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Pressemitteilung BoxID: 390887 (Ärztekammer Westfalen-Lippe)
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Windhorst sieht "wichtigen Schritt in die richtige Richtung, aber Verbesserungsbedarf": Netzwerk zum Schutz der Kinder muss enger zusammenarbeiten

Ein Jahr Bundeskinderschutzgesetz - Forum Kinderschutz der Ärztekammer zog erste Bilanz

(lifePR) (Münster, ) Mit dem seit einem Jahr geltenden Bundeskinderschutzgesetz sollen Hilfe-Strukturen und Netzwerke geschaffen werden, über die Kinder stärker als bisher vor Vernachlässigung, Verwahrlosung, Gewalt und Missbrauch geschützt werden sollen. "Das Gesetz ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber die Vernetzung unter den Beteiligten hat noch erheblichen Verbesserungsbedarf", so das Fazit des Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, auf dem 6. Forum Kinderschutz der Ärztekammer Westfalen-Lippe, das unter dem Titel "Ein Jahr Bundeskinderschutzgesetz - wie kommt es in Bewegung?" in Unna stattfand.

"Das Netz ist geknüpft, aber es ist noch nicht mit Leben gefüllt. Wir müssen das Netzwerk intensiver nutzen." Einheitliche Regelungen und ein strukturiertes Management müssten die Zusammenarbeit aller Beteiligten, insbesondere Eltern, Ärztinnen und Ärzte, Hebammen, Jugend- und Gesundheitsämter, Schulen, Polizei und Familiengerichten, optimieren. "Die einzelnen Rädchen in dieser Verantwortungs-Gemeinschaft zum Schutz unserer Kinder greifen noch nicht ineinander." Eine wichtige Rolle könne dabei die unparteiische Instanz einer Kinderschutzfachkraft spielen, die laut Windhorst "eine zentrale Akteurin im Kinderschutz darstellt, jedoch leider noch nicht genügend bekannt ist". Sie könne unterstützend und beratend tätig werden, um gemeinsam mit anderen Beteiligten wie Ärzten und Jugendämtern ein qualifiziertes Hilfs- und Schutzkonzept für betroffene Kinder zu erstellen.

Windhorst: "Die Aufbruchstimmung des Kinderschutz-Forums soll zukünftig zu gemeinsamen Aktivitäten führen." Dies sei vor dem Hintergrund aktueller Zahlen dringend notwendig: Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet für das Jahr 2011 3.583 Fälle von Kindesmisshandlung, insgesamt gab es 4.126 Opfer. Dabei muss nach Expertenmeinung von einer sehr hohen Dunkelziffer nicht angezeigter Straftaten ausgegangen werden. Laut Deutscher Kinderhilfe sterben jährlich etwa 150 Kinder an den Folgen von Gewalt und Misshandlung.

Eine wichtige Leistung des Bundeskinderschutzgesetzes bestehe für die Ärzteschaft darin, bei konkreten Anhaltspunkten für die Gefährdung eines Kindes das Jugendamt einschalten zu können, ohne die Schweigepflicht zu verletzen. Durch die Schaffung einer bundeseinheitlichen Befugnisnorm zur Weitergabe von Informationen für Berufsgeheimnisträger wie etwa Ärzten sei ein Kompromiss zwischen ärztlicher Schweigepflicht und der Abwehr einer Kindsgefährdung gefunden worden. Damit hätten die Aktivitäten zum Schutz der Kinder auf Landesebene einen bundesgesetzlichen Rahmen erhalten.

Windhorst: "Häufig ist eine Gefährdung des Kindeswohls für die behandelnden Ärzte als erste erkennbar. Das Gesetz bietet eine klare Regelung, die einerseits die Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patient schützt, andererseits aber auch die Weitergabe wichtiger Informationen an das Jugendamt ermöglicht."