Donnerstag, 08. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 342614

Wirtschaften mit dem Tod sollte ein Tabu bleiben

„Mathematisierung“ von Verstorbenen führt zu noch mehr Verzerrungen im Wettbewerb

(lifePR) (Melsungen, ) Die BKK Wirtschaft & Finanzen kritisiert die vom Bundesversicherungsamt (BVA) vorgeschlagene Änderung am derzeitigen Finanzausgleich (Morbi-RSA) zwischen den gesetzlichen Krankenkassen. Das BVA plant, die Versicherungszeit von Verstorbenen im Todesjahr mit Hilfe eines mathematisch errechneter Werte stärker in den Zuweisungen des Gesundheitsfonds an die Krankenkassen zu berücksichtigen. Die Idee dahinter: Außerordentlich hohe Behandlungskosten, welche typisch in den Wochen vor dem Tod entstehen, sollten mit einem besonderen Risikozuschlag aus den Mitteln des milliardenschweren Gesundheitsfonds an die Krankenkasse des Verstorbenen entschädigt werden.

Björn Hansen, Vorstand der BKK Wirtschaft & Finanzen und Sprecher der BKK Mittelstandsoffensive (BMO) erläutert: "Durch diese Mathematisierung entstehen Ausgleichswerte, die manche Kasse doppelt zur Kasse bittet". Er rechnet vor: "Kassen mit vielen älteren Versicherten erhalten schon heute deutlich höhere Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds als für junge und vitale Mitglieder". Höhere Kosten für teure Behandlungen vor dem Lebensende sind also bereits in den bestehenden Zuweisungen berücksichtigt. "Wirtschaften mit dem Tod sollte daher auch künftig ein Tabu bleiben", so Hansen.

Dieses Vorgehen bricht zudem mit der im Koalitionsvertrag für diese Legislaturperiode geplanten Vereinfachung und Entbürokratisierung des Finanzausgleiches. Hinzu kommt, dass durch die Umsetzung einer einzelnen - und derart umstrittenen- Maßnahme mit einer Umverteilungswirkung von bis zu 400 Millionen Euro weitere seit langem bekannte Fehler im Morbi-RSA einfach ignoriert würden. So bestehen beispielsweise im Hinblick auf die Deckungsquote der Zuweisungen für Krankengeld bereits heute deutliche Nachteile für viele mittelständische Krankenkassen mit überdurchschnittlichen Krankengeldausgaben pro Kopf. Denn das bisherige BVA-Modell führt hier noch immer dazu, dass Finanzmittel des Gesundheitsfonds in vielen Fällen nicht ausgabendeckend auf die Krankenkassen verteilt werden. Grund hierfür ist die Tatsache, dass die Höhe der tatsächlichen Krankengeld-Ausgaben zu Gunsten einfacher Mittelwerte unberücksichtigt bleibt.

An einer grundlegenden Reformierung des Morbi-RSA führt nach Meinung von Hansen daher kein Weg vorbei: "Die Umsetzung eines einzelnen Punktes führt nur zu noch mehr Verzerrungen im Wettbewerb". Kurzfristiges Besserungspotential sieht die BMO allenfalls in der Einführung eines bundesweiten "Hochrisikopools". Hierdurch könnte man Überforderungen einzelner Kassen schicksalhafter - Schwer- und Schwersterkrankungen effektiv und nachvollziehbar entgegen wirken.
Diese Pressemitteilung posten:

BKK Wirtschaft & Finanzen

Die BKK Wirtschaft & Finanzen hat Ihren Sitz in Melsungen und wurde 1999 zunächst als betriebsbezogene Krankenkasse eines renommierten Wirtschaftsprüfungsunternehmens gegründet. Seit 2007 ist sie eine für Jedermann wählbare gesetzliche Krankenkasse. Informationen zur BKK-Mittelstandsoffensive gibt es unter www.bkk-mittelstandsoffensive.de.

Weitere Pressemitteilungen dieses Herausgebers

Disclaimer