„Schwangeres Mädchen“ – ein Meisterwerk des Bildhauers Ernst Barlach

Dank großzügiger finanzieller Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung (EvSK) und der Hermann Reemtsma Stiftung konnten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) den Bestand des Albertinum an Werken des Bildhauers Ernst Barlach um eine herausragende Holzskulptur ergänzen: Das „Schwangere Mädchen“ von 1924.

Von den 99 Holzskulpturen, die Ernst Barlach nachweislich geschaffen hat, sind heute 85 erhalten und mehrheitlich in öffentlichen Sammlungen. Angesichts der geringen Anzahl von Holzskulpturen, die überhaupt noch zum Verkauf angeboten werden können, ist die Möglichkeit zum Kauf einer solchen Figur von höchstem Seltenheitswert und die Erwerbung des „Schwangeren Mädchens“ für das Albertinum ein Glücksfall. Die Provenienz der Skulptur ist lückenlos dokumentiert: vom Atelier des Künstlers über den Kunstsalon Cassirer, der Sammlung des Krefelder Textilfabrikanten Hermann Lange und den Kunsthändler Karl Buchholz in New York bis zum letzten Eigentümer, der Deutschen Bank.

Hilke Wagner, Direktorin des Albertinum: „1937 verloren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Zuge der Beschlagnahmungen der Nationalsozialisten drei von damals insgesamt sieben vorhandenen Barlach-Werken, darunter die 1920 für die Skulpturensammlung erworbene, aus Mooreiche geschnitzte Skulptur „Frierendes Mädchen“ (1917). Diese Lücke im Bestand konnte über Jahrzehnte hinweg nicht mehr geschlossen werden. 2021, rund hundert Jahre nach der ersten Barlach-Erwerbung erhält das Albertinum nun mit dem „Schwangeren Mädchen“ eine der markantesten Holzskulpturen Barlachs, die dem 1937 verlorenen „Frierenden Mädchen“ formal sehr ähnlich ist. Unser Sammlungsbestand moderner figürlicher Skulptur – von Rodin über Maillol und Lehmbruck bis Marcks und Kirchner – wird so kongenial ergänzt. Der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Hermann Reemtsma Stiftung sind wir unendlich dankbar, dass sie dies möglich gemacht haben!“

Der Neuerwerb erweitert den Bestand der Skulpturensammlung auf insgesamt neun Werke Barlachs, zusätzlich zu den über hundert Lithographien, Holzschnitten und Zeichnungen im Kupferstich-Kabinett. Auch das Kunstgewerbemuseum besitzt vier Werke des Künstlers, vorrangig aus Porzellan. 2020 würdigte das Albertinum Barlach zu seinem 150. Geburtstag mit einer großen Jubiläumsausstellung.

Astrid Nielsen, Kuratorin der Barlach-Ausstellung 2020 und zuständige Konservatorin des Albertinum: „Barlachs ‚Schwangeres Mädchen‘ von 1924 ist ein repräsentatives Beispiel für seine Schnitzkunst und charakteristisch für seine Gewandfiguren. In der für sein reifes Werk typischen Statuarik greift der Künstler ein Motiv auf, das er bereits 1922 in einer Zeichnung entwickelt hatte. Er schildert die Schwangerschaft nicht allein als glücklich-freudvollen Zustand, sondern zeigt das Mädchen vielmehr in sich gekehrt, in sich ruhend und nachsinnend über das, was kommen wird.“

Ernst Barlach, einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts, verstand sich selbst hauptsächlich als Holzbildhauer. Die Holzskulpturen, die er in den drei Jahrzehnten zwischen 1907 und 1937 schuf, machen den Kern seines vielschichtigen Œuvres aus. Daneben wurde der vielfach Talentierte, der in den frühen 1890er Jahren an der Dresdner Kunstakademie studiert hatte, auch in anderen Bereichen tätig – Barlach war ein begnadeter Zeichner, ein innovativer Grafiker und wortgewaltiger Schriftsteller.

In seiner lebenslangen Beschäftigung mit der menschlichen Figur übte er zum einen Kritik an seiner Zeit – gerade nach den verheerenden Erlebnissen des Ersten Weltkrieges und dessen Auswirkungen –, aber zugleich schuf er auch Gestalten von zeitloser Gültigkeit. In der reduzierten äußeren Gestalt seiner Figuren, die oft Eiferer, Zweifelnde, Notleidende oder Versehrte, aber auch Suchende und Sinnende sind, werden elementare menschliche Wesenheiten erfasst und zum Ausdruck gebracht.

Um die hygienischen Anforderungen in Zeiten von Corona zu berücksichtigen, ist eine Anmeldung zum Pressetermin unter presse@skd.museum unbedingt erforderlich. Der Zutritt erfolgt nur mit einem Impf-, Test-, oder Genesenennachweis sowie nach einer Kontakterfassung vor Ort. Bitte beachten Sie, dass das Tragen eines medizinischen Mund-Nase-Schutzes (FFP2- oder OP-Maske) verpflichtend und der Abstand von 1,50 Meter zu anderen Personen einzuhalten ist.

„Schwangeres Mädchen“ – ein Meisterwerk des Bildhauers Ernst Barlach: neu erworben für das Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Einladung zur Pressekonferenz am Dienstag, 14. September 2021, 11 Uhr im Albertinum, Eingang über Georg-Treu-Platz

mit

Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Dirk Burghardt, Kaufmännischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Hilke Wagner, Direktorin des Albertinum

Astrid Nielsen, Konservatorin

Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Hermann Reemtsma Stiftung

Martin Hoernes, Generalsekretär Ernst von Siemens Kunststiftung

 
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