Samstag, 10. Dezember 2016


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Die Spielzeit 2008/2009 des piccolo Theaters Cottbus

Arme Kinder, armes Deutschland

(lifePR) (Cottbus, ) 33,1 % unserer Bevölkerung sehen Kinderarmut in Deutschland als die gegenwärtig größte Herausforderung an vor der unserer Gesellschaft steht. Selbst die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz wird als kleineres Problem empfunden. Warum aber ist jedes sechste Kind in Deutschland arm, wie es der jüngste Armutsbericht der Regierung vom Juni 2008 ausweist.

Warum werden viele Kinder nicht satt, haben kaum eigenes Spielzeug und wenig Freunde. Warum können sie an Klassenfeiern und Kindergartenabschlussfahrten nicht teilnehmen? Warum werden ihre Geburtstage so anders gefeiert, warum kennen sie Urlaubsreisen nur aus den Erzählungen anderer Kinder, warum ziehen sie sich zurück und wohin, warum schämen sie sich? Die Antwort ist so einfach, wie bestürzend. Diese Kinder haben sich für ihre Erdenzeit das falsche Land ausgesucht, sie haben sich für Deutschland entschieden, Pech gehabt. Sie sind in einem der reichsten Länder der Welt gelandet, im Land der Buchhalter, die noch immer darüber streiten, wie die Bilanzposition "Kind" mit Anschaffungs-, Abschreibungs- und Restbuchwert zu definieren ist. Sie sind in einem Land gelandet, im dem der Wert von Kindern und Kindheit als solcher nicht existiert oder bestenfalls täglich neu bestimmt wird, ähnlich einem Börsenkurs. Kinder und Kindheit scheinen lästige Durchgangsstadien zu sein, so eine Art Krankheit, die endlich irgendwann überstanden sein wird.

Das Wort Kinderkrankheit bekommt so einen ganz neuen Klang. Krankt das Land an seinen Kindern oder kranken die Kinder am Land? Kinder sind keine Wertanlagen für die Zukunft unserer Gesellschaft. Kinder sind keine künftigen Theaterbesucher, keine künftigen Olympiasieger, keine künftigen Konsumenten und erst recht keine künftigen Renten- und Pensionssicherungsgenerationen. Vielleicht werden sie das alles werden, vielleicht, wenn wir sie es werden lassen. Kinder sind jetzt und hier und heute, Kinder sind wir alle. "Für Kinder zu schade" oder "für Kinder zu teuer" sind lebensfeindliche Denkweisen, Kinder haben keinen Preis. Kinder müssen um ihrer selbst willen geliebt, behütet, geleitet und gefördert werden. Jedes Kind, zu jeder Zeit an jedem Ort.

Premieren und Highlights 2008/2009

Kohlhaas - frei nach Heinrich von Kleist 12+
Regie: Reinhard Drogla

"An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Rosshändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit." Schon die ersten Zeilen Kleists schildern die dramatische Spannbreite der Figur Kohlhaas: rechtschaffen und entsetzlich. Wie kann man zum Mörder werden, wenn man doch aufrecht und ehrenhaft versucht zu leben?

Kohlhaas will eines Tages mit seinen besten Pferden auf die Leipziger Messe ziehen. Er wird von den Leuten des Junkers von Tronka festgehalten und zu Tronkas Burg gebracht. Kohlhaas muss als Pfand zwei seiner Pferde und den Knecht zurücklassen, weil er keinen Pass mit sich führt. Die Pferde werden zu schwerster Feldarbeit missbraucht, der Knecht aus der Burg gejagt.

Kohlhaas' Rechtsgefühl ist aufs Empfindlichste gekränkt. Er verlangt Wiedergutmachung, doch überall verweigert man ihm sein Recht.

Getrieben von Unverständnis und Wut beginnt er einen Amoklauf, der zahlreiche Menschen das Leben kostet: Selbstjustiz für Gerechtigkeit. Michael Kohlhaas: Ein kaltblütiger Mörder? Ein Terrorist? Ein Widerstandskämpfer?

Premiere im November 2008

Hänsel und Gretel frei nach den Gebrüdern Grimm 5+
Regie: Reinhard Drogla

Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern; das Bübchen hieß Hänsel und das Mädchen Gretel. Er hatte wenig zu beißen und zu brechen, und einmal, als große Teuerung ins Land kam, konnte er das tägliche Brot nicht mehr schaffen...

So beginnt das beliebte und bekannte Märchen der Gebrüder Grimm. Hänsel und Gretel, der elterlichen Obhut entzogen, geraten in die Fänge der Knusperhexe, die nichts Gutes mit ihnen im Sinn hat.

Das piccolo Theater hat den Klassiker als Vorlage für seine Weihnachtsinszenierung genutzt und auf die Bühne gebracht. Das Stück eignet sich für große und kleine Menschen ab fünf Jahren.

Ab sofort können Sie Karten für unser Weihnachtsstück unter 0355 / 23687 oder info@piccolo-cottbus.de vorbestellen.

Premiere am 30. November 2008

Erste Stunde - Klassenzimmerstück von Jörg Menke Peitzmeyer 14+

Regie: Matthias Heine

"Okay, bringen wirs hinter uns. Ich gebe euch fünf Minuten. Fünf von fünfundvierzig, da könnt ihr nicht sagen, ich wär nicht großzügig. Fünf Minuten, in denen könnt ihr mit mir machen, was ihr wollt."

Sie dürfen ihn beschimpfen, beklauen, verkloppen. Doch sie wollen nicht. Eine Klasse ohne Mobbing, das gibt's doch nicht. Er muss es schließlich wissen, denn es ist nicht seine erste Schule.

Jürgen Rickert kommt neu in die Klasse. Bisher war er immer das Mobbingopfer, doch heute will er den Spieß umdrehen: er provoziert die Schüler und versucht die Klassengemeinschaft aufzubrechen.

Der Monolog greift in die Gruppendynamik der Klasse ein. Die Schüler müssen sich zu dem Neuen verhalten und werden - das ist der Kunstgriff des Stücks - mit sich selbst konfrontiert, eine ganze Schulstunde lang. Damit wird verhandelbar, was allgegenwärtig ist, aber im Schulalltag niemand anzusprechen wagt. "Erste Stunde" ist ein echtes Klassenzimmerstück zum Thema Mobbing, eine Provokation, ein Risiko und braucht einen mutigen Schauspieler.

Jürgen Rickert ist ein Antiheld, ein Ritter von der traurigen Gestalt.

"Erste Stunde" erhielt den Autorenförderpreis 2006 der Landestheater.
Es spielt: Hauke Grewe / Premiere im Januar 2009

Die Gitter schweigen 12+

Eine Eigenproduktion des piccolo Inszenierungsjugendclubs

Spielleitung: Matthias Heine / Uraufführung

Der geschlossene Jugendwerkhof diente als strafvollzugsähnliche Disziplinierungseinrichtung des Jugendhilfesystems der DDR. Hierhin wurden 14 bis 18-jährige Kinder und Jugendliche aus anderen Einrichtungen eingewiesen, wenn sie den strengen Normen der "sozialistischen Persönlichkeitsentwicklung" nicht entsprachen. Sie hatten (noch) keine Straftaten begangen. Ihr Problem war, aus schwierigen Familien zu stammen, sich an den zugewiesenen Arbeitsstellen nicht einfügen zu können, die falsche Musik zu hören. Kein Gericht sprach ein Urteil, keine unabhängige Instanz prüfte die Einweisung. Für tausende von unbequemen DDR-Jugendlichen wurde der geschlossene Jugendwerkhof zum Synonym für Angst, Drill und Strafe.

Der piccolo Jugendclub ist diesen Jugendlichen und ihren Geschichten auf der Spur. Was verbindet uns 20 Jahre nach dem Fall der Mauer mit ihnen?

Kennst du die Stadt in der die Sonne nie lacht, das ist Torgau, wo man aus Menschen Idioten macht.

I Hass you Torgau
(Zelleninschrift im geschlossenen Jugendwerkhof Torgau)

Premiere im März 2009
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