Dienstag, 06. Dezember 2016


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Herausforderungen für ein Family

Office im Rahmen der Abgeltungsteuer*

(lifePR) (Grasbrunn/München, ) Die Abgeltungsteuer und Ihre Auswirkungen für Privatanleger wurden in zahlreichen Seminaren, Presseartikeln und sonstigen Veröffentlichungen bereits ausgiebig diskutiert. Doch ein so bedeutsames steuerliches Thema wie die Abgeltungsteuer bringt für ein Family Office eine Fülle von komplexen Sachverhalten und Aufgabenstellungen mit sich, die es im Sinne Ihrer Kunden bestmöglich zu lösen gilt.

Es lassen sich derzeit viele Weichen stellen, man kann viele Dinge richtig oder falsch machen, doch eines ist klar: Kein Family Office sollte das Thema Abgeltungsteuer unterschätzen. Im Zweifelsfall wird der Vermögensinhaber den Erfolg seines Family Office gerade an der Lösung dieser Aufgabenstellung messen: "Wie ist mein Vermögen nach der Einführung der Abgeltungssteuer strukturiert und welche Rolle hat dabei mein Family Office gespielt".

Diese Herausforderung zu meistern, ist für ein Family Office nicht leicht. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es - wie fast immer bei der Einführung neuer Steuergesetze - noch gewisse Unsicherheiten dahingehend gibt, inwieweit die tatsächlichen Einflüsse auf die tägliche Arbeit eines Family Office bei der Verwaltung komplexer Privatvermögen zu bewerten sind.

Ausgangssituation für ein Family Office

Worin unterscheidet sich die Aufgabenstellung in puncto Abgeltungsteuer bei einem großen und komplexen Privatvermögen von der eines klassischen Privatvermögens? Im Family Office-Bereich werden i.d.R. mehrere Depots geführt, die zum Teil von verschiedenen Verwaltern gemanagt werden. Häufig sind diese Depots auch auf mehrere Banken verteilt. Zudem wird das Vermögen bisweilen nicht ausschließlich direkt, sondern über verschiedene gesellschaftsrechtliche Strukturen gehalten, bei welchen vielfach auch andere Familienmitglieder involviert sind. Eine weitere Komplexität könnte durch illiquide Vermögensgegenstände wie z.B. Immobilien erzeugt werden.

Welche Änderungen bringt die Abgeltungsteuer für ein Family Office?

Im Zuge der Abgeltungsteuer ist es für ein Family Office wichtig, ein regelmäßiges Controlling der abgeführten Steuern durchzuführen. Dazu benötigt ein Family Office zusätzliche Systeme oder Verfahren. Es sollte sichergestellt werden, dass z.B. bei Verkaufstransaktionen die richtigen Einstandskurse zugrunde gelegt werden, damit die korrekte Steuerbemessungsgrundlage ermittelt werden kann. Zusätzlich muss auch eine korrekte Besteuerung laufender Erträge, wie beispielsweise von Dividenden, kontrolliert werden können.

Das Family Office sollte in der Lage sein, laufend die Verrechnungstöpfe der Banken abfragen und kontrollieren zu können. Diese Maßnahmen dienen dazu, einerseits eine optimale Steuerung des Vermögens zu gewährleisten und andererseits dem Vermögensinhaber einen Überblick über den jeweils aktuellen Stand seines Vermögens geben zu können. Hier ist insbesondere wichtig, dass vom Family Office eine Analyse der einzelnen Abgeltungsteuertöpfe durchgeführt wird.

Im ersten Verrechnungstopf dürfen nur Aktienkursverluste mit reinen Aktienkursgewinnen verrechnet werden. Im zweiten Verrechnungstopf werden alle übrigen steuerpflichtigen Erträge mit Verlusten der übrigen Investitionen verrechnet. Der Gesetzgeber lässt nur diese Verrechnungen innerhalb dieser Asset-Klassen zu. Auch für ausländische anrechenbare Steuern, wie z.B. Quellen steuern, ist ein eigener Verrechnungstopf sinnvoll. Gerade für Vermögensinhaber, die über mehrere Depots verfügen, ist es von großer Bedeutung, stets den aktuellen Stand der Verrechnungstöpfe zu erhalten, da so depotübergreifend steueroptimiert verfahren werden kann.

Abstimmung entscheidend

Die individuelle Abstimmung mit den bereits bestehenden Verlustvorträgen ist eine weitere wichtige Komponente. Steuerliche Altverluste können i.S.d. § 23 EStG bis 2013 mit neuen Veräußerungsgewinnen aus Kapitalanlagen verrechnet wer- den, nicht jedoch mit Zinsen oder Dividenden. (siehe Grafik "Steuerliche Verrechnungsmöglichkeit").

Eine weitere wichtige Änderung im Hinblick auf die Abgeltungsteuer sind die steuerlichen Übergangsregelungen, die beachtet werden müssen. Grundsätzlich ist der Zeitpunkt des Erwerbs des Wertpapiers maßgeblich für den Veräußerungstatbestand. Somit ist eine steuerfreie Veräußerung auch nach dem 31.12.2008 möglich, sofern das veräußerte Wertpapier noch vor dem 31.12.2008 erworben wurde und die Haltedauer mehr als 12 Monate beträgt. Ausnahmefälle bilden hier Zertifikate und Finanzinnovationen, für die spezielle steuerliche Regeln gelten.

Eine besondere Berücksichtigung muss die Abstimmung der zukünftigen Kostenstruktur zwischen dem Vermögensinhaber und dem Family Office finden. Aufgrund des pauschalen Abgeltungsteuersatzes ist es zukünftig nicht mehr möglich, klassische Werbungskosten wie Vermögensverwaltungshonorare oder Depotpreise steuerlich geltend zu machen. Ab 2009 können nur noch bestimmte Kosten steuerlich geltend gemacht werden, wie z. B. Transaktionskosten. In diesem Zusammenhang sollten 'All-in-Fee'-Modelle neu überprüft werden. All diese Änderungen zeigen, wie wichtig es ist, dass eine enge Abstimmung zwischen Family Office und Vermögensinhaber erfolgt.

Konsequenzen für ein Family Office

Die Auswirkungen der Abgeltungsteuer auf ein Family Office beginnen bei der einfachen Buchung und dem Abwicklungsprozess und enden mit dem auf den Vermögensinhaber abgestimmten, korrekten und zeitnahen Reporting, in dem auch steuerliche Komponenten berücksichtigt werden müssen.

Auch eine Beurteilung hinsichtlich der einzelnen Instrumentengattungen sollte durch ein Family Office vorgenommen werden. Hier kann die Analyse auf die klassischen Aktieninvestments stoßen, die durch den Wegfall des Halbeinkünfteverfahrens und der einjährigen Spekulationsfrist an Attraktivität verlieren. Anleger, die hingegen in Anleihen investieren, werden besser als in der Vergangenheit gestellt, da die Bemessungsgrundlage weitgehend gleich bleibt. Auch die oben aufgeführte Thematik zum Verlustvortrag kann für ein Family Office von Bedeutung sein. Grundsätzlich kann für ein Family Office die Investition in Zero Bonds oder das Umschichten von kurz in lang laufende Anleihen eine Möglichkeit der Depotstrukturierung sein, um einen vorhanden Verlustvortrag steuerlich zu nutzen.

Generell wichtig ist allerdings, bei allen Depotneustrukturierungen abzuwägen, ob die steuerlich motivierte Umschichtung auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Ausschließlich nach einer Abgeltungsteuer optimierten Strategie vorzugehen ist aus Sicht eines Family Office nicht sinnvoll, da auch andere Faktoren, wie z.B. die damit verbundenen Kosten bei der Anlageentscheidung zu berücksichtigen sind.

Was bleibt zu tun?

Für ein Family Office gibt es vor dem Start der Abgeltungsteu-er noch diverse Punkte umzusetzen. So können neue Depots eröffnet werden um sicherzustellen, dass es zu keinerlei Vermischungen zwischen Altbeständen und neu gekauften Wertpapieren kommt. Dies ist von großer Bedeutung, da auch im Zeitalter der Abgeltungsteuer die FiFo-Methode Gültigkeit hat. Auch die Darstellung der Depots nach Altbeständen und Neu-beständen in der Übergangszeit - sowohl außerhalb als auch innerhalb der Spekulationsfrist - ist eine Herausforderung an ein Family Office. Es muss eine konsolidierte Darstellung aller Bestände möglich sein.

Auch die Konfession der Vermögensinhaber kann abschließend genannt werden, da durch die Mitteilung der Konfession an die Depotbank auch die Kirchensteuer direkt abgeführt werden kann und somit eine spätere Veranlagung entfällt. Zudem sollte ein Family Office unterscheiden, welche Depotbanken Abgeltungsteuer abführen und welche nicht. Schweizer Depotbanken beispielweise führen grundsätzlich keine Abgeltungsteuer ab, da sie nicht dazu verpflichtet sind.

Was bringt die Zukunft?

Offen bleibt die Frage, wie lange es die Abgeltungsteuer - zumindest in dieser Form - geben wird. Eine Veränderung in der steuerlichen Behandlung spezieller Vehikel, wie es beispielweise den Luxemburger Spezialinvestmentfonds oder Zertifikaten widerfahren ist, ist nicht auszuschließen. Auch die Lebensdauer des Halbeinkünfteverfahrens von sieben Jahren zeigt, dass die Abgeltungsteuer nicht zwangsläufig für die Ewigkeit gemacht ist.

* Autoren:

Alexander Ruis
Mitglied des Vorstandes, Wilhelm von Finck AG

Christian Horn
Leiter Reporting Risikocontrolling, Wilhelm von Finck AG

DEUTSCHE OPPENHEIM Family Office AG

Die Wilhelm von Finck AG gehört heute zu den führenden Anbietern für Vermögensverwaltungs- und Family Office-Dienstleistungen im deutschsprachigen Raum. 1988 als Vermögensverwaltung der Unternehmerfamilie Wilhelm von Finck gegründet, öffnete sich die Gesellschaft 1999 auch für externe Mandate. Seit 2005 im Besitz der Deutsche Bank Private Wealth Management, agiert die Gesellschaft mit derzeit 30 Mitarbeitern weiterhin eigenständig und setzt bei der Betreuung komplexer Privat- und Stiftungsvermögen beständig neue Maßstäbe. Diskretion und vertrauensvolle Zusammenarbeit prägen die Arbeitsweise ebenso wie der auf Erhalt und Wertsteigerung ausgerichtete disziplinierte Investmentansatz des Hauses. Das renommierte Fachmagazin "Elite Report" zeichnete die Wilhelm von Finck AG im Jahr 2008 mit der Höchstnote "summa cum laude" aus und wählte sie zum "Newcomer des Jahres".

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