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Pressemitteilung BoxID: 290210 (Ärztekammer Westfalen-Lippe)
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Windhorst: Zunehmende Übertragung ärztlicher Tätigkeiten mündet in Zwei-Klassen-Versorgung

Patienten haben Recht auf Facharztstandard

(lifePR) (Münster, ) Gegen die Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf nicht-ärztliche Berufsgruppen hat sich erneut die Ärztekammer Westfalen-Lippe ausgesprochen. "Die Einheitlichkeit des Arztberufes in Diagnostik und Therapie und damit die Gesamtverantwortung für den Patienten darf in keinem Fall aufgegeben werden, sonst droht in der Patientenversorgung ein ständiger Aschermittwoch", warnt Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst. Er ist besorgt, dass die Übertragung ärztlichen Handelns zur selbstständigen Ausübung von Heilkunde auf Angehörige nicht-ärztlicher Berufe zu einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung führt. Den Weg zu einer solchen Übertragung hat jetzt der Bundesgesundheitsminister in Wahrnehmung seiner Rechtsaufsicht mit der Genehmigung einer entsprechenden Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses frei gemacht.

Der Patient müsse weiterhin die Sicherheit haben, "nach den Gesetzen der ärztlichen Kunst und Facharztstandard" behandelt zu werden, fordert Windhorst. Während das Bundesgesundheitsministerium hofft, dass maßvolle Regelungen zur Heilkunde­übertragung einen Beitrag zur Entlastung des Arztberufes und gleichzeitig zu einer Verbesserung der Versorgungssituation leisten könnten, hält Windhorst dagegen: "Erfahrungen aus anderen Ländern, wie zum Beispiel den USA, haben gezeigt, dass mit einer weiteren Versorgungsebene neben der ärztlichen Versorgung weder die Versorgungsqualität gesteigert noch Einsparungen erzielt werden konnten." Es dürfe auch nicht sein, dass ärztliche Tätigkeiten aus rein wirtschaftlichen Gründen auf andere Gesundheitsberufe abgeschoben würden.

"Bei dem Thema Substitution ärztlicher Tätigkeit bildet sich derzeit in Berlin eine unheilvolle Allianz gegen die Ärzteschaft", erklärt Windhorst und verweist auf Aussagen der Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Widmann-Mauz, zur Substitution sowie Planungen des Gemeinsamen Bundesausschuss zu entsprechenden Modellversuchen. Widmann-Mauz hatte vor kurzem eine noch stärkere Übernahme ärztlicher Leistungen durch Pflegekräfte angekündigt.

Der Kammerpräsident befürchtet, dass insbesondere in den Pflegeberufen falsche Anreize gesetzt werden, die dort zu einer weiteren Ausdünnung der Personalressourcen führen. Weitere Kräfte aus diesem Bereich abzuziehen, sei unverantwortlich. "Es braucht Pflegefachkräfte, die am Patienten arbeiten, Pflegefachkräfte mit einer guten Berufsausbildung."

"Der bislang anerkannte Facharztstandard ist ein Patientenrecht, das nicht ausgehebelt werden darf", sagt Windhorst, der vor einer Aufsplitterung der Patientenversorgung in eine ärztliche und eine nichtärztliche Versorgungsschiene warnt. "Das ist dann nämlich eine wirkliche Zwei-Klassen-Versorgung." Die Ärzteschaft sei bereit, über die Delegation ärztlicher Tätigkeiten unter Verantwortung des Arztes zu sprechen und wünsche sich eine teamorientierte Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Pflegeberufe. Daher solle ihre Qualifizierung für arztentlastende Tätigkeiten weiter voran getrieben werden. "Ziel muss eine sinnvolle und effiziente Kooperation aller an der Patientenversorgung Beteiligten sein. Dabei muss es aber auch klare Grenzen geben. Und jede Gruppe muss ihren eigenen Verantwortungsbereich wahrnehmen. Was wir nicht brauchen, ist eine Gesundheitspolitik, die die bewährte Arbeitsteilung verwässert und damit die Patientenversorgung verschlechtert."