Freitag, 09. Dezember 2016


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Cannabis-Stoffe stoppen überaktive Blase

Urologen am Klinikum der LMU in München entwickeln neue Therapie

(lifePR) (München, ) Ständiger Harndrang kann die Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Jede Aktivität, ob beruflich oder in der Freizeit, wird von der Frage überlagert, wann der nächste Gang zur Toilette ansteht. In Deutschland leiden rund 11% der Männer und 13% der Frauen an einer überaktiven Blase. Mögliche Folgen können soziale Isolation und sogar Depressionen sein. Damit verbunden sind hohe Kosten für das Gesundheitswesen - bis zu knapp 4 Milliarden Euro jährlich allein in Deutschland.

Die "überaktive Blase" (engl. OAB, "OverActive Bladder") beschreibt eine funktionelle Störung der Harnblasenfunktion. Sie äußert sich in ständigem Harndrang und übermäßig häufigem Wasserlassen, zum Teil auch in Verbindung mit Phasen der Inkontinenz. "Behandelt wird die OAB meist mit Medikamenten, die die Muskulatur der Harnblase entspannen", sagt Dr. Christian Gratzke von der Urologischen Klinik der LMU in München. "Deren Wirksamkeit ist jedoch zeitlich begrenzt und die Medikamente haben zum Teil gravierende Nebenwirkungen, wie Mundtrockenheit oder Verwirrungszustände." Daher wird seit Jahren nach alternativen Substanzen in der medikamentösen Therapie der OAB gesucht.

Forscher der Urologischen Klinik der LMU München haben nun in Kooperation mit einer schwedisch-amerikanischen Arbeitsgruppe erstmalig einen neuartigen, synthetischen Cannabis-Stoff ("Canna-binor") bei der Behandlung der OAB im Tiermodell getestet. Die Idee dazu kam ihnen, als sie Patienten mit Multipler Sklerose (MS) untersucht haben, die mit Cannabis behandelt wurden. Cannabis lindert bei MS-Patienten bspw. Schmerzen und Spastiken. MS-Patienten zeigen zudem häufig Symptome, die einer OAB ähneln. Nach Gabe des Cannabis-Präparates gingen diese Beschwerden jedoch ebenfalls zurück.

Wirkung von Cannabinor

Der neue Wirkstoff Cannabinor bindet sich an Oberflächenstrukturen (Rezeptoren) von Nervenfasern in der Schleimhaut der Harnblase. "Diese Rezeptoren, die bei Ratte, Affe und Mensch gefunden wurden, vermitteln sowohl Informationen von der Harnblase zum Gehirn sowie vom Gehirn zur Harnblase", erklärt Dr. Gratzke. Durch die Gabe des Wirkstoffs im Tiermodell sank die Häufigkeit des Wasserlassens bei gleichzeitiger Erhöhung des Blasenvolumens.

Die vorgelegten, vielversprechenden Ergebnisse müssen nun an weiteren Tiermodellen überprüft werden, bevor sie beim Menschen langfristig zum Einsatz kommen. "Somit könnte die Verwendung von synthetischen Cannabis-Stoffen eine neuartige Therapieform in der Behandlung der überaktiven Blase beim Menschen darstellen", hofft der Urologe Dr. Gratzke.
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Klinikum der Universität München

Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2008 an den Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 45 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt 9.800 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patienten-versorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2008 etwa 64 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentli-chen Rechts.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.klinikum.uni-muenchen.de

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