Montag, 05. Dezember 2016


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Britisches Pfund

Devisenfokus

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) .
- Der Euro konnte sich in den letzten Wochen gegenüber US-Dollar und Yen deutlich erholen. Größte Gewinner waren die Währungen aus Skandinavien und Osteuropa.
- Das Britische Pfund profitierte bislang spürbar von Euro-Schuldenkrise. Angesichts der schwachen Konjunktur, schwieriger Staatsfinanzen, sich verschlechternden Handelsdefiziten und einer sehr expansiven Geldpolitik in Großbritannien dürfte das Pfund einen merklichen Rücksetzer erleiden, zumal die Probleme des Euro an Dramatik verlieren.
- Helaba-Währungsprognosen

GBP: Das Ende der Party droht

In Großbritannien herrscht die olympische Euphorie. Nach den "glücklichen und glorreichen" Spielen von London macht sich Optimismus im Vereinigten Königreich breit. Kommt nun auch die Wirtschaft in Schwung und könnte das Britische Pfund davon profitieren? Oder folgt eher der große Kater nach der Feier, auch zu Lasten der Währung?

Am Devisenmarkt wurde das Britische Pfund bereits vor Olympia gefeiert. Unter den weltweit wichtigsten Währungen erwies sich das Pfund Sterling handelsgewichtet im laufenden Jahr bis kurz vor Beginn der Spiele als die stärkste. Selbst wenn die britische Währung ihre Spitzenposition mittlerweile eingebüßt hat, so überrascht doch die Stärke des Pfund. Besonders ausgeprägt war die Aufwertung gegenüber der Gemeinschaftswährung. Der Euro-Pfund-Kurs fiel von 0,84 bis auf 0,78. Aber selbst gegenüber dem US-Dollar verbuchte das Pfund noch ein leichtes Plus.

Die Krise in der Währungsunion trägt erheblich zur Aufwärtstendenz des Pfunds bei. So besitzt das Pfund Sterling offensichtlich den Reiz als Fluchtwährung. Das Risiko eines Zahlungsausfalls britischer Staatsanleihen wird als sehr gering erachtet, schließlich steht die Bank of England als Käufer dieser Papiere bereit. Neben einer höheren Rechtssicherheit sprechen auch ein liquiderer Kapitalmarkt und insbesondere Immobilienmarkt für die britische Währung. Wer sich darüber hinaus aber mehr auf die eher ökonomischen Faktoren konzentriert, dem könnten Zweifel aufkommen, ob das Geld in Großbritannien wirklich besser aufgehoben ist.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Großbritannien erinnert eher an die Krisenstaaten aus der Euro-Peripherie denn an die der sicheren Häfen aus Skandinavien oder der Schweiz. So schrumpfte das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) drei Quartale in Folge. Zugegeben, durch einige Sondereffekte wie u.a. den zusätzlichen Feiertag anlässlich des Thronjubiläums der Queen wurde die Wirtschaftsleistung nach unten verzerrt. So dürfte auch der Rückgang im zweiten Quartal 2012 nach einer Revision geringer ausfallen. Trotzdem sind die Daten insgesamt enttäuschend.

Der private Konsum entwickelt sich recht flau. Zwar wächst die gesamte Beschäftigung trotz eines massiven Stellabbaus im öffentlichen Dienst. Sehr moderate Lohnanstiege begrenzen jedoch die Einkommensexpansion. Zudem leiden die privaten Haushalte unter einer hohen Verschuldung, folglich sparen sie spürbar mehr als vor einigen Jahren. Selbst wenn es zuletzt gewisse Lichtblicke im Einzelhandel gab, so dürfte der private Verbrauch nur eingeschränkt zulegen können. Der Unternehmenssektor hat mehr Potenzial aufzuweisen, zumindest deuten dies die beträchtlichen Finanzierungsüberschüsse an. Allerdings lässt die Unsicherheit über die europäische Schuldenkrise und die Binnennachfrage die Unternehmen vorsichtig agieren. Die eher getrübten Stimmungsindikatoren sprechen dagegen, dass sich bei den Investitionen eine merkliche Verbesserung vollzieht.

Die Hoffnung, dass Großbritannien vom Außenhandel deutliche Wachstumsimpulse erhalten könne, erwies sich als Trugschluss. Vor 2008 zeigte aufgrund der boomenden Binnennachfrage die britische Handelsbilanz ein Defizit von 2,5 bis 3 % des BIP auf. Im Sog der Rezession und einer massiven Pfund-Abwertung reduzierte sich zwar der Fehlbetrag. Mittlerweile - sicherlich auch wegen der schwachen Nachfrage aus der Eurozone - befindet sich das Defizit mit rund 3 % am BIP wieder auf alten Höhen. Die Pfund-Aufwertung 2012 spielt kaum eine Rolle. Schließlich liegt der reale, handelsgewichtete Pfund-Index immer noch rund 20 % unter seiner Spitze aus dem Jahr 2007. Das britische Leistungsbilanzdefizit könnte im zweiten Quartal 2012 damit wieder nahe an die langjährigen Höchstwerte von über 3 % des BIP ansteigen. Klassische sichere Anlagehäfen weisen dagegen Überschüsse auf.

Auch der Staatshaushalt erweckt Zweifel, ob Großbritannien eine ideale Zuflucht für die Anleger ist. Nach einem Budgetdefizit von 8,3 % am BIP im Fiskaljahr 2011/12 war eine weitere Reduktion für die laufende Periode eingeplant. Jenseits eines bilanziellen Sondereffekts zeichnet sich angesichts der schwachen Konjunktur hier eher ein höherer Fehlbetrag ab. Auch die Staatsverschuldung von derzeit rund 84 % am BIP wächst weiter. Der grundsätzliche Sparkurs der Regierung wird vermutlich beibehalten, selbst wenn die Kritik daran zunimmt. Die konjunkturellen Impulse seitens der Fiskalseite sollten daher negativ ausfallen.

Immerhin dürfte das britische Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2012 deutlich expandieren. Neben den feiertagsbedingten Nachholeffekten aus der Vorperiode beflügeln wohl auch die olympischen Spiele das Wachstum. Danach wird die Dynamik aber wohl wieder nachlassen. Im Gesamtjahr 2012 verbleibt somit ein Minus um 0,3 %. Mit mehr Rückenwind von der Weltkonjunktur dürfte die britische Wirtschaft 2013 die neuerliche Rezession überwunden haben und um rund 1 % zulegen. Grund zur Euphorie besteht dennoch nicht.

Die Bank of England (BoE) versucht daher weiter das Wachstum zu stimulieren. Im Juli weitete sie ihr Kaufprogramm für Staatsanleihen auf nun 375 Mrd. Pfund aus. Zudem versucht sie die Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte durch ein neues Programm ("Funding for Lending") zu fördern. Zwar erhöhte sich die Teuerung im Juli auf 2,6 %. Jedoch dominieren aus Sicht der Notenbank weiter die Abwärtsrisiken bei der Inflation. Daher dürfte die BoE ihre quantitativen Maßnahmen womöglich im November noch einmal ausweiten. Auch dank der Geldpolitik ist die inflationsbereinigte Rendite zehnjähriger Staatsanleihen in Großbritannien mit rund 1 % im negativen Terrain die niedrigste unter den führenden Währungen. Zudem sprechen die nominalen Renditen für einen höheren Euro-Pfund-Kurs.

Insgesamt müsste das Pfund Sterling einen postolympischen Kater erleiden, insbesondere gegenüber dem Euro. Allerdings sind die Unsicherheiten hinsichtlich der Währungsunion - von Griechenland, über Spanien bis hin zum deutschen Verfassungsgericht - noch hoch. Sollten hier in den nächsten Wochen und Monaten Fortschritte erzielt werden und entsprechend die Risikoprämien für die Peripherieanleihen abschmelzen, könnte der Euro-Pfund-Kurs spürbar zulegen und über 0,85 ansteigen. Gegenüber dem US-Dollar dürfte das Pfund Sterling ebenfalls einbüßen. Der Pfund-Dollar-Kurs wird vermutlich in Richtung 1,53 bis Ende 2012 fallen.
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