Montag, 05. Dezember 2016


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Deutscher Wohlstandsmüll hilft vielen Menschen in ärmeren Ländern bei Existenzsicherung

Rund 1,6 Milliarden gebrauchte Kleidungsstücke werden in Deutschland pro Jahr gespendet. An seriöse Sammelstellen weitergegeben, werden sie so Teil einer neuen Wertschöpfungskette, sparen knappe Ressourcen ein und lassen weltweit viele Menschen profitiere

(lifePR) (Hilpoltstein, ) Über 1,6 Milliarden Kleidungsstücke werden Jahr für Jahr in Deutschland in Altkleidercontainern entsorgt oder anderweitig gespendet. Entweder weil sie nicht mehr passen, einfach aus der Mode gekommen sind oder der Geschmack sich geändert hat. Doch viele Spender wissen gar nicht, wo die Ware landet, was mit ihr passiert.

Eine Fernsehreportage der ZDF-Reihe planet e zeigte vor kurzem anhand verschiedener Beispiele, wohin die Gebrauchtschuhe und Kleidungsstücke gehen und wofür sie genutzt werden. Die meisten Wohlfahrtorganisationen, wie das Kolpingwerk oder das Deutsche Rote Kreuz, verkaufen die in den Containern gesammelten Kleidungsstücke an gewerbliche Sammelbetriebe. Worin sie sich allerdings explizit unterscheiden: Es gibt Sammelorganisationen, die eine vorbildliche Transparenz betreiben und die Sammler darüber informieren, was mit den gesammelten Schuhen und Kleidern passiert. Andere geben laut dem ZDF-Fernsehbericht dagegen keinerlei Hinweise darauf, wo die Sammelstücke tatsächlich landen.

Nur zwei Prozent der gesammelten Ware gehen an deutsche Kleiderkammern, wo sie kostenlos an Bedürftige weitergegeben werden. Obwohl die Gebrauchtware teilweise in einem neuwertigen Zustand ist, ist der Bedarf in Deutschland, selbst bei den sozial Schwachen, nicht größer. Der große Rest wird an kommerzielle Sammelunternehmen und Sortierbetriebe verkauft und laut planet e-Bericht mit nur maximal 50 Euro pro Tonne vergütet. Von dem Geld können die gemeinnützigen Einrichtungen wiederum soziale Projekte finanzieren. In den Sortierbetrieben prüfen die Mitarbeiter die eigetroffenen Schuhe und Textilien nach ihrer Qualität und ordnen sie anschließend von sehr gut erhalten über noch tragbar mit leichten Gebrauchsspuren bis hin zu nicht mehr verwendbar. Die Ware der ersten Kategorie geht hauptsächlich nach Osteuropa, in Länder wie Russland, Rumänien und der Ukraine. Die Gebrauchtware der Kategorie zwei geht dagegen überwiegend nach Afrika. In Kategorie drei sind all die Kleidungsstücke zusammengefasst, die zwar nicht mehr getragen, dafür aber recycelt werden können. Letzteres trifft auf etwa 40 Prozent der Stücke zu. Diese werden zu Granulat verarbeitet, das beispielsweise in Dämmmaterialien für Autos oder Haushaltsgeräten verwendet wird. Davon profitiert vor allem die Umwelt enorm: Anders als bei der Neuproduktion wird beim Recycling von getragenen Schuhen und Kleidern kein oder kaum Wasser verbraucht und es müssen keine Pestizide eingesetzt werden. Leidglich zehn Prozent der Textilien und Schuhe sind komplett unbrauchbar und landen im Müll.

Andreas Voget, Geschäftsführer bei FairWertung, dem Dachverband für Altkleidersammelorganisationen, meldete sich im ZDF ebenfalls zu dem Thema zu Wort. Da er die sozialen und ökologischen Aspekte des Gebrauchtkleidersammelns seit langem unter die Lupe nimmt, warnt er die Menschen vor den schwarzen Schafen der Branche. Das sind vor allem Sammelorganisationen, die für angebliche Hilfstätigkeiten werben und keine Angaben machen, wer dahinter steckt. "Manchmal existiert nicht mal eine Adresse oder gültige Telefonnummer. Wir wissen weder wo die Kleidung hingeht, noch was damit passiert oder, ob sie ordentlich sortiert wird", so Altkleiderexperte Voget. "Es sollte immer ermittelbar sein, wer hinter einer Sammlung steckt." Voget fordert deshalb deutlich mehr Transparenz von den Sammelorganisationen.

Rund die Hälfte der 1,6 Milliarden weggeworfenen Gebrauchtkleiderstücke wird in anderen Ländern weitergetragen. Besonders in Osteuropa steigt die Nachfrage nach deutscher Gebrauchtware rapide. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die lokale Produktion von Neuware wurde mit der Zeit vor allem durch die deutlich billiger produzierende und niedrigere Löhne zahlende Konkurrenz aus Asien verdrängt. Auch die Wirtschaftskrise von 2008 spielt eine Rolle. Und nicht zuletzt die meist überdurchschnittliche Qualität deutscher Kleidungsstücke. In Russland und anderen Ländern verdienen mit dem "Wohlstandsmüll" aus Deutschland viele Menschen ihren Lebensunterhalt. Vor allem Frauen leben vom Second-Hand-Handel. Osteuropäische Importeure kaufen die Ware von deutschen Sammlern auf und geben sie an ihre Kunden weiter. Dabei handelt es sich um Einzelhändler, die dafür wiederum mehrere Arbeitnehmer im Verkauf beschäftigen und die Ware in Second-Hand-Läden oder auf dem Markt anbieten. Die Altkleider und Gebrauchtschuhe sind dort längst Teil einer Wertschöpfungskette geworden und verhelfen vielen Menschen zu einem Einkommen.

Vom Sammeln und Wiederverwerten gebrauchter Schuhe profitieren nicht nur viele Menschen, sondern in hohem Maße auch die Umwelt. Während die Produktion neuer Textilien Unmengen von knapp gewordenen Ressourcen verschlingt, ist das beim Second-Hand-Handel nicht der Fall. Alleine für die Neuproduktion einer einzelnen Jeanshose werden laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit nicht weniger als 10.000 Liter Wasser verbraucht. Für ein Kilogramm Baumwolle sind es sogar rund 25.000 Liter. Außerdem kommen bei der Herstellung neuer Kleidungsstücke Pestizide und Chemikalien zum Einsatz. Das ständige Neuproduzieren belastet die Umwelt in hohem Maße. Auch ökologisch ist das Weitertragen der weggeworfenen Textilien und Schuhe eine kluge, sinnvolle Lösung.

Dass es auch anders, nämlich transparent und fair geht, zeigt das deutschlandweite Schuhsammelprojekt SHUUZ. Das Projekt, bei dem primär Schulen, Kindergärten, Vereine und andere Institutionen angesprochen werden, hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch gezielte Aufklärung und zum Wohle aller Beteiligten sinnvolle Schuhsammelaktionen durchzuführen, um das unachtsame Wegwerfen gebrauchter, noch gut erhaltener Schuhe zu verhindern. SHUUZ stellt allen Sammlern kostenlos Sammelkartons sowie die komplette Logistik zur Verfügung und zahlt darüber hinaus einen fairen Erlös für die gesammelten Schuhe. Die SHUUZ-Teilnehmer helfen dabei, unsere Umwelt ein wenig grüner zu machen sowie Menschen in ärmeren Ländern eine Existenz zu sichern. Mit dem Sammelerlös können die Einrichtungen sinnvolle Investitionen in ihrer Einrichtung unterstützen, beispielsweise die Anschaffung von Bildungs- und Spielmaterialien, oder das Geld als Spende für einen guten Zweck zur Verfügung stellen.

Unter www.shuuz.de erfahren Sie ausführliche Informationen über das Projekt und können von dort auch zu dem interessanten Fernsehbeitrag von planet e in der ZDF-Mediathek gelangen. Zusätzliche Informationen und Bilder in druckfähiger Auflösung finden Sie im Pressebereich von www.12quadrat.de.
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Jahr für Jahr landen immer noch viel zu viele gebrauchte Schuhe auf dem Müll. Das belastet einerseits die Umwelt, andererseits sind viele der weggeworfenen Schuhe noch sehr gut erhalten und daher viel zu schade für die Müllhalde. SHUUZ hilft mit, dass sich das ändert und unterstützt interessierte Institutionen, beispielsweise Schulen, Jugendzentren, Vereine, Kindergärten, etc., bei der Durchführung von Gebrauchtschuhsammlungen und sorgt dafür, dass die ersammelten Schuhe weltweit zu günstigen Preisen an Menschen gehen, die sich keine oder nur unzureichende Schuhe leisten können. Als Dankeschön für ihr Engagement erhalten die Sammelstelen von SHUUZ einen Erlös für die gesammelten Schuhe. Die Sammelstellen können den erzielten Erlös behalten oder auf Wunsch für einen guten Zweck spenden.


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