Samstag, 03. Dezember 2016


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Denkmalschutz - der Zwiespalt zwischen Erhalt und Modernisierung

2. Fenstertagung der Architekten- und Ingenieurkammer Thüringen in Weimar

(lifePR) (Langenwetzendorf, ) Am 17. September 2008 fand in Weimar die 2. Fenstertagung der Architekten- und der Ingenieurkammer Thüringen statt. Wieder trat der Langenwetzendorfer Fensterproduzent WERTBAU als Sponsor und Mitveranstalter auf. Die Veranstaltung war dem Thema Denkmalschutz gewidmet. Speziell die Problematik, den Erhalt des Bestands zu pflegen und gleichzeitig die modernen bauphysikalischen Anforderungen und aktuelle Gesetzgebung zu erfüllen, wurde auf den Punkt gebracht.

Der Präsident der Architektenkammer Thüringen, Herr Dipl.-Ing. Hartmut Strube, übernahm die Begrüßung. Das vorgebrachte Zitat eines städtischen Denkmalpflegers: "Wenn Sie in einem Denkmal wohnen, dann macht es auch nichts, wenn Sie im Wohnzimmer mal einen Pullover anziehen müssen.", ließ die Gäste schmunzeln, machte darüber hinaus deutlich, welche Verantwortung heute bei Architekten und Planern liegt. Im Streitfall haftet der Architekt, wenn er nicht alle Rahmenbedingungen vollständig geprüft hat.

Den Anfang der Vortragsreihe machte der Bauchsachverständige Dipl.-Bauingenieur Frank Krah. Er legte dar, welche Faktoren zum Tragen kommen, wenn sich ein Planer für Sanierung, Instandhaltung, Wiederherstellung oder Modernisierung der Fenster im Denkmal entscheiden muss. Mit einem Beispiel aus der Gutachtertätigkeit stellte er vor, wie unterschiedlich die Substanz eines Fensterbestandes an einem Gebäude aussehen kann. Das Gründerzeithaus wies marode, aber auch erhaltungswürdige Fenster auf. Die Entscheidung für Modernisierung, statt Sanierung, wird oft aus rein wirtschaftlichen gründen getroffen. Der Erhalt des Bestandes ist kostenintensiver als der individuelle Nachbau des Originals. Die preiswerteste Variante ist jedoch die Modernisierung, der Einbau neuer Fenster. Dass "Gestaltungssünden" dabei vermieden werden können, zeigte er anhand eines von WERTBAU produzierten Holzfensters der Denkmalserie Historic.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde das Thema von einer anderen Seite beleuchtet. Marion Schöbel, Geschäftsführerin des Denkmalhofs Gernewitz, vertrat den Denkmalverbund Thüringen e. V.. Dieser hat den Zweck, die Erhaltung und Wiederherstellung von Denkmälern zu fördern. Eine Aktivität des 2002 gegründeten Verbundes ist die umfassende Qualitätszertifizierung von Betrieben. Dem privaten Bauherren, wie auch Planern und Architekten, soll die Unterscheidung des qualifizierten Denkmalbetriebs von den zahlreichen "Schubkarrenfirmen" erleichtert werden. Das Qualitätssiegel gilt für 4 Jahre, die Einhaltung der Anforderungen wird regelmäßig geprüft.

Als einer der ersten Betriebe hat sich WERTBAU im Jahr 2007 diesem Verfahren unterworfen und das Qualitätssiegel des geprüften und empfohlenen Fachbetriebes des Denkmalverbundes Thüringen e. V. erhalten.

Einen satirisch-humoristischen Beitrag leistete Dr. Lutz Krause, freier Architekt, zum Thema. Sein Vortrag: "Die Augen des Hauses mit den kritischen Augen des Planers" betrachtet, regte zum kritischen Nachdenken an. Mit einem Seitenhieb in Richtung der selbst ernannten "Denkmalwächter" verwies er darauf, dass auch das Fenster zum Spielball der Bürokratisierung geworden ist. Wenn Genehmigungsverfahren ins Zentrum rücken, die Gewährleistung den Planer in seinen Spielräumen einengt, Vergabepolitik den Markt bestimmt, wo bleibt dann das sensible und flexible Eingehen auf die Anforderungen und den Charakter des Gebäudes? Wenn sich darüber hinaus Qualität der Industrie an serieller Fertigung und termingerechter Lieferung bemisst, wie soll dann der Auftraggeber verstehen, was notwendig ist und welche Konsequenzen sein Handeln hat? Dr. Krause appellierte an den gesunden Menschenverstand, gegen Regelungsperfektionismus, Vorschriftenchaos und Qualitätssiegelfanatismus. Fenster sind, aus seiner Sicht, zweifelsfrei die Schwachstelle des Hauses. So alt wie ein Haus wird keines seiner Fenster. Wie sah das Original denn wirklich aus? Diese Frage ist oft nicht eindeutig zu beantworten. Und so hält eine "Retroindustrie" Einzug, die den Austausch in zeitgemäßer Form mit modernen Anforderungen pflegt. Dabei hat die Funktionalität eindeutig Vorrang. Abschließend stellte er eine Frage in den Raum, die die Widersprüchlichkeit aktuellen Handelns deutlich hervorhob. Sinngemäß: Wenn alles Neue so viel besser und sparsamer ist, warum dann alles regeln wollen? Dann wird doch jeder von selbst (klug) handeln?

Rainer Taig, WERTBAU-Geschäftsführer, nahm diese Gedanken auf und fragte, wie es denn nun weiter gehen soll. Muss ein Produzent wieder einfacher werden? Ist die enorme Vielfalt an Fenstern sinnvoll? Wie muss ein Fenster zukünftig aussehen?

Tatsache ist, das hob er hervor, gesetzliche Zwänge bleiben bestehen, werden in den nächsten Jahren noch verschärft. Die CE-Kennzeichnung, die bei WERTBAU bereits annähernd abgeschlossen ist, stellt dabei nur eine Vorgabe dar. Die EnEV wird in den nächsten Jahren weitere Verschärfung mit sich bringen. Die Anforderungen werden insgesamt nicht weniger, sondern mehr. Darauf muss ein Hersteller reagieren, so das kurze Fazit des Herrn Taig.

WERTBAU hat reagiert und befindet sich in der "heißen Phase" der Entwicklung eines Holzfensters, das leichter zu handhaben ist und dennoch den gesetzlichen Anforderungen der nächsten 5 Jahre entspricht.

Die abschließende Diskussion brachte bei aller Zwiespältigkeit die Einigkeit, dass ein Erhalt des Bestandes wünschenswert, der Einsatz moderner Materialien allerdings durchaus gut ist. Wie so oft ist entscheidend und wichtig, so der allgemeine Tenor, dass die verantwortungsvolle und weitsichtige Beratung der Bauherren Instrument des Denkmalschutzes ist und jede Entscheidung in diesem Sinne gesteuert werden muss.

Im Schlusswort stellte Hartmut Strube die 3. Fenstertagung, im Jahr 2009, in Aussicht, die sicher wieder mit aktuellen Themen aufwarten wird.

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