lifePR
Pressemitteilung BoxID: 293648 (Ärztekammer Westfalen-Lippe)
  • Ärztekammer Westfalen-Lippe
  • Gartenstr. 210 - 214
  • 48147 Münster
  • https://www.aekwl.de/
  • Ansprechpartner
  • +49 (251) 929 - 2103

Kammer befürwortet neues Kinderschutzgesetz: Weitergabe von Informationen jetzt möglich / Erste Verdachtsmomente ernst nehmen

Kinderschutzforum behandelt Thema "Sexueller Missbrauch"

(lifePR) (Münster, ) Das seit Jahresbeginn geltende Kinderschutzgesetz bietet Ärzten stärker als bisher die Möglichkeit, Kinder vor Vernachlässigung, Verwahrlosung, Gewalt und Missbrauch zu schützen. Dies erklärt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst, im Vorfeld des fünften Kinderschutzforums, das sich am kommenden Samstag (10. März) in Münster schwerpunktmäßig mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern beschäftigt. Die wichtigste Neuregelung des Gesetzes bestehe für die Ärzteschaft darin, nun bei konkreten Anhaltspunkten für die Gefährdung eines Kindes das Jugendamt einschalten zu können.

Windhorst: "Häufig ist eine Kindswohlgefährdung für die behandelnden Ärzte als erste erkennbar. Das Gesetz bietet eine klare Regelung, die einerseits die Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patient schützt, andererseits aber auch die Weitergabe wichtiger Informationen an das Jugendamt ermöglicht."

Kindesmisshandlungen, Vernachlässigung oder sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen kämen mittlerweile so häufig vor, dass jeder Arzt, der regelmäßig Kinder behandelt, damit konfrontiert werden könne. 2010 wurden nach einer Statistik des Bundeskriminalamtes 14.407 Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch. Experten gehen zudem von einer sehr hohen Dunkelziffer aus.

Die Entdeckung von Kindesmisshandlungen und in noch größerem Maße sexuellen Missbrauchs erweise sich in der Praxis oft als sehr komplex, so Windhorst. "Denn die Diagnose umfasst nicht nur medizinische Gesichtspunkte, sondern auch Aspekte der Familie und der persönlichen oder sozialen Situation." Erst zusätzliche Informationen von Kindergärten, Schulen und anderen Institutionen würden dann ein vollständiges Bild ergeben, sagt der Kammerpräsident So vielfältig wie die Anzeichen für sexuellen Missbrauch seien auch die Folgen. Neben Vertrauensverlust und Ängsten gehörten dazu zum Beispiel körperliche, seelische und psychosomatische Folgen (z. B. Migräne, Depressionen, Süchte etc.), Wahrnehmungsstörungen (z. B. Minderwertigkeitsgefühl, gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper) oder Identitätsprobleme (z. B. negatives Selbstbild, Selbstbestrafungen).

Windhorst: "Das Erkennen einer Kindesmisshandlung oder sexuellen Missbrauch entwickelt sich oft erst über einen längeren Zeitraum. Dieses erfordert von den Ärzten, dass ein erster Verdacht ernst genommen und eventuell über Wochen und Monate verfolgt werden muss. Über mehrere Kontakte hin muss geprüft werden, bevor die endgültige Diagnose gestellt werden kann." In dieser Situation bräuchten Ärztinnen und Ärzte Ansprechpartner, mit denen sie sich über mögliche Verdachtsmomente bei Misshandlungen austauschen können. Dazu sollten alle wichtigen Akteure im Kinderschutz - wie Jugendämter, Schulen, Gesundheitsämter, Krankenhäuser, Ärzte, Schwangerschaftsberatungsstellen und Polizei - vor Ort in einem Kooperationsnetzwerk zusammengeführt werden.

"Hier setzt das Forum Kinderschutz an, um allen am Kinderschutz Beteiligten eine Plattform des Austausches zu bieten", sagt Windhorst abschließend.