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Gar kein Bach?
SA 27.02.10 | 15.30 Uhr | Konzerthaus Berlin, Großer Saal
(lifePR)
Berlin,
,
Orgel und Improvisation gehören zusammen - nicht zuletzt durch die Anforderungen des kirchenmusikalischen Dienstes, die vom Organisten immer wieder spontanes Reagieren auf liturgische Abläufe verlangen. Für die Orgelstunde am Samstagnachmittag wurden drei Solisten mit einer jeweils ganz eigentümlichen »Handschrift« eingeladen: Martin Stephan, Kirchenmusiker in Westerland (Sylt), wird aus der spätromantischen Tradition heraus musizieren, der Leipziger Universitätsmusikdirektor David Timm schlägt eine Brücke zwischen Bach und Jazz-Klängen, und Ansgar Wallenhorst, Kirchenmusiker in Ratingen, wird von der Faszinationskraft französischer Orgelmusik in der Tradition seines Lehrers Thierry Escaich künden.
Die drei Organisten interpretieren zunächst jeweils ein notiertes Werk der Orgelliteratur, um dann mit ihrer Improvisation anzuschließen. Wobei die Werke von Reger, Bach und Escaich nicht als Vorlagen oder Vorbilder zu verstehen sind, sondern eher als Impulsgeber für die anschließenden, persönlich gefärbten Einfälle. Martin Stephan beginnt mit Regers Introduktion und Passacaglia f-Moll op. 63 Nr. 5 und 6. Das Werk entstammt der 1901/02 komponierten Sammlung »Monologe« aus den fruchtbarsten Jahren im Orgelschaffen Regers.
Nach Martin Stephans Improvisation schließt David Timm mit dem zweifellos bekanntesten und berühmtesten Orgelwerk Bachs überhaupt an: Toccata und Fuge d-Moll BWV 565. In vieler Beziehung findet dieses Meisterwerk im reichen und sicher nicht unspektakulären »Output« des Thomaskantors keine Parallelen, beispielsweise in der Formgestaltung, im Aufbau der Fuge und den Tempobezeichnungen in der Hauptquelle. Das führte die Musikforschung dazu, seine Echtheit anzuzweifeln. Der größte Bach: gar kein Bach? Der freche Mutwille des überrumpelnden Beginns, die Kühnheit der Harmoniebildung, die orgiastische Wirkung - all das darf hingebungsvollen Orgelfans wie auch sporadischen Populärhörern als hinreichender Grund gelten, in diesem Fall »die Kirche im Dorf zu lassen«, um sich an einem Jahrhundertwerk zu erfreuen.
Ansgar Wallenhorst, der nach seinem Orgel-A-Diplom weiterführende Improvisations- und Orgelstudien bei Olivier Latry, Jean Guillou und Thierry Escaich betrieb, interpretiert schließlich von Letztgenanntem das Récit, ein rund vierminütiges Stück, das 1995 im Album »Livre d'Orgue« veröffentlicht wurde. Escaich schrieb es anlässlich der Weihe einer neuen Orgel für die Pariser Kirche Saint-Ferdinand-des-Ternes. Recit kombiniert verschiedene kontrastierende Strukturelemente - melodische Linien, Ostinati, Akkordwerk, aber auch Cluster - zu einem spannungsvollen Ablauf von Steigerung, Auf- und Abbau und ist damit gleichzeitig eine Fundgrube für avanciertes und ideenreiches Improvisieren.
Orgelstunde
Martin Stephan Orgel
David Timm Orgel
Ansgar Wallenhorst Orgel
Improvisationskonzert: Werke von Johann Sebastian Bach, Max Reger, Thierry Escaich und Improvisationen
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