Dienstag, 27. September 2016


Luxuriöser Leichenschmaus und Paradies für Pilze

Pflegearbeiten im Naturschutzgebiet "Eichenhudewälder bei Lauenberg"

(lifePR) (Lauenberg, ) Sie sind uralt, knorrig gewachsen und an vielen Stellen morsch - die Solling-Eichen im Hudewald bei Lauenberg. Seit 500 Jahren stehen 84 Ur-Eichen am östlichen Sollingrand, knapp die Hälfte der "ehrwürdigen Damen" lebt noch. Die übrigen sind längst abgestorben und bleiben solange stehen, bis Pilze und Würmer sie zu Fall bringen. Der alte Wald darf nicht sterben, Förster und Naturschützer eilen immer wieder den Baumveteranen zu Hilfe. Dort, wo junges kräftiges Grün den betuchten Eichen auf die Borke rückt, kommt die Kettensäge zum Einsatz. Im Naturschutzgebiet "Eichenhudewald bei Lauenberg" müssen erneut Enkelbäume für ihre Großmütter Platz machen.

"Am Montag haben wir mit den Pflegearbeiten zum Schutz des Hudewaldes begonnen. Wir fällen solche Bäume, die die mächtigen Eichen bedrängen und ihnen das Sonnenlicht in der Krone und am Waldboden abschnüren", sagt Jost Speitling. Der Revierförster aus dem Niedersächsischen Forstamt Dassel betreut das europäische Naturschutzgebiet. Gemeinsam mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Northeim haben Speitling und sein Kollege Kai Conrad die Fällarbeiten im Detail abgesprochen. Erhalten bleiben sollen besonders die astigen Bäume. Die knorrigen Kronen sind für zahlreiche Käferarten interessant. "Uns geht es nicht um die Erzeugung von Wertholz für die Möbelindustrie", sagt Naturschutzförster Conrad. Das Ziel der Niedersächsischen Landesforsten in diesem Waldschutzgebiet liegt darin, möglichst neue Hudebäume heranzupflegen, die ihrerseits wieder sehr alt werden können: "Wenn wir hier gar nichts tun, wachsen jüngere Bäume den bisherigen und künftigen Hudeeichen über den Kopf und dunkeln sie aus. Damit verlieren gerade die Uraltbäume ihren Wert für Insekten wie den seltenen Eremit-Käfer, der an diesen morschen Eichen lebt".

Seit 106 Jahren ist dieses Waldstück flächig geschützt. Die letzte und aktuell gültige Verordnung für das Naturschutzgebiet ist genau 40 Jahre alt. Inzwischen hat die dickste Eiche einen Umfang von über sechs Meter und ein Holzvolumen von rund 30 Kubikmeter. Doch der Wert dieser Bäume wird nicht in Euro gemessen. Jeder Kaufmann sähe hier seine Rendite zerrinnen, wenn das wertvolle Holz von Würmern und Pilzen zerfressen wird. "Dieser luxuriöse Leichenschmaus kommt seltenen Käfern und dem heimischen Mittelspecht zu Gute, die im Eichenhudewald bei Lauenberg wie im Paradies leben", begründet Jost Speitling warum selbst abgestorbene Bäume im Wald verbleiben.

Damit auch unsere Urenkel noch stattliche Eichen in den Sollingwäldern finden, pflanzt das Forstamt Dassel junge Eichen nach. "Diese Heisterpflanzen sind jetzt schon mannshoch und brauchen nur noch 200 Jahre um ausgewachsen zu sein", schmunzelt Förster Speitling über die Zeiträume, in denen er und seine Kollegen planen.

Mehr Infos unter:

http://www.naturpark-solling-vogler.de/...
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