Dienstag, 06. Dezember 2016


Kuscheltiere, Märchen und Naschwerk / Die Weihnachtskonzerte der Dresdner Philharmonie

Festsaal des Kulturpalastes am Altmarkt

(lifePR) (Dresden, ) Weihnachtszeit ist Märchenzeit, wenn draußen der Schnee fällt und es drinnen im Warmen allerlei Leckereien vor der Bescherung gibt. Musikalische Märchen, Geschenke und Süßigkeiten gibt es im Weihnachtskonzert der Dresdner Philharmonie mit Werken von Debussy, Ravel, Mussorgski, Ljadow und natürlich Tschaikowski, dessen "Nussknacker" einfach dazugehört. Dirigent ist Roland Kluttig, Sängerin ist die Mezzosopranistin Ulrike Helzel

Die sechs pianistischen Kleinode der "Children's Corner" (Kinderecke) schrieb Claude Debussy 1906 für seine damals vierjährige Tochter. Es darf zwar bezweifelt werden, dass diese alle Anspielungen - die Ironie des "Doctor Gradus ad Parnassum" oder den witzelnden Umgang mit Richard Wagners Tristan-Akkord im grotesken "Golliwogg's Cakewalk" - verstanden hat. Aber die exotische Harmonik, die pentatonische Melodik und die mitreißenden Rhythmen der sechs Charakterstücke, vor allem des "Golliwogg's Cakewalk", des wohl spektakulärstes Stückes der Sammlung - eines der ersten Beispiele für den Einfluss des Jazz auf die europäische Kunstmusik - haben sie ganz sicher aufhorchen lassen. Die 1908 erstmals veröffentlichten Stücke wurden 1910 mit Einverständnis Debussys von dem französischen Komponisten und Dirigenten André Caplet, einem Schüler Debussys, orchestriert.

Drei Liederzyklen schrieb Modest Mussorgski, die ihn zum vielleicht größten Liederkomponisten Russlands machten, darunter auch die "Kinderstube", entstanden in den Jahren 1868 bis 1872. Die Texte hatte der Komponist selbst verfasst: In freien, prosanahen Versen fand er treffende, lautmalende Worte für kindliche Befindlichkeiten: etwa den Wunsch nach blutrünstigen Geschichten, die Angst vor der Amme oder einem schreckenerregenden Käfer, das selbstvergessene Spiel mit der Puppe, den lustvollen Ritt auf dem Steckenpferd oder die gelungene Rettung eines Finken vor dem Zugriff der bösen Katze. Bei der Vertonung ging Mussorgski von der kindlichen Wortbetonung aus. Die Stimmführung entwickelt sich aus dem Sprechtonfall und seiner Höhe. Die Form wird bestimmt von der sensibel nachempfundenen, kindlich sprunghaften Gemütsbewegung des Augenblicks - eine Herausforderung für die Solistin! Der russische Komponist Edison Denissow hat die Lieder im Jahre 1984 orchestriert.

Anatoli Ljadow gehörte zur jüngeren Generation der russischen Nationalkomponisten und wurde 1855 in St. Petersburg in eine Musikerfamilie hineingeboren. Er arbeitete als Dozent, Dirigent, Musikverlagslektor, Zeichner und ab 1906 bis zu seinem Tode 1914 als Kompositionsprofessor am St. Petersburger Konservatorium. Seine Tondichtung "Der verzauberte See", entstanden 1909, schildert einen geheimnisvollen, tiefdunklen See, in dem sich nächtliche Sterne spiegeln. Deutlich ist das Stück vom französischen Impressionismus beeinflusst: Die Harmonik ist verschleiert, es dominieren Klang und Farbe, es fehlen klar konturierte Themen oder Motive - ein Werk von irisierender Klangschönheit.

Maurice Ravel Schaffen prägt das für Frankreich typische Interesse an der Klangfarbe und ihrer formbildenden Funktion. Auch in "Ma mère l'oye" (Meine Mutter Gans) entpuppt er sich als Klangfarben-Magier in der orchestrierten Fassung. Ihm gelang damit ein wahres Meisterstück der Instrumentation: Gegenüber der Klavierfassung weitet sich der Klangraum auf fast schon geheimnisvolle Weise aus: durch rauschende Harfenkaskaden, zwitschernde Flötentöne, brummende Fagotte, melancholische Klarinetten oder sehnsuchtsvolle Streicherkantilenen. Dank exotisch-glitzernder Instrumentenmischungen erwächst aus den recht einfach gesetzten Klavierstücken eine plastische Klanglandschaft.

Die Tänze aus Peter Tschaikowskis Ballett "Der Nussknacker" gehören zum Populärsten, was die europäische Kunstmusik zu bieten hat. Als Vorlage diente Tschaikowski die Erzählung "Nussknacker und Mausekönig" von E.T. A. Hoffmann. Das Ballett erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das am Weihnachtsabend einen Nussknacker geschenkt bekommt. Nachts träumt es von einer Schlacht zwischen dem Spielzeugsoldaten-Heer des Nussknackers und der Armee des Mäusekönigs. Das Mädchen verhilft dem Nussknacker zum Sieg, der sich daraufhin in einen Prinzen verwandelt und das Mädchen in das verlockende, süße Zauberreich der Zuckerfee mitnimmt, die auf Schloss Zuckerburg residiert und dort zu Ehren ihrer Gäste ein großes Fest veranstaltet. Dort erklingen auch die "Danses caractéristiques", für die der geniale Komponist eine irreale, verzaubernde Klanglichkeit fand. Delikat, zart, zierlich, zuweilen fast schwebend kommen sie alle daher: Der quirlige Marsch genauso wie der geheimnisvolle Tanz der Zuckerfee, der fetzige russische Trepak, der exotisch angehauchte arabische und chinesische Tanz genauso wie der kecke Reigen der Rohrflöten.

Roland Kluttig, 1968 in Radeberg geboren, studierte 1986 bis 1991 an der Dresdner Musikhochschule. Es folgten Meisterkurse bei John Eliot Gardiner und Peter Eötvös. Er erhielt Stipendien der Herbert-von-Karajan-Stiftung und der Akademie Schloss Solitude Stuttgart und wurde gefördert vom Dirigentenforum des Deutschen Musikrats. 1992 bis 1999 bestimmte er als Musikalischer Leiter des Kammerensembles Neue Musik Berlin mit Konzertreihen im Konzerthaus Berlin nachhaltig die Entwicklung dieses Ensembles zu einem der führenden in Deutschland. 2000 bis 2004 war er an der Stuttgarter Staatsoper als Kapellmeister und Musikalischer Assistent von Lothar Zagrosek engagiert. Seit 2004 arbeitet er als Gastdirigent regelmäßig mit den deutschen Rundfunksinfonieorchestern in Berlin, Leipzig, Frankfurt, Stuttgart, Freiburg und München, dem Konzerthausorchester Berlin, dem Deutschen Sinfonieorchester, der Dresdner Philharmonie oder dem Klangforum Wien.

Die in Magdeburg geborene Mezzosopranistin Ulrike Helzel erhielt ihre Gesangsausbildung an der Leipziger Musikhochschule. Sie war u.a. Stipendiatin der Richard-Wagner-Stiftung. 1993 bis 1996 war sie am Opernhaus in Halle engagiert, seit 1996 ist sie Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin. Sie gastierte u.a. an den Opernhäusern von Basel, Dresden, Brüssel, München, Amsterdam, Genf, Graz und bei den Bayreuther Festspielen. Sie ist eine gefragte Konzertsängerin und arbeitet u.a. mit Dirigenten wie Christian Thielemann, Lothar Zagrosek oder Marek Janowski.

Programm:

Claude Debussy
Children's Corner, Orchestration von André Caplet
Modest Mussorgski
Kinderstube - Vokalzyklus für Singstimme und Orchester nach Worten von Modest Mussorgski
Orchestration von Edison Denissow
Anatoli Ljadow
Der verzauberte See op. 62
Maurice Ravel
Ma mère l'oye (Mutter Gans)
Peter Tschaikowski
Danses caractéristiques aus "Der Nussknacker"

Roland Kluttig | Dirigent
Ulrike Helzel | Mezzosopran

3. Außerordentliches Konzert der Dresdner Philharmonie - Weihnachtskonzert

Fr 25.12.2009, 19.30 Uhr
Sa 26.12.2009, 11.00 Uhr + 19.30 Uhr
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