Montag, 01. September 2014


Gutachten hält bis zu 5.600 Arbeitsplätze für möglich

Abschlussbericht der Machbarkeitsstudie für den Logistikschwerpunkt West liegt vor

(lifePR) (Barsinghausen/Wunstorf, ) Am "Logistikschwerpunkt" Wunstorf und Barsinghausen könnten bis zu 150 Hektar Logistikflächen innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre entwickelt werden. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie des Gutachterbüros Grontmij GmbH aus Bremen. Am Donnerstag (26. April) haben die Experten den Abschlussbericht im Ausschuss für Wirtschaft und Beschäftigung der Region Hannover vorgestellt. Demnach besitzt der Standort landesweit herausragende Qualitäten als sogenannter Trimodalstandort. Das heißt, dass dort sowohl mit dem LKW als auch der Bahn und dem Binnenschiff Güter umgeschlagen werden können. Die Gutachter kommen zu dem Schluss, dass auf dem Areal von 150 Hektar zwischen 4500 und 5600 neue Arbeitsplätze entstehen können, falls das Gebiet komplett genutzt wird. Das sind fast ebenso viele Arbeitsplätze, die innerhalb der gesamten Region seit 2003 im Logistiksektor geschaffen wurden: bis heute rund 6000 Stellen.

Die Region Hannover und die Städte Wunstorf und Barsinghausen hatten im November 2010 eine Machbarkeitsstudie beauftragt, in der analysiert werden sollte, welches Potenzial dieser Standort für logistische Nutzung bietet, welche Restriktionen bestehen und wie eine Umsetzungslösung aussehen kann, die den wirtschaftlichen Gegebenheiten, Umwelt- und Naturschutzanforderungen Rechnung trägt.

Rund 290 Hektar Fläche, aufgeteilt auf drei Teilflächen, wurden untersucht:

- im Norden in Wunstorf, angrenzend an den bestehenden Gewerbepark-Süd zwischen Landesstraße L 392, Luther Forst und Mittellandkanal;
- bei Kolenfeld östlich der L392 zwischen Kanal und Autobahn;
- im Süden bei Holtensen im Dreieck der Autobahn, der L392 und der Deponiestraße.

Bereits im Zwischenbericht im Juni 2011 hatte der Gutachter bescheinigt, dass der Standort eine niedersachsenweit konkurrenzlose Qualität bietet: hervorragende Trimodalqualität große zusammenhängende Flächenpotenziale Anbindung ohne Ortsdurchfahrten an die A2 Nutzung der Flächen auch Nachts, ohne Anwohner zu stören

Das größte Teilgebiet zwischen dem Wunstorfer Gewerbegebiet Süd, dem Luther Forst und dem Mittellandkanal umfasst einen Untersuchungsraum von 160 Hektar. Hiervon können laut Gutachten etwa 90 Hektar als Bauflächen genutzt werden. Von allen drei Teilgebieten könnte dieses Areal am schnellsten für eine Logistiknutzung überplant werden. Zuvor müssten jedoch Ausgleichsflächen für Brutvögel und Hamster geschaffen werden, die an diesem Standort heimisch sind.

Die beiden Teilflächen südlich des Kanals bei Kolenfeld und südlich der A 2 bei Holtensen bedurften noch weiterer Klärung mit der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), da die Flächen Teil eines Gastvogelgebietes mit landesweiter Bedeutung sind. Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass die Entwicklung einer Baufläche von jeweils 30 Hektar an beiden südlichen Teilarealen sowohl den Naturschutzbelangen wie auch den Anforderungen an einen landesweit bedeutsamen Logistikschwerpunktstandort Rechnung trägt, ohne die streng geschützten Gastvögel zu schädigen.

Im Teilareal bei Kolenfeld wird ein Freiraumkorridor zum Mittellandkanal unbebaut bleiben, um das Gastvogelgebiet nicht zu zerschneiden. Zudem müssen Ausgleichsmaßnahmen für eine Hamsterpopulation und schützenswerte Brutvögel vorgenommen werden. Erst wenn nachgewiesen wurde, dass diese Ausweichgebiete von den Tieren angenommen werden, darf dort gebaut werden. Im südlichsten Areal bei Holtensen sind Brutvögel nachgewiesen, für die entsprechende Kompensationsmaßnahmen durchzuführen sind. Hinweise auf Hamster gibt es nicht.

Für eine Logistikflächenentwicklung bei Kolenfeld muss außerdem ein Flächentausch für das Vorranggebiet "Rohstoffgewinnung" im Landesraumordnungsprogramm vorgenommen werden, um eine Verkleinerung der bebaubaren Flächen zu vermeiden und beide Vorhaben - Logistiknutzung und Rohstoffgewinnung - miteinander zu vereinbaren. Das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung hat bereits signalisiert, dass ein solcher Kompromiss möglich ist, da auch das Land Niedersachsen Interesse an einem landesweit bedeutsamen Logistikstandort habe. Voraussetzung für die Umsetzung des Kompromissvorschlags ist jedoch die Änderung des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) der Region Hannover. Das Änderungsverfahren ist bereits eingeleitet

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurden auch die voraussichtlichen Verkehrsbelastungen und erforderlichen Anpassungen der Verkehrsinfrastruktur durch die Ingenieurgemeinschaft Schubert analysiert. Wenn das Gebiet voll erschlossen ist, erwarten die Gutachter zusätzlich 5.000 bis 6.000 Fahrzeuge, davon ca. 2.000 Lastkraftwagen pro Werktag. Diese werden weitgehend über die L 392 und die Anschlussstelle Kolenfeld bzw. die B 441 und die Anschlussstelle Luthe den kurzen Weg zur A 2 suchen. Die Experten empfehlen daher unter anderem einen Ausbau der Knotenpunkte K 344/ B 441, K 344/ Albert-Einsteinstraße, K 344/ L 392 sowie der beiden Knotenpunkte L 392/ Auffahrt zur A 2. Geeignete Maßnahmen wären Ampeln, Abbiegespuren oder Kreisel.

Aufgrund seiner Trimodalqualität eignet sich der Standort nach Einschätzung der Gutachter vor allem für Verteilzentren von Logistikdienstleistern, die Waren im internationalen Fernverkehr weiterverarbeiten, kommissionieren und überregional verteilen, spezialisierte Dienstleister für die Automobilindustrie, die Komponenten weiterverarbeiten und weltweit bedarfsgerecht an die Produktionsstätten liefern, sowie Großhandelsbetriebe mit überregionaler Distributionsfunktion. Aufgrund des derzeitigen Mangels an großen Logistikflächen in der Region Hannover und der weiterhin hohen Nachfrage ist mit einer zügigen Umsetzung innerhalb von zehn bis 15 Jahren zu rechnen. Die Stadt Wunstorf plant, bereits im Sommer einen Bebauungsplan östlich der K 344 für einen ersten Entwicklungsabschnitt aufzustellen.

Für die nördliche Teilfläche in Wunstorf gibt es bereits konkret Interesse von ansässigen Unternehmen, Güter auf die Schiene zu verladen. Ein erstes Plankonzept für einen Umschlagbahnhof mit Anbindung an die Bahnlinie Minden bzw. Bremen - Hannover liegt vor. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, die vorhandene Anlegestelle am Mittellandkanal in Wunstorf-Kolenfeld, zu erweitern, um das Schienenumschlagterminal auch für den Containerumschlag von Bahn und LKW auf das Binnenschiff zu ermöglichen. Die Wirtschaftlichkeit einer trimodalen Anbindung der nördlichen Teilfläche wird im Rahmen einer weiteren Untersuchung im Auftrag der Stadt Wunstorf, der Region Hannover, der Städtischen Häfen Hannover sowie der HRG Grundstücksgesellschaft Region Hannover näher analysiert. Die Ergebnisse sollen Mitte Mai von der Stadt Wunstorf bzw. dem Gutachter vorgestellt werden.

Logistikregion Hannover

Die Region Hannover gehört zu den führenden Logistikregionen Deutschlands - das belegen zahlreiche renommierte Studien. Durch die zentrale Lage an der Kreuzung verschiedener Verkehrsträger wird die Region vor allem als Hinterlandstandort für die internationalen Seehafenverkehre immer wichtiger. Bei den Flächenumsätzen für Logistikansiedlungen in Deutschland liegt die Region Hannover nach Berlin und Frankfurt inzwischen auf Platz 3 aller Binnenstandorte. Seit 2003 wurden durch 70 logistische Investitionsprojekte in der Region Hannover mit einem Volumen von über 800 Mio. € ca. 6.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Um die Weichen für die Zukunft zu stellen, hat die Region Hannover unter Beteiligung der Städten und Gemeinden das "Logistikflächenkonzept 2020" erarbeitet. Darin ist die mögliche Entwicklung von Logistikschwerpunkten im Westen (Barsinghausen/Wunstorf) und im Osten Hannovers (Ahlten/Höver/Anderten) beschrieben.
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