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Pressemitteilung BoxID: 387415 (Ärztekammer Westfalen-Lippe)
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Windhorst: "Kein billiger Jakob im Notarztdienst"

Haben Unfallopfer schlechte Karten? Verletzten-Triage ist Facharztaufgabe

(lifePR) (Münster, ) Vor einer Verschlechterung der Versorgung von Patienten in lebensbedrohlichen Notfällen warnt die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL). Der Präsident der Kammer, Dr. Theodor Windhorst, sowie der Beauftragte der ÄKWL für den Rettungsdienst, Dr. Hans-Peter Milz, sehen nicht nur die Gefahr, dass durch den Ärztemangel insbesondere in ländlichen Regionen "erhebliche Probleme auf den ärztlichen Rettungsdienst zukommen werden". Windhorst wehrt sich zudem gegen Überlegungen, notärztliche Aufgaben an Nicht-Ärzte zu delegieren. Dies sieht ein aktueller Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Beruf des Notfallsanitäters vor. "In der Rettungsmedizin darf nicht der billige Jakob Einzug halten. Auch Verletzte haben einen Anspruch auf eine Versorgung mit Facharztniveau." Besonders bei Unfällen mit mehreren Verletzten sei die Triage, die medizinische Begutachtung und Differentialdiagnose, Schwerstarbeit. "Die Qualität in der Rettungsmedizin darf nicht heruntergefahren werden, weil sich mit nicht-ärztlichem Personal vermeintlich Geld sparen lässt."

Zwar sei eine weiter verbesserte Qualifizierung des Personals im Rettungsdienst generell zu begrüßen, erläutert der Ärztekammer-Präsident. Wenn allerdings Notfallsanitäter, wie im Gesetzentwurf vorgesehen, zukünftig auch schon invasive medizinische Maßnahmen durchführen und Aufgaben der ärztlichen Heilkunst ausüben dürften, gehe unter Umständen am Einsatzort und auf der Transportfahrt viel wertvolle Zeit bis zur Diagnose und Behandlung durch einen Arzt verloren. Auch könne etwa die Gabe von diagnoseverschleiernden Schmerzmitteln vor Ort eine spätere ärztliche Diagnose unmöglich machen. Diese Erweiterung der Notfallsanitäter-Kompetenz sei für den Verletzten nicht zielführend, denn auch eine demnächst dreijährige Berufsausbildung für Notfallsanitäter ersetze nicht die speziellen Kenntnisse und Qualifikationen in der Differentialdiagnostik, die Ärzte für den Rettungsdienst über viele Jahre in Medizinstudium und Weiterbildung erwerben müssen. "Wer also beim Rettungsdienst Personalkosten kürzen will, muss sich sehr gut überlegen, ob er der Allgemeinheit lieber Folgekosten durch eine verzögerte und qualitativ schlechtere Versorgung aufbürden möchte."

Auch Rettungsdienst-Beauftragter Dr. Milz sieht Probleme und warnt vor dem Einstieg in ein notarztfreies Rettungssystem: "Die Rettungsdienstträger bekommen wegen des allgemeinen Ärztemangels weniger adäquaten Nachwuchs im Notarztdienst." Außerhalb der größeren Städte sei es zunehmend schwierig, das hochkomplexe Hilfeleistungssystem des Notarztdienstes aufrecht zu erhalten. Es fehle an der personellen Ausstattung. Dass Krankenhäuser qualifizierte Ärzte stellten, sei auf dem Land oft schwieriger, weil die Kliniken "dort eben kleiner" seien. Trotzdem: "Wenn die organisatorischen Rahmenbedingungen stimmen, ist eine gute und schnelle Notarztversorgung möglich. Man muss eben ein vernünftiges System organisieren, mit dem geeignete Ärzte notfalls auch auf Honorarbasis rekrutiert werden können."

Windhorst und Milz sind sich einig, dass die Kommunen den Notarztdienst nicht einschränken oder etwa auf die Krankenhäuser abwälzen könnten. "Ein Ausstieg aus dem System kann nicht die Lösung sein." Die qualitativ hochwertige vor-klinische Versorgung von Patienten müsse weiterhin gewährleistet bleiben. "Und dies kann kein Fast-Arzt machen, dafür ist ein Notarzt erforderlich."