Samstag, 10. Dezember 2016


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Deutsche Autofahrer akzeptieren zum Klimaschutz Preisaufschläge für CO2-arme Fahrzeuge

(lifePR) (Mannheim, ) Die Autofahrer in Deutschland sind bereit, für CO2-ärmere Autos tiefer in die Tasche zu greifen. Im Schnitt akzeptieren sie einen Preisaufschlag von 68 Euro für einen Pkw, der pro Kilometer ein Gramm CO2 weniger ausstößt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, in der die Zahlungsbereitschaft für CO2-arme Autos untersucht wurde. Der Automobilindustrie, die aufgrund neuer EU-Regelungen gezwungen ist, in die Entwicklung CO2-ärmerer Autos zu investieren, signalisieren die Ergebnisse der Studie, dass deutsche Autokäufer durchaus bereit sind, beim Neuwagenkauf für mehr Klimaschutz einen Preisaufschlag hinzunehmen.

Die Europäische Kommission hat verbindlich festgelegt, dass ab dem Jahr 2015 für alle in der EU neu zugelassenen Pkws ein durchschnittlicher Emissionsgrenzwert von 120 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer eingehalten werden muss. Derzeit stoßen in der EU zugelassene Neuwagen im Schnitt noch gut 153 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Die Autohersteller müssen somit den CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeuge in den nächsten Jahren im Schnitt um 33 Gramm pro Kilometer vermindern. Dies er- Pressemitteilung fordert erhebliche Investitionen. Herstellern, die die Grenzwerte der EU nicht einhalten, drohen Bußgelder.

Die Entwicklung CO2-armer Autos kostet die Automobilunternehmen viel Geld. Höhere Kosten in der Herstellung werden sich vermutlich auch in höheren Kaufpreisen für Neuwagen niederschlagen. Die zentrale Frage ist, wie hoch der Preisaufschlag ausfallen darf, ohne die Verbraucher vom Kauf CO2-armer Autos abzuschrecken. Das ZEW hat nun die Zahlungsbereitschaft für CO2-arme Autos mit Hilfe eines computergestützten Pkw- Kaufexperiments analysiert. Rund 600 Männer und Frauen aller Altersstufen, Einkommens- und Bildungsklassen, die in absehbarer Zeit ein neues Auto kaufen möchten und einen Führerschein besitzen, konnten in dem Experiment unter verschiedenen Pkws wählen. Diese unterschieden sich unter anderem hinsichtlich des Kaufpreises, der Treibstoffkosten pro 100 Kilometer, der Motorleistung und der CO2-Emissionen. Welchen Preisaufschlag die Konsumenten für die Einsparung eines zusätzlichen Gramms CO2 pro gefahrenem Kilometer zu zahlen bereit sind, konnte anhand der Wahlentscheidungen zwischen immer wieder neu zusammengestellten Fahrzeugalternativen ermittelt werden.

Es zeigte sich, dass die Testpersonen für einen Pkw, der pro Kilometer ein Gramm CO2 einspart, einen Preisaufschlag von durchschnittlich 68 Euro akzeptieren. Bei 33 Gramm CO2, die im Schnitt pro gefahrenem Kilometer bei Neuwagen eingespart werden müssten, um bis 2015 die dann geltenden EUGrenzwerte zu erreichen, bedeutet das, dass die deutschen Autokäufer bereit wären, insgesamt rund 2.200 Euro zusätzlich für den Neukauf eines CO2-armen Pkw auszugeben.

Abhängig von Geschlecht, Alter und Bildungshintergrund ist die Zahlungsbereitschaft zum Teil sehr unterschiedlich. So achten Frauen stärker auf die Klimafreundlichkeit eines Pkws und sind entsprechend geneigt, für eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um ein Gramm CO2 pro Kilometer im Schnitt 87 Euro zusätzlich zu bezahlen. Das sind 27 Euro mehr als die in der Studie befragten Männer auszugeben bereit sind. Noch deutlichere Unterschiede zeigen sich zwischen jüngeren und ältern Konsumenten. Testpersonen unter 45 Jahren akzeptieren einen Preisaufschlag von durchschnittlich 91 Euro. Die über 45jährigen dagegen waren nur bereit, 36 Euro für die Vermeidung von einem Gramm CO2 auf den Kilometer zu bezahlen. Darüber hinaus zeigten Testpersonen mit Abitur eine um 21 Euro höhere Zahlungsbereitschaft als solche ohne Abitur.

"Die Zahlungsbereitschaft für CO2-arme Autos dürfte in der Realität sogar höher ausfallen als die im Experiment geschätzten rund 2.200 Euro", erklärt Martin Achtnicht, für die Studie verantwortlicher Wissenschaftler am ZEW. "Dies liegt daran, dass im Experiment ein geringer CO2-Ausstoß nicht automatisch an niedrige Treibstoffkosten gekoppelt war. Da aber benzin- und dieselbetriebene Pkws den Markt dominieren und für fossile Treibstoffe eine CO2-Reduktion stets mit geringerem Spritverbrauch einher geht, können die Verbraucher bei CO2-armen Fahrzeugen auch mit geringeren Treibstoffkosten rechnen. Höchstwahrscheinlich werden die Autokäufer, wenn es dann soweit ist, dieses Einsparpotenzial mit in ihre Preiskalkulation für einen emissionsarmen Pkw einbeziehen", sagt Achtnicht.

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW)

Das ZEW arbeitet auf dem Gebiet der anwendungsbezogenen empirischen Wirtschaftsforschung. Dabei hat es sich insbesondere durch die Bearbeitung international vergleichender Fragestellungen im europäischen Kontext sowie den Aufbau wissenschaftlich bedeutender Datenbanken (z. B. Mannheimer Innovationspanel, ZEW Gründungspanel) national und international profiliert. Die zentralen Aufgaben des ZEW sind die wirtschaftswissenschaftliche Forschung, die wirtschaftspolitische Beratung und der Wissenstransfer. Das ZEW wurde 1991 gegründet. Heute arbeiten am ZEW 167 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen rund zwei Drittel wissenschaftlich tätig sind.

Die ZEW-Forschungsfelder

Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement Arbeitsmärkte, Personalmanagement und Soziale Sicherung Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft Umwelt- und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement Informations- und Kommunikationstechnologien Wachstums- und Konjunkturanalysen.

Mehr Informationen über das ZEW finden Sie im Internet unter www.zew.de

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