Mittwoch, 07. Dezember 2016


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Olympianominierung beim Topfschlagen

Alexandra Engelhardt sprang im letzten Moment auf den Olympiazug

(lifePR) (Mainz, ) Tack, tack, Treffer! Gerade hatte Alexandra Engelhardt mit verbundenen Augen und Kochlöffel bewaffnet den Topf gefunden, da klingelte das Telefon. "Bist du gesund? Wie geht es dir nach der Reha? Was macht das Gewicht?", fragte Bundestrainer Jürgen Scheibe am anderen Ende der Leitung. Die 25-jährige Ringerin von der KSG Ludwigshafen war erst mal verwirrt. Schließlich war sie umringt von acht Dreijährigen, organisierte gerade die Geburtstagsfeier für ihren Sohn Felix. "Die Kinder wollten unterhalten werden, die Eltern Kaffee trinken und ich dachte nur: Ich will jetzt kein Weltcupturnier kämpfen. Schließlich hatte ich die Olympia-Quali ja verpasst", erzählte Engelhardt später.

Denkbar knapp war der Olympiazug an der seit 2003 in Schifferstadt lebenden Wahl-Pfälzerin vorbeigerauscht: Bei zwei Qualifikationsturnieren in Kanada und Schweden war sie jeweils Dritte geworden - der zweite Platz hätte gereicht für Peking. Dann kam auch noch eine schwere Sportverletzung hinzu und sie musste ihrem Körper nach Nasenbeinbruch, Schleudertrauma und Gehirnerschütterung eine Zwangspause gönnen.

"Ich wusste am Anfang gar nicht recht, was der Bundestrainer von mir will", sagte Engelhard später noch immer kopfschüttelnd. Schließlich war sie bei der letzten Nominierungswelle der deutschen Athleten am 15. Juli nicht dabei gewesen. "Erst als Jürgen Scheibe genau wissen wollte, wie viel ich wiege, wurde ich hellhörig." Der Bundestrainer erklärte ihr, dass der tunesische Verband aus nicht bekannten Gründen seine Ringerin kurzfristig zurückgezogen hatte und der Ringer-Weltverband den frei gewordenen Quotenplatz an die knapp gescheiterte Freistilringerin vergeben hatte.

Wie in Trance spielte Alexandra Engelhardt an diesem 23. Juli weiter die gute Gastgeberin beim Kindergeburtstag, wagte anfangs nicht, jemandem von der überraschenden Olympiateilnahme zu erzählen. Nur ihren Mann zog sie ins Vertrauen, denn der konnte wirklich nachvollziehen, was der Anruf für sie bedeutete. Schließlich hatte auch Ehemann Peter, der für Mömbris-Königshafen bis 66 kg im Leichtgewicht auf die Matte geht, mit Olympia geliebäugelt. Aber ein Kreuzbandriss hatte seinen Traum platzen lassen.

"Am Abend haben wir dann doch eine Flasche Sekt aufgemacht", berichtet Engelhardt. "Und in der Nacht habe ich meinen Mann zweimal geweckt und mich vergewissert, dass meine Olympianominierung wirklich kein Traum ist."

Dann ging alles ganz schnell. Schon am nächsten Morgen saß Engelhardt im Zug nach Aschaffenburg zum Lehrgang bei Bundestrainer Jürgen Scheibe. Da war eine Menge zu organisieren, nicht nur wegen der Versorgung von Felix. Die Ehrenerklärung musste unterschrieben werden, Faxe sausten zwischen Ludwigshafen und Frankfurt hin und her. Zum Schluss stellte der Leiter der Sportfördergruppe noch einen Fahrer zur Verfügung, der die letzten Papiere nach Frankfurt brachte - und prompt im Stau stecken blieb. Auch die acht Kilo, die die Freistilringerin in der Gewichtsklasse bis 48 kg in der Verletzungspause zugelegt hatte, mussten runter. "Aber ,Abkochen' gehört bei Kampfsportlern zum Alltag. Schon in der ersten Woche waren 5 Kilo runter", sagte sie gelassen kurz vor der Abreise ins Reich der Mitte.

Allzu früh will Alexandra Engelhardt nicht in Peking sein. Sie flog erst am 10. August, die Kämpfe sind am 16. "Dann ist die nötige Vorspannung noch da." Und zu den sportlichen Aussichten befragt antwortet sie: "Alles ist drin!"

Am Samstag um 3:30 MEZ wissen wir dann, ob ihre nachträgliche Olympianominierung vielleicht doch ein Volltreffer war. Regina Thiem Daumen drücken am 16.08.:

3:30 Qualifikation
4:00 K.O.-System
10.00 Kampf um Platz 3
10:50 Finale
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