "Wir begegnen dem Krebs, wie wir jeder anderen Krise begegnen - mit allem was uns als Person ausmacht." Bewusst und voll Neugier leben, die Aufgaben mit Freude erfüllen, meine Möglichkeiten, meine Privilegien als weiße Frau zu erkennen und im Sinn meiner politischen Ziele zu nutzen, dies sind einige Dinge, die ich von Audre gelernt habe. Ein Zeichen ihrer Freundschaft war, dass sie mich als Person und als Freundin herausforderte. Von ihr lernte ich, dass ich als weiße Frau nicht davon ausgehen konnte, dass eine Schwarze Frau mir vertrauen würde, sondern dass ich bereit sein musste, dieses Vertrauen immer wieder aufzubauen. So wuchs unsere Freundschaft auf der Grundlage ähnlicher politischer und sozialer Interessen.

Glücklicherweise habe ich während dieses Jahrzehnts Audre mit ihrer Zustimmung in Foto-, Videound Audioaufnahmen aufgenommen, ohne jedoch Pläne für dieses reiche Material zu haben. In den folgenden fast 20 Jahren, die ich brauchte, um das Filmprojekt zu realisieren, war mir klar, dass ich dieses Material möglichst vielen Menschen zugänglich machen wollte, um damit ein bisher wenig beachtetes Kapitel in Audres Leben ans Licht zu bringen, das für sie und für Schwarze und weiße feministische Communities in Deutschland und Europa ungemein wichtig war und ist.

FILMOGRAFIE DER REGISSEURIN
2007, Hoffnung im Herz - Mündliche Poesie May Ayim, von Maria Binder, Koproduzentin
2012, Audre Lorde - Die Berliner Jahre 1984 bis 1992, Regisseurin und Produzentin

WEITERE INFORMATIONEN
http://audrelorde-theberlinyears.com/
http://dagmarschultz.com/index.html

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