Freitag, 20. Oktober 2017


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Weniger arbeitslose Schwerbehinderte in Sachsen

3. Dezember 2015 - Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung

Chemnitz, (lifePR) - Die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Erst seit Mitte 2015 liegt die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Behinderungen deutlich unter dem Vorjahreswert.

„Der sächsische Arbeitsmarkt hat in den vergangenen Jahren für viele Menschen gute Jobchancen geboten. Jedoch konnten die schwerbehinderten Arbeitslosen nur wenig davon profitieren. Vorurteile in der Gesellschaft, Ängste und Bedenken gegenüber der Leistungsfähigkeit machen es nicht leicht, diese Frauen und Männer in Arbeit zu bringen“, sagte Dr. Klaus Schuberth, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.

Im Zeitraum von 2005 bis 2014 hat sich die Arbeitslosigkeit in Sachsen mehr als halbiert. Im gleichen Zeitraum ist sie bei den arbeitslosen Schwerbehinderten auf 10.865 gestiegen. Damit stieg der Anteil der arbeitslosen Schwerbehinderten von 2005 auf 2014 auf 5,8 Prozent und hat sich mehr als verdoppelt. Erste Rückgänge bei den arbeitslosen Schwerbehinderten gab es erst im Jahresverlauf 2015. Seit Oktober sind weniger als 10.000 Schwerbehinderte arbeitslos gemeldet. Aktuell sind 9.747 Schwerbehinderte in den sächsischen Arbeitsagenturen und Jobcentern arbeitslos gemeldet, 775 weniger als vor einem Jahr. Über 80 Prozent von ihnen (7.702) haben eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium. Hier zeigt sich, dass Fachkräftepotenzial dieser besonderen Menschen.

„Ich weiß dass auch Menschen mit einer Behinderung volle Leistung bringen können und wollen. Mit einer technischen Arbeitsplatzgestaltung, abgestimmt auf Talente und Fähigkeiten, kann dieses Potenzial erschlossen werden. Letztendlich sollte doch für jeden Unternehmer nur wichtig sein,  dass seine Mannschaft geschlossen für ein gleiches Ziel arbeitet:  Das Unternehmen nach vorne zu bringen“, so Schuberth weiter.

Dass Nachholbedarf in der Ausschöpfung dieser Fachkräfte besteht zeigt die Entwicklung der Beschäftigungsquote. In Sachsen gab es im Jahr 2013 insgesamt 8.100 Betriebe mit zwanzig oder mehr Beschäftigten. Diese Betriebe sind verpflichtet, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung bereitzustellen – und zwar in Höhe von fünf Prozent (Soll-Quote). Wenn sie dieser Vorgabe nicht nachkommen, müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen. Diese sächsischen Unternehmen bieten insgesamt 944.400 Arbeitsplätze, die für die Berechnung der Beschäftigungspflicht berücksichtigt werden. Im Jahr 2013 waren insgesamt 34.600 Pflichtarbeitsplätze mit schwerbehinderten oder gleichgestellten Frauen und Männern besetzt. Damit lag die Beschäftigungsquote bei 4,1 Prozent. Seit 2003 ist zwar ein kontinuierlicher Anstieg der Beschäftigungsquote zu beobachten, wenngleich mit 3,8 Prozent bereits 2005 die Ist-Quote in etwa auf dem heutigen Niveau lag.

„Es sollte nicht darum gehen wer alles kann, sondern vielmehr darum, wer worin besonders gut ist. Die Leistungsfähigkeit eines jeden Menschen ist entscheidend, nicht seine Behinderung. Das sollten Personalentscheider erkennen und berücksichtigen“, appelliert Schuberth.

Damit Unternehmen künftig mehr Menschen mit Handicap beschäftigen, halten die Arbeitsagenturen und Jobcenter ein breites Angebot an Beratung, Unterstützung und finanzieller Fördermöglichkeiten vor:  


Technische Berater


Mitarbeiter aus den Agenturen für Arbeit sind Spezialisten in der Einrichtung von geeigneten Arbeitsplätzen für Menschen mit Handicap. Diese Technischen Berater klären gemeinsam mit Arbeitgebern vor Ort, unter welchen Bedingungen die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung möglich ist. Zudem leisten sie Unterstützung bei der Beantragung von Zuschüssen für die richtige Arbeitsplatzgestaltung.  


Berater für Rehabilitanden und Schwerbehinderte


Damit Menschen mit Behinderung bestmöglich unterstützt werden, kümmern sich in allen Agenturen für Arbeit speziell qualifizierte Berater um sie. Ziel ist, Erwachsene und auch Jugendliche individuell und umfassend über die Möglichkeiten der Arbeits- und Ausbildungsaufnahme zu beraten und mit ihnen gemeinsam die erforderlichen Maßnahmen umzusetzen. Dazu können zusätzlich auch der Ärztliche Dienst, der Berufspsychologische Service oder der Technische Beratungsdienst hinzugezogen werden.  


Eingliederungszuschuss:


Für bis zu zwei Jahre kann ein Betrieb bis zu 70 Prozent des Arbeitsentgeltes bezuschusst bekommen. Zusätzlich wird eine Pauschale für die Sozialversicherung gewährt. Für besonders betroffene schwerbehinderte Menschen kann die Förderung sogar bis 60 Monate erfolgen, bei über 55-Jährigen bis zu 96 Monate.  


Probebeschäftigung:


Arbeitgeber können die Kosten für die befristete Probebeschäftigung von Menschen mit Behinderung, schwerbehinderter und ihnen gleichgestellten Menschen bis zu einer Dauer von drei Monaten erstattet bekommen. Wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass sich durch das Praktika die Teilhabechancen verbessern oder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen werden kann.   Der aktuelle Rückgang der Arbeitslosigkeit Schwerbehinderter ist nicht zuletzt ein Erfolg der gemeinsamen Aktivitäten des KSV Sachsen – Integrationsamt, des Sächsischen Sozialministeriums sowie der Agenturen für Arbeit und Jobcenter in Sachsen. Allein durch die in diesem Jahr auslaufenden Förderprogramme, dem „Sächsische Arbeitsmarktprogramm zur Beschäftigungsförderung schwerbehinderter Menschen“ und die „Initiative Inklusion“, konnten bisher 2.385 Arbeitsplatze für schwerbehinderte Menschen neu geschaffen werden.     Weitere Hintergrundinformationen:  


Woche der Menschen mit Behinderung


Um die allgemeine Öffentlichkeit und die Unternehmer für mehr Inklusion zu sensibilisieren, führt die Bundesagentur für Arbeit neben verschiedenen Aktionen die Woche der Menschen mit Behinderungen im Dezember durch. In allen Arbeitsagenturen finden dazu verschiedene Veranstaltungen statt. Von gezielten Vermittlungsaktionen, über Jobbörsen bis hin zu Veranstaltungen zum Abbau von Vorurteilen gegenüber schwerbehinderter Menschen.  


Die Zahl der schwerbehinderten Menschen nimmt in Sachsen zu


Beim Kommunalen Sozialverband waren im Jahr 2013 377.550 schwerbehinderte Menschen  mit einem Behinderungsgrad von 50 und mehr in Sachsen registriert. Davon waren 186.763 (49,5 Prozent) männlich und 190.787 (50,5 Prozent) weiblich. Gegenüber 2011 wurden 2013 insgesamt 21.625 bzw. 6,1 Prozent mehr schwerbehinderte Personen gezählt, wobei die Anzahl der männlichen schwerbehinderten Menschen um 6,2 Prozent und die der weiblichen um 5,9 Prozent gestiegen ist. Dieser Anstieg ist im Wesentlichen auf die Alterung der Bevölkerung zurückzuführen. Mit zunehmendem Alter nimmt auch die Zahl der gesundheitlichen Einschränkungen zu.  


Viele Unternehmer zahlen lieber die Ausgleichsabgabe, statt individuelle Lösungen für ihren Betrieb zu finden


Betriebe, die ihre Beschäftigungspflicht nicht erfüllen, müssen monatlich eine Ausgleichsabgabe zahlen. Die Höhe dieser Abgabe ist abhängig von der Beschäftigungsquote (Ist-Quote) und von der Arbeitsplatzzahl. Sie liegt in Sachsen zwischen 105 und 290 Euro im Monat, pro nicht besetzten Pflichtarbeitsplatz.

Daten zur Arbeitsmarktsituation schwerbehinderter Menschen: http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Arbeitsmarktberichte/Personengruppen/Personengruppen-Nav.html

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