Freitag, 02. Dezember 2016


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Verbraucherzentrale Berlin blickt auf das Jahr 2014 zurück

Mehr als 22.000 persönliche Beratungen und über hundert Vorträge im ver­gangenen Jahr zu Fragen des Verbraucherschutzes

(lifePR) (Berlin, ) Gerichtlich zugestandene Rückerstattungsansprüche, z.B. bei Kreditbearbeitungsgebühren, trieben gleich Tausende auf die Homepage der Verbraucherzentrale. Rund 50.000 Menschen nahmen 2014 mit der Verbraucherzentrale Berlin persönlichen Kontakt auf. Mehr als 22.800 dieser Kontakte - rund 500 mehr als im Vorjahr - mündeten in eine Einzelberatung. Darüber hinaus hielten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr als 100 Vorträge zu Themen wie Altersvorsorge für Frauen oder für Berufsstarter, Grundlagen des Verbraucherrechts oder gesunde Ernährung. "Gerade in Zeiten, in denen viele selbsternannte und skurrile Experten ihre Ratschläge über das Internet verbreiteten, ist kompetente und unabhängige Verbraucherinformation gefragt", erklärte Eva Bell, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin bei der Vorstellung des Tätigkeitsberichts 2014.

Ein großer Teil der Einzelberatungen (6.275) entfiel 2014 auf Beratungen zum Verbraucherrecht. Es folgten die Beratungen zu Geldanlage (2.121) und zu Energieeinsparung und Energierecht (1.584). Darüber hinaus berieten die Mitarbeiter zu Versicherungen, Lebensmitteln und Ernährung, zum Rundfunkbeitrag und zu Patienten-, Urheber- und Mietrecht. Die Schuldnerberatung für den Bezirk Tempelhof-Schönberg wurde insgesamt über 8.000 mal in Anspruch genommen.

Inhaltliche Schwerpunkte: Digitale Welt und Energie

Die Digitalisierung der Lebenswelt spiegelte sich auch 2014 im Verbraucherschutz wider. Einen Großteil der Rechtsberatung bildeten Fragen zu Telekommunikation, meist zu Ver­trägen mit Mobilfunkanbietern und Smartphone-Händlern. Abofallen lauern mittlerweile nicht nur an der Haustür, sondern auch auf dem Handy - bei In-App-Verkäufen z.B. laden Verbraucher häufig unfreiwillig kostenpflichtige Apps oder Erweiterungen herunter. Und selbst die Partnersuche im Internet bleibt von Fallstricken nicht verschont: So übersehen viele Verbraucher bei der Anmeldung für eine Vermittlungsbörse, dass sie ein Abonnement abschließen, dass sich automatisch verlängert, wenn es nicht fristgerecht gekündigt wird.

Fragen rund um Energie bildeten einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt der Beratung. Verbraucher suchten Rat zur Verjährung von Energierechnungen, zur Insolvenz von Stromanbietern und zu unseriöser Kundenakquise. "Der aktuelle Energiemarkt fordert neue Herangehensweisen", erklärte Bell. "Anders als in vielen europäischen Staaten können Verbraucher in Deutschland ihre Rechte nicht gemeinsam durchsetzen". Die Ver­braucherzentrale Berlin setze sich für eine gesetzliche Einführung von Gruppenklagen für Verbraucher ein. "Außerdem fordern wir die Politik auf, einen Marktwächter Energie bei der Verbraucherzentrale Berlin einzurichten", so Bell weiter.

Zielgruppenkonzept

Viele Vorträge fanden 2014 vor Multiplikatoren und Gruppen mit Migrationshintergrund statt. In den Bezirken Lichtenberg und Marzahn bot die Verbraucherzentrale einmal im Monat eine persönliche Rechtsberatung auf Deutsch und Russisch an. Angebote zur Rechtsbera­tung in türkischer und russischer Sprache finden Verbraucher auch in der Geschäftsstelle am Hardenbergplatz. Um die Arbeit mit Migranten und weiteren Zielgruppen systematischer betreiben zu können, hat die Verbraucherzentrale 2014 ein Zielgruppenkonzept erstellt, um insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund, junge Leute und Seniorinnen und Seni­oren besser erreichen zu können.

Ausblick: Neuer inhaltlicher Schwerpunkt "Islamic Finance"

Durch den Blick auf die Zielgruppe der Migranten wurde die Verbraucherzentrale Berlin auf ein neues Verbraucherthema aufmerksam: Islamic Finance, also islam- und schariakonformes Finanzwesen. "Grundansatz ist, dass kein Gewinn erzielt werden soll ohne gleichwertige Sachwerte, dass also kein Geld nur aus Geld verdient werden soll", erklärte Volker Schmidtke, Finanzreferent der Verbraucherzentrale Berlin, den Begriff. Auch solle Gewinn nicht gesellschaftlich unproduktiv erzielt werden und nicht, indem ein anderer ungerecht behandelt wird oder nur der eine gewinnt und der andere verliert.

"Momentan ist die Produktpalette von "islamischen" Finanzprodukten in Deutschland noch recht beschränkt", so Schmidtke weiter. Am 1. Juli eröffne allerdings in Berlin eine Filiale der KT-Bank (Kuveyt Türk Bank), der ersten Bank in Deutschland mit einem islamkonformen Vollangebot an Finanzprodukten. Einen Markt für solche Produkte scheint es zu geben: Allein in Berlin leben rund 250.000 Muslime, rund 7 Prozent der Bevölkerung. "Streng muslimische Verbraucher werden herkömmliche Finanzprodukte mit schariakonformen Konstrukten vergleichen wollen", meinte Eva Bell. Spezielle Angebote an türkischsprachige Verbraucher bedeuteten nicht zugleich islamkonforme Angebote. Daher gebe es erheblichen Aufklärungsbedarf, auch über die positiven Aspekte und möglichen Risiken für Verbraucher. "Wir appellieren an die Politik, die finanziellen und personellen Voraussetzungen zu schaffen, damit wir diese wichtige Aufklärungsarbeit leisten können", forderte Bell.

Momentan verfügt die Verbraucherzentrale Berlin über kein Regelberatungsangebot zu Islamic Finance. Vielmehr arbeiten die Mitarbeiter daran, sich einen Marktüberblick zu verschaffen und sammeln dazu Fälle und Beschwerden von Verbrauchern. "Verbraucher, die überlegen, einen islamkonformen Geldanlage- oder Versicherungsvertrag abzuschließen, können uns die Unterlagen vorab gerne zusenden", so Schmidtke. "Sie erhalten dann eine Rückantwort mit einer Bewertung der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie eine Einschätzung aus Verbraucherschutzsicht."

Zusendungen sind erbeten an Verbraucherzentrale Berlin, Hardenbergplatz 2, 10623 Berlin oder per E-Mail an mail@verbraucherzentrale-berlin.de.

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