Sonntag, 26. Oktober 2014


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Der letzte Sommer der Grauwale

WWF: Es gibt nur noch 79 Westpazifische Grauwale - schuld ist auch die Gier nach Öl

(lifePR) (Frankfurt, ) Der Westpazifische Grauwal, eines der ältesten und größten Säugetiere der Erde, steht vor der Ausrottung. Zählungen in der Heimat der Wale vor der Küste der russischen Insel Sachalin zeigen, dass es nur noch 79 der Meeressäuger gibt. Viele Tiere sind stark abgemagert. Schuld ist das größte Öl- und Gasförderprojekt der Welt, das vor Sachalin entsteht. "Der Baulärm macht die Wale krank", sagt WWF-Walexperte Volker Homes. "Die Chancen, dass wir im nächsten Frühjahr hier die Fluke eines Walbabys sehen, werden immer geringer." Der WWF protestiert seit Jahren gegen das Projekt unter der Leitung von Gasprom, bei dem immer wieder massiv gegen Umweltauflagen verstoßen wird. Auch die Vorschläge eines von dem Öl-Konsortium eingesetzten Expertengremiums, das den Schutz der Wale garantieren sollte, werden ignoriert.

Westpazifische Grauwale leben seit 30 Millionen Jahren in den Weltmeeren. Die bis zu 14 Meter langen und 35 Tonnen schweren Tiere fressen sich im kurzen russischen Sommer vor Sachalin Fettreserven für den harten Winter an. "Jetzt aber kapitulieren immer mehr Wale vor den Ölkonzernen", sagt Homes. Die WWF-Beobachter vor Ort schildern, dass man selbst an Land den dumpfen Baulärm für die Offshore-Anlagen hören und die Vibrationen spüren kann.

Auch im Landesinneren von Sachalin, das so groß ist wie England, hat das Ölprojekt dramatische Konsequenzen. Für den Bau von Verladestationen, Terminals und Pipelines werden Wälder gerodet und Flüsse zerstört. Die Einheimischen, die hauptsächlich vom Lachsfang leben, kämpfen um ihre Existenzen, weil die Fangquoten seit Baubeginn um 70 Prozent eingebrochen sind. "Das Naturparadies Sachalin wird gerade systematisch zerstört", so WWF-Experte Homes. Auf Sachalin brüten seltene arktische Vogelarten und die Küste gilt als Kinderstube für Robben.

Im vergangenen Jahr waren noch gut einhundert Grauwale gesichtet worden. Unter den nun nur noch 79 Tieren sind vermutlich höchstens zwanzig fortpflanzungsfähige Weibchen. Der WWF fordert die Betreiber der Förderanlagen Gasprom, Exxon, BP und Shell auf, endlich alle Umweltauflagen einzuhalten. Mit der russischen Regierung ist der WWF im Gespräch, um ein Schutzgebiet im Norden Sachalins zu erreichen. "Die Konzerne fühlen sich sicher, weil das, was im Russischen Fernen Osten geschieht, kaum die Öffentlichkeit erreicht", sagt Homes. "Sie feiern lieber, dass sie vor Sachalin das tiefste Bohrloch der Erde in den Meeresboden gerammt haben. Für Mensch, Natur und Klima wäre es besser, sie würden sich mit Hochdruck um alternative Energiegewinnung kümmern."
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