Samstag, 10. Dezember 2016


HOLDER-Sonderschau beim Oldtimertreffen im Freilichtmuseum in Beuren

Interessanter Blick auf schwäbischen Erfindergeist und württembergische Industriegeschichte

(lifePR) (Beuren, ) Das schwäbische Traditionsunternehmen Holder, 1888 in Urach gegründete und seit 1902 in Metzingen ansässig, hat viele technische Pionierleistungen hervorgebracht und nimmt einen festen Platz in der Geschichte der Landtechnik ein. Beim großen Oldtimertreffen im Freilichtmuseum Beuren am 15. und 16. August kann man bei einer "HOLDER-Sonderschau" eine Parade betagter Einachs- und Vierradschlepper, die einst von dem Unternehmen im Ländle gebaut wurden, bewundern. Die Fahrzeuge repräsentieren schwäbischen Erfindergeist und ein interessantes Kapitel württembergischer Industriegeschichte.

"Pionier": kleiner Schlepper, großer Wurf

Weltweit bekannt wurde HOLDER zunächst im Bereich der Pflanzenschutztechnik mit der Entwicklung von Spritzen zur chemischen Bekämpfung von Schädlingen im Feld-, Obst- und Weinbau. Mit dem Holder Einachsschlepper "Pionier" kam 1930 ein zweites wirtschaftliches Standbein hinzu. Im Traktorenbau bislang ohne Erfahrung, landete das Unternehmen mit dem "Pionier" gleich einen großen Wurf. Mit dem "Pionier" sollten die Fortschritte in der Landtechnik, wie sie sich in der amerikanischen Landwirtschaft auf großer Fläche durch Motorisierung und Mechanisierung zeigten, auf die bäuerlichen Klein- und Kleinstbetriebe übertragen werden. Gerade Württemberg war ein Land der kleinen Parzellen, der Stückle, Gütle und "Handtuchäckerle". Wegen der Erbsitte der Realteilung, bei der alle Kinder gleiche Anteile am Landbesitz erbten, gab es viele kleine Betriebe mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von oft weit unter 5 ha, häufig im Nebenerwerb bewirtschaftet. Der Einachsschlepper war ein Alleskönner, der sich nicht nur fürs Pflügen, Hacken oder Mähen, sondern auch als Transportfahrzeug - durch Kombination mit einem einachsigen Anhänger mit Sitzbank - einsetzen ließ. Der 6-PS starke Geräteträger mit Zapfwelle und vielfältigen Anbaumöglichkeiten nach dem Baukastenprinzip war handlich, vielseitig und in Anschaffung und Verbrauch noch günstiger als die kleinen vierrädrigen Bauernschlepper, die sich ein Mini-Betrieb nicht leisten konnte.

Dem "Pionier" folgte 1938 der einachsige "NHT" (Neuer Holder Traktor). Nachdem 1942 der Bau von mit Flüssigkraftstoff betriebenen Fahrzeugen eingestellt werden musste, entwickelte Holder einen Holzvergaser für Kleinmotoren, der im Frühjahr 1943 in Serie ging und auch noch nach dem Krieg als Holder EHG, "Einachs-Holz-Gas"-Traktor, gute Dienste tat. Ende der 1940er Jahre wurde die E-Reihe (E für Einachschlepper) fortgesetzt. Die B-Reihe (B für Bauernschlepper) und die A-Reihe (A für Allrad-Knicklenker) bildeten später weitere Produktlinien.

Erfolgreich: HOLDER Einachs- und Vierradschlepper

Eine technische Meisterleistung gelang Holder 1950 mit der Entwicklung eines Zwei-Takt-Kleindieselmotors. Fichtel & Sachs in Schweinfurt fertigte den Holder-Motor in Lizenz auch für andere Hersteller und machte ihn unter der Bezeichnung "Sachs-Diesel" berühmt. 1949 wurde die Produktionskapazität bei Holder mit einem neuen Werk in Grunbach bei Waiblingen stark ausgeweitet; 1966 kam mit der Übernahme der Carl Platz GmbH in Frankenthal ein weiterer Standort hinzu.

Mit den 1950er Jahren begann die große Zeit der Einachsschlepper. "Holder" war so erfolgreich, dass sich in manchen Gegenden der Firmenname umgangssprachlich als Gattungsbegriff für alle Einachsschlepper einbürgerte. Nach vielen Modellvarianten und Überarbeitungen endete die Ära der echten Holder Einachsschlepper in den 1980er Jahren. Erfolgreichstes und am längsten gebautes Modell der E-Reihe war der E6 mit 5 bzw. 6 PS, von ihm wurden von 1959 bis 1974 fast 20.000 Stück verkauft.

Anfang der 1950er-Jahre stieg Holder mit dem 10-PS-Bauernschlepper B10 auch in den Markt der Vierradschlepper ein. Wendigkeit, geringer Bodendruck, tiefer Schwerpunkt, Vierradbremse und zwei Zapfwellen zeichneten den B10 aus. Der Nachfolger, der B12 mit 12 PS, war über zehn Jahre hinweg ein Erfolgsmodell. Die B-Reihe wurde 1985 eingestellt.

Raffiniert: HOLDER Allrad-Knicklenker

Ein weiteres, kurioses anmutendes Modell, das für die künftige Entwicklung der Firma bedeutsam werden sollte, sorgte 1954 für Furore: der A10, ein Allrad-Knicklenker für den Einsatz in Weinbergen und Obstplantagen. Mit nur 75 cm Außenbreite, vier gleich großen Rädern, Allradantrieb und Knicklenkung eröffnete er ein neues Kapitel in der Schleppertechnikgeschichte. Knicklenkung heißt, dass das Fahrzeug um den in der Fahrzeugmitte liegenden Knickpunkt mit hydraulischer Kraft geknickt werden kann, so dass der Wendekreis extrem klein wird. Der A10 gab den Holder-Fahrzeugen ein neues, prägendes "Gesicht": schon von ferne waren die dunkelgrün gehaltenen Zugmaschinen mit dem H für Holder im Kühlergrill, dem weit über die Vorderachse nach vorne gezogenem Motor, der schmalen und zugleich niedrigen Bauweise, den vier gleich großen Rädern und der Knicklenkerkonstruktion zu erkennen. Das traditionelle "Holdergrün" wurde mit dem Einstieg in das Kommunalfahrzeuggeschäft in den 1980er Jahren durch Orange ersetzt.

Mitte der 1980er erreichte die Firmenentwicklung ihren Höhepunkt: Holder beschäftigte damals mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Doch der Markt für Traktoren wurde immer schwieriger, viele deutsche Hersteller gaben auf. Bei Holder folgten Jahre mit finanziellen Schwierigkeiten und unternehmerischen Turbulenzen. 1986 wurden die Standorte Grunbach und Frankenthal aufgegeben, die Produktion auf Metzingen konzentriert. Nach zwei Verkäufen an ausländische Unternehmen 1992 und 2005 übernahmen 2008 drei Gesellschafter aus Baden-Württemberg das Unternehmen, das seit dem als "Max Holder GmbH" firmiert und sich nach dem Verkauf der Spritzensparte auf den Markt für multifunktionale Kommunalfahrzeuge sowie Wein- und Obstbautraktoren konzentriert.

Informationen zum Oldtimertreffen am 15. und 16. August im Freilichtmuseum Beuren:
www.oldtimertreffen.org
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