Freitag, 24. Mai 2013


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Bräunig: Deutsche Hersteller wachsen in Russland schneller als der Markt

Statement von VDA-Geschäftsführer Klaus Bräunig / Export und Produktion vor Ort deutlich ausgeweitet / Viele Premieren auf Moskauer Autosalon

(lifePR) (Moskau/Berlin, ) Die deutsche Automobilindustrie verstärkt ihr Engagement in Russland und gewinnt Marktanteile auf diesem dynamischen Markt. Jeder fünfte Pkw, der derzeit in Russland neu zugelassen wird, zählt bereits zu einer deutschen Konzernmarke. Der Marktanteil stieg von Januar bis Juli 2012 um knapp drei Prozentpunkte auf 20,7 Prozent. 2011 haben die deutschen Hersteller ihren Export nach Russland um über 61 Prozent auf mehr als 150.200 Pkw gesteigert. Noch stärker wuchs die Pkw-Produktion der deutschen Hersteller in Russland: mit 135.000 Einheiten wurden 2011 knapp 73 Prozent mehr Fahrzeuge vor Ort produziert. Im ersten Halbjahr 2012 steigerten die deutschen Hersteller ihre Fertigung vor Ort erneut um 63 Prozent auf knapp 90.000 Einheiten. Damit ist jeder zehnte Pkw, der derzeit in Russland produziert wird, ein Neuwagen einer deutschen Konzernmarke. Auch das Exportvolumen ist ähnlich hoch: Im ersten Halbjahr exportierten die deutschen Hersteller 81.000 Pkw nach Russland.


Die deutschen Hersteller verfolgen damit ihre "Zwei-Säulen-Strategie", die beispielsweise auch auf dem US-Markt erfolgreich ist: Export aus deutschen Werken und gleichzeitig Aufund Ausbau der Fertigung vor Ort.

Auf dem Moscow International Automobile Salon (MIAS) sowie der Zulieferermesse Interauto zeigen die deutschen Hersteller und Zulieferer zahlreiche Premieren. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) ist bereits zum sechsten Mal auf der Interauto präsent. Auch 2012 hat der VDA den deutschen Gemeinschaftsstand initiiert, der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in Kooperation mit dem Ausstellungs- und Messeausschuss der deutschen Wirtschaft (AUMA) gefördert wird. Langjähriger Partner bei der Durchführung ist die Münchner Messegesellschaft IMAG. 16 mittelständische Zulieferer sind auf dem deutschen Gemeinschaftsstand in Moskau vertreten.

Russland bleibt Wachstumsmarkt
Russland bleibt Wachstumsmarkt. Wir erwarten für Russland auch im kommenden Jahr ein stabiles gesamtwirtschaftliches Wachstum. Das Bruttoinlandsprodukt von Russland, das bereits 2011 um 4,3 Prozent zugelegt hat, wird in diesem Jahr und im kommenden Jahr aller Voraussicht nach in ähnliche Größenordnung steigen (jeweils +4 Prozent).

Getrieben wird das Wachstum von einer sehr regen Investitionstätigkeit, die für das laufende Jahr geschätzt rund 24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beträgt. Die Inflationsrate bleibt mit 5 Prozent (Schwankungen um +/-1) im Rahmen der Erwartungen.

Pkw-Marktanteil der deutschen Hersteller auf gut ein Fünftel gestiegen
Auch den russischen Markt bedienen deutsche Hersteller und Zulieferer zweigleisig. Zum einen durch eine Versorgung aus den deutschen Fertigungsstätten. Und zum anderen durch eine spürbar gestiegene Fertigung vor Ort. Mit Erfolg: Jeder fünfte Neuwagen, der in Russland verkauft wird, zählt zu einer deutschen Konzernmarke.

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 hatte zu einem dramatischen Einbruch des russischen Automobilmarktes geführt. Noch im Jahr 2008 gingen Experten davon aus, dass der russische Pkw-Markt den deutschen spätestens 2009 überholen würde. Doch die Lehman-Krise schlug nirgendwo so hart zu wie in Russland: Von 2,9 Mio. Einheiten im Jahr 2008 stürzte der Markt in nur einem Jahr um die Hälfte ab. Das haben auch die deutschen Hersteller gespürt: 2008 wurden noch 178.000 Pkw von Deutschland nach Russland exportiert, 2009 dann nur noch 41.000 - ein Rückgang um mehr als drei Viertel. Der Exportwert fiel 2009 um 60 Prozent von 5,9 Mrd. Euro auf noch knapp 2,4 Mrd. Euro.

Umso eindrucksvoller ist der rasche Wiederaufstieg des russischen Marktes. 2010 wurden bereits wieder über 1,9 Mio. Pkw verkauft - ein Plus von knapp 31 Prozent. Der Exportwert von Fahrzeugen und Teilen aus Deutschland nach Russland sprang sogar um 85 Prozent nach oben.

2011 wurde der russische Pkw-Markt zusätzlich durch eine staatliche Abwrackprämie beschleunigt - die Neuzulassungen gingen um 39 Prozent auf 2,7 Mio. Einheiten nach oben. Die deutschen Hersteller konnten dieses Tempo mehr als mitgehen, wie das Export-Plus von 61 Prozent zeigt.

Hohe Wachstumsraten bei Pkw-Produktion vor Ort
Allerdings: Deutsche Hersteller und Zulieferer bedienen die Wachstumsmärkte weltweit sowohl durch Exporte aus den heimischen Werken als auch durch starke Präsenz vor Ort. Auch die Fertigung in Russland entwickelte sich beeindruckend. Nach dem Start 2008 mit 62.300 Einheiten, die in Russland von deutschen Herstellern aus Teilesätzen montiert wurden, stieg die seit 2010 vollwertige Produktion 2011 bereits auf 135.000 Einheiten.

Und für die erste Jahreshälfte können wir feststellen: Die Zahl der vor Ort gefertigten Pkw übersteigt mit knapp 90.000 Pkw bereits die aus Deutschland exportierten (81.000).

Die deutschen Konzernmarken steigern damit ihre Pkw-Produktion in Russland schneller als die gesamte Pkw-Produktion in diesem Land: Während die gesamte Pkw-Produktion in Russland 2011 um 44 Prozent auf 1,74 Mio. Einheiten wuchs, erhöhten die deutschen Konzernmarken ihre Fertigung vor Ort um 73 Prozent auf 135.000 Einheiten.

Im laufenden Jahr hält dieser Trend an: Die Pkw-Gesamtproduktion in Russland stieg im bisherigen Jahresverlauf um 18 Prozent, die Pkw-Produktion der deutschen Konzernmarken hingegen wuchs mit plus 63 Prozent dreimal so schnell.

Damit haben die deutschen Konzernmarken nicht nur einen Marktanteil von 20,7 Prozent bei den Pkw-Neuzulassungen, sondern jeder zehnte Neuwagen, der in Russland derzeit gebaut wird, hat ein deutsches Markenzeichen.

In den kommenden Jahren wird der Local Content weiter zunehmen. Mit einem Ausbau der Fertigung vor Ort ist daher zu rechnen.

Die Krise 2008/2009 mit ihrem heftigen Rückgang wurde also in Russland wesentlich schneller und vor allem kraftvoller bewältigt als etwa in Westeuropa. Das Potenzial des russischen Automobilmarktes ist noch längst nicht ausgeschöpft, der Nachholbedarf ist hoch: Während in Deutschland gut 500 Autos auf 1.000 Einwohner kommen, ist der Anteil in Russland nur halb so hoch.

Das Potenzial des russischen Marktes wird auch dadurch unterstrichen, dass der Pkw-Markt selbst nach Auslaufen der Prämien weiter wächst. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres erhöhten sich die Neuzulassungen um 14 Prozent auf 1,7 Mio. Pkw.

Diese positive Entwicklung schlägt sich auch im Exportwert der deutschen Automobilindustrie nieder. Die automobile Ausfuhr von Deutschland nach Russland legte in den ersten fünf Monaten um gut 26 Prozent auf fast 3,7 Mrd. Euro zu.

Exportwert deutscher Zulieferer erreicht neues Höchstniveau
Bemerkenswert ist, dass unsere Zulieferer an dieser Entwicklung einen großen Anteil haben. Im Jahr 2011 hatte der Exportwert von Teilen und Zubehör das bisherige Rekordniveau aus dem Jahr 2008 (1,45 Mrd. Euro) mit knapp 2,3 Mrd. Euro wieder deutlich übertroffen. Bereits in den beiden vergangenen Jahren haben die deutschen Zulieferer ihren Exportwert nach Russland sprunghaft um rund 40 Prozent (2011) bzw. 70 Prozent (2010) gesteigert.

In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres haben die Zulieferer ihren Export nach Russland um fast ein Drittel (+31 Prozent) auf 1,1 Mrd. Euro gesteigert. Sie haben damit einen Anteil am gesamten Exportwert unserer Branche nach Russland von 30 Prozent.

Die automobile Handelsbilanz folgt - aufgrund des noch niedrigen Importwerts von Waren aus Russland - in etwa dem Verlauf des Exports. 2011 erhöhte sie sich um 69 Prozent auf 7,4 Mrd. Euro, gut 30 Prozent davon entfielen auf Teile und Zubehör. Das bisherige Höchstniveau aus dem Jahr 2008 (knapp 5,9 Mrd. Euro) wurde damit im Jahr 2011 bereits um gut ein Viertel übertroffen (+26 Prozent), in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres war ein Plus von 26 Prozent auf fast 3,7 Mrd. Euro zu verzeichnen.

Importe aus Russland steigen seit sechs Jahren kontinuierlich
So unterschiedlich die Ausgangspositionen auch sein mögen - der automobile Handel zwischen Deutschland und Russland ist keine Einbahnstraße. Vielmehr profitieren von der Öffnung der Märkte beide Seiten. Auch der Importwert nach Deutschland von Kraftwagen, Teilen und Zubehör, die in Russland produziert werden, nimmt seit nunmehr sechs Jahren kontinuierlich zu - und damit auch in den Krisenjahren 2008/2009! Allein im vergangenen Jahr war ein Plus von 39 Prozent zu verzeichnen; naturgemäß war das Niveau noch recht niedrig (42 Mio. Euro). Doch entscheidend ist der Trend - und der zeigt nach oben: Im bisherigen Jahresverlauf stieg der Importwert weiter um mehr als ein Viertel. Bemerkenswert ist, dass dabei Teile und Zubehör sowie Motorteile - also die Produkte der Zulieferer - einen Anteil am Importwert von rund zwei Drittel aufweisen.

WTO-Beitritt Russlands wichtiges Signal zur weiteren Integration in die Weltwirtschaft
Der Beitritt Russlands zur WTO ist ein deutliches Signal für eine weitere Integration Russlands in die Weltwirtschaft und bietet viele Chancen für die Vertiefung der wirtschaftlichen Kooperation. Die deutsche Automobilindustrie begrüßt diesen Schritt. Den Chancen stehen aber auch erhebliche Herausforderungen gegenüber.

Wir verknüpfen damit aber auch die Erwartung, dass sich Russland zu den Regeln des internationalen Handels bekennt und eine an den WTO-Vorgaben ausgerichtete Industrieund Handelspolitik verfolgt, die heimische und ausländische Unternehmen grundsätzlich gleich behandelt. Eine solche Politik ist Grundlage für eine langfristige Unternehmensplanung und schafft Sicherheit bei Investoren, um die Russland wirbt. Mit dem WTO-Beitritt werden die Pkw-Importzölle zwar gesenkt, gleichzeitig aber hat die Regierung eine neue Verwertungsgebühr beschlossen, die Importeure belastet und somit diskriminierend wirkt. Die russische Automobilpolitik bleibt damit insgesamt für viele Unternehmen, die sich gerne stärker in Russland engagieren würden, eine Herausforderung.

VDA Qualitäts Management Center in Moskau schult bereits 60 Unternehmen
Die Steigerung der Produkt- und Prozessqualität von Zulieferern ist gerade auf dem russischen Wachstumsmarkt von entscheidender Bedeutung. Der VDA hat daher bereits vor vier Jahren in Moskau ein Qualitäts-Management-Center (VDA-QMC) gegründet, das Anfang 2009 mit der Arbeit begann. Nach russischem Recht müssen alle ausländischen Hersteller und Zulieferer den Anteil ihrer Lieferanten vor Ort erhöhen, da ansonsten Zollvergünstigungen nicht gewährt werden. Da unsere Hersteller und Zulieferer auch auf dem russischen Markt Lieferanten benötigen, die den weltweit hohen Qualitätsansprüchen unserer Marken genügen, werden im VDA-QMC Moskau Mitarbeiter entsprechend den gemeinsam zwischen Herstellern und Zulieferern im VDA-QMC in Deutschland erarbeiteten Standards und Richtlinien geschult. Unser Motto lautet: "Premiumqualität nicht nur im Premiumsegment". Allein im ersten Halbjahr 2012 wurden 600 Teilnehmer von russischsprachigen Qualitätsmanagement-Trainern entsprechend geschult. Zu den Inhalten gehören Qualitätsmanagementsysteme, Qualitätsmanagementmethoden sowie das Wissen um praktische Qualitätssicherungswerkzeuge. Dazu erstellt das VDA-QMC auch entsprechende Publikationen. Zu dem VDA-QMC-Kunden zählen mehr als 60 Unternehmen, darunter deutsche Zulieferer wie Benteler, Bosch, Brose, Knorr-Bremse, aber auch viele russische Firmen und natürlich auch Hersteller wie etwa Volkswagen.

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