Montag, 23. Juli 2018


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Windhorst: Das Kesseltreiben muss aufhören - "Steter Tropfen höhlt den Stein des Vertrauens"

Kammerversammlung wehrt sich gegen Ärzte-Schelte - Fatale Folgen für die Patientenversorgung

Münster, (lifePR) - Korruption, Pfusch, Behandlungsfehler und Honorar-Gier: Das Image der Ärzte hat nicht nur leichte Kratzer bekommen, sondern wird nach Ansicht der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) derzeit in der Öffentlichkeit systematisch schlechtgeredet. "Was gerade von Krankenkassen, Politik und einzelnen Medien auf uns einprasselt, können wir nicht länger hinnehmen. Das Kesseltreiben gegen die Ärzteschaft muss aufhören", erklärte Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst heute vor der Kammerversammlung der ÄKWL, dem höchsten Beschlussgremium der westfälisch-lippischen Ärzteschaft. Einhellig forderte die Versammlung ein Ende der ungerechtfertigten Ärzte-Schelte.

Information über und Transparenz von Gesundheitsentscheidungen seien medial ebenso unverzichtbar wie die Aufdeckung von Missständen, aber die Verfehlungen Einzelner dürften nicht einem ganzen Berufsstand angelastet und dieser durch globale Verunglimpfungen und pauschale Vorurteile in Misskredit gebracht werden, sagte Windhorst. Dies sei eine gefährliche Entwicklung. "Dadurch entsteht eine Misstrauenskultur im Gesundheitswesen und dies ist einem vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnis mehr als abträglich. Dadurch wird auch die positive Wirkung dieses gegenseitigen Vertrauens beim Heilungsprozess, also der Aufbau einer guten Behandlungsbeziehung mit der Berücksichtigung ganzheitlicher therapeutischer Maßnahmen, der so genannte Placebo-Effekt, erheblich gemindert."

Das "Ärzte-Bashing als beliebtes Spiel interessierter Kreise" habe zur Folge, dass sich der medizinische Nachwuchs verunglimpft fühle. Windhorst: "Sollte das Kesseltreiben gegen die Ärzteschaft nicht bald ein Ende haben, müssen wir uns nicht wundern, wenn unser Gesundheitssystem demnächst ohne Ärztinnen und Ärzte auskommen muss." Es komme nicht von ungefähr, wenn im vergangenen Jahr über 2240 gut ausgebildete und hochqualifizierte Mediziner ins Ausland abgewandert seien, weil sie sich unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht mehr wohl fühlten. Die so entstandenen Lücken könnten nicht ausreichend durch Zuwanderung aus dem Ausland gefüllt werden.

Die ständige Ärzte-Schelte hinterlasse also bereits Spuren. "Steter Tropfen höhlt den Stein des Vertrauens." Zwar gehörten die Ärzte bei Umfragen immer noch zur Spitzengruppe der angesehensten Berufsgruppen in Deutschland, aber im Euro Health Consumer Index (EHCI), der die Gesundheitssysteme in 34 europäischen Staaten aus der Sicht der Patienten bewertet, ist Deutschland nach Aussage Windhorsts im Vergleich zu 2009 im vergangenen Jahr vom sechsten Rang auf Rang 14 abgerutscht. Die EHCI-Studie bewertet Ergebnisqualität, Transparenz und Vertrauen aus Sicht der Patienten und besteht aus fünf Bereichen, die für den Verbraucher im Gesundheitssystem wichtig sind: Patientenrechte und -informationen, Wartezeiten für Behandlungen, Diagnosen, Vorsorge, Vielfalt und Umfang der angebotenen Leistungen und Pharmazeutika. Der EHCI ist zu einem Maßstab für das europäische Gesundheitswesen geworden.

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