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Pressemitteilung BoxID: 292471 (Ärztekammer Westfalen-Lippe)
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Windhorst: "Wir dürfen die Medizinstudenten nicht in eine Zwangsjacke stecken"

Medizinischer Nachwuchs ist nicht durch Dirigismus zu gewinnen

(lifePR) (Münster, ) Die Ärztekammer Westfalen-Lippe warnt vor einer "unproduktiven Einmischung in die medizinische Ausbildung". Das so genannte dritte Tertial im Praktischen Jahr muss nach Ansicht des Kammerpräsidenten Dr. Theodor Windhorst frei wählbar bleiben. "Die Studenten müssen die Möglichkeiten behalten, ihre Eignungen und Neigungen frei austesten zu können", sagt Windhorst.

Er wendet sich damit gegen Vorstellungen des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums bei den Beratungen des Ausschusses für Gesundheit des Bundesrates zu dem Entwurf einer neuen Approbationsordnung, nach denen alle Medizinstudenten verpflichtet werden sollen, ein Drittel des letzten Ausbildungsjahres in einer hausärztlichen Praxis zu absolvieren.

Windhorst: "Es ist keinesfalls erwiesen, dass mit einer Zwangsverpflichtung zur Allgemeinmedizin in der Ausbildung der Mangel an Allgemeinmedizinern in der Versorgung behoben werden kann. Im Gegenteil: Auch in der Chirurgie, die bereits jetzt Pflichtfach ist, herrscht Ärztemangel." Medizinischer Nachwuchs sei nicht durch Dirigismus zu gewinnen Es sei zu begrüßen, wenn sich Medizinstudenten für die Allgemeinmedizin im dritten Tertial entscheiden würden, aber dies müsse freiwillig geschehen. "Wir dürfen die Studenten nicht in eine Zwangsjacke stecken." Es widerspreche auch der Freiheit von Lehre und Forschung, die Studenten mittels Vorschriften leiten zu wollen.

Die Kammer setzt sich "für eine Förderung der Allgemeinmedizin im besonderen sowie aller Fachrichtungen mit Mangelerscheinungen", so Windhorst, ein. "Der Mangel an ärztlichem Nachwuchs muss in allen Bereichen bekämpft werden."

Es sei positiv, das Blockpraktikum Allgemeinmedizin in der Ausbildung von zwei auf vier Monate zu verdoppeln: "Das hat sicher Wirkung." Zudem fordert der Kammerpräsident, die Allgemeinmedizin im Kanon der medizinischen Fakultäten zu stärken. Alle medizinischen Fakultäten müssten über einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin verfügen. Derzeit seien es nur 19 von 36 Fakultäten, die die Allgemeinmedizin anböten, kritisiert Windhorst. "Es müssen unbedingt alle sein. Und das muss vorrangig erreicht werden."