Donnerstag, 08. Dezember 2016


Bahn: Bedienzuschlag gekippt – Preiserhöhung aber bleibt

(lifePR) (Bad Windsheim, ) Dem Verbraucher ist es eigentlich egal, wer sich die Feder an den Hut stecken kann: Die Bahn AG kippte nach einem Proteststurm den geplanten Bedienzuschlag am Schalter. Wie in Berlin zu hören war, intervenierte sogar Bundeskanzlerin Merkel bei Bahnvorstand Mehdorn gegen die neue Abzocke. Bundesverkehrsminister Tiefensee verkündete seinerseits, er habe in vielen Gesprächen den Rückzieher der Bahn bewirkt. In der allgemeinen Erleichterung über das Einlenken der Bahn ging in der öffentlichen Wahrnehmung zuletzt völlig unter, dass ab dem 14. Dezember die Tarife für Einzelfahrscheine und Zeitkarten in der 2. Klasse um durchschnittlich 3,9 Prozent und der Preis für die BahnCard um 3,6 Prozent steigen werden. Schon im Dezember 2007 hatte die Bahn mit Preiserhöhungen kräftig zugelangt. Sie hob die Tarife für Einzelfahrscheine und Zeitkarten in der 2. Klasse um durchschnittlich 2,9 Prozent an, in der der 1. Klasse verlangte sie sogar rund 4,9 Prozent mehr. Die Preise für die BahnCard stiegen im Durchschnitt um 3,8 Prozent, und die Sitzplatz- Reservierungskosten im Fernverkehr kletterten im Internet um 50 Cent auf zwei Euro sowie am DB-Automaten auf vier Euro im "personenbedienten Verkauf". Dies war bereits die zweite Preiserhöhung im vergangenen Jahr. Bei jeder neuen Bahnpreiserhöhung hagelt es aufgeregte Proteste aus der Politik, und es fließen viele Krokodilstränen auch bei jenen Mandatsträgern, die für einen Börsengang des Konzerns eintreten. Die Bahn AG versucht unverkennbar, das Unternehmen mit Hilfe von Tariferhöhungen als "Braut" für den Kapitalmarkt schön zu schminken. Nach Ansicht von Horst Friedrich, verkehrspolitischer Sprecher der FDPBundestagsfraktion, sei dieses Unterfangen schwer genug, obwohl die Deutsche Bahn seit 2004 die Preise schon um 22,9 Prozent erhöht habe. Die Bahnaktie sei nur für einen Schleuderpreis verkäuflich. Statt der acht Milliarden Euro, von denen die Regierung träume, würden nur vier Milliarden Kapitalzufuhr aus den Finanzmärkten hereinkommen. Wetten, dass die Preistreiberei nach einer Bahnprivatisierung erst richtig in Fahrt kommt? Davor warnt jedenfalls der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD). Um gerecht zu sein, muss gesagt werden, dass auch ein Wettbewerber wie die Deutsche Lufthansa ihre Ticketpreise zum 19. September im Schnitt um 4,8 Prozent anhebt. Damit erhöht die Airline bereits zum dritten Mal innerhalb von drei Monaten die Kosten für Flugreisen unter Hinweis auf gestiegene Treibstoffpreise. Allerdings fielen die Kerosinpreise in den letzten Wochen wieder deutlich. Von lauten Protesten gegen diese unverblümte Preistreiberei ist bislang aus der politischen Beletage allerdings nichts zu hören, kritisiert der ARCD. Im Gegensatz zur Bahn handelt es sich bei der Lufthansa aber auch um ein bereits privates Bundesunternehmen.
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