Sonntag, 11. Dezember 2016


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EnEV easy - mehr schlecht als recht

Überarbeitung der Energieeinsparverordnung EnEV

(lifePR) (Berlin, ) Die von der Bundesregierung für dieses Jahr angekündigte Überarbeitung der Energieeinsparverordnung EnEV bedeutet im Kern weder einen Anreiz für verstärkte Gebäudesanierungsmaßnahmen, noch eine vereinfachte Praxis zur Beurteilung des Energieverbrauchs von Gebäuden für Eigentümer und Inverstoren. Im Gegenteil, das sogenannte Modellgebäudeverfahren geht mit höherem bürokratischem Aufwand im Vergleich zum bereits bestehenden Verfahren einher. Dadurch können künftig nicht die enormen Energieeinsparpotenziale im Gebäudebereich geweckt und umgesetzt werden, die dringend zur Erreichung der Klimaschutz-Ziele nötig sind.

Nach Plänen der Bundesregierung soll in die novellierte Energieeinsparverordnung ein neues Modellgebäudeverfahren integriert werden. Dieses, im Auftrag des Landeswirtschaftsministeriums Baden-Württemberg vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik entwickelte Verfahren, soll eine - in den Augen der Regierung - vereinfachte Nachweismöglichkeit für Wohngebäude darstellen. Abgesehen von den wenigen Neuerungen, die das Programm bringen soll, sehen Experten wie Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz vom Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden Forschung und Anwendung GmbH kaum Vorteile der neugefassten EnEV easy. Laut Prof. Oschatz verhindere EnEV easy nicht nur die integrale Planung und Optimierung im Planungsprozess sowie die Innovation und den technologischen Fortschritt im Gebäudebereich, sondern genüge lediglich den Mindestanforderungen bei der Durchführung von Energieeinsparmaßnahmen. "Mehr noch, ist die Auswahl der anlagentechnischen Varianten begrenzt und wird den vielfältigen Sanierungsmöglichkeiten, die die Industrie bereitstellt, nicht gerecht", so Professor Oschatz.

Zudem erfolge die Auswahl der Sanierungsmaßnahmen willkürlich, da sie nicht auf bestimmten Kriterien basieren. Wie bereits das bestehende Nachweisverfahren bedarf es ebenfalls einer Computersoftware zum Eintragen der entsprechenden Kennzahlen wie Art des Gebäudes, Höhe sowie Umfang und Grundfläche jedes Geschosses, Fenster- und Fassadenfläche in jeder Himmelsrichtung, Fläche von Dachflächenfenstern und Lichtkuppeln und waagerechten und geneigten Dachflächen sowie die Summe der Flächen für die Energieausweise, so dass der gebäudeseitige Aufwand laut Prof. Oschatz genauso hoch sei wie zuvor. Ihm zufolge besteht die Möglichkeit, selbständig Anpassungen im Programm vorzunehmen, wodurch die Mehrzahl der Nachteile von EnEV easy vom Nutzer behoben werden könnten.

Keine Frage, dass im Bereich Gebäudesanierung enorme Energieeinsparpotenziale vorhanden sind. Dass sich die Politik dies allmählich ebenfalls auf die Fahne geschrieben hat, ist zu begrüßen. Dennoch ist davon auszugehen, dass in diesem Bereich, der rund 35 Prozent des Energieendverbrauchs in Deutschland ausmacht, durch das geplante Modellgebäudeverfahren EnEV easy nicht die nötige Energieeinsparung erreicht werden kann.

"Ein energieeffizientes Gebäudesanierungsprogramm kann damit allein nicht gelingen und bedarf weiterer politischer Instrumente und Anreize bei potenziellen Investoren wie steuerlichen Förderungen von energetischen Sanierungsmaßnahmen", sagt Dr. Michael Herma, Geschäftsführer der VdZ - Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik e.V. in Berlin. "EnEV easy und die Politik im Allgemeinen bieten derzeit kaum wirkungsvolle Antworten auf die dringende Frage, wie die Energiewende umgesetzt werden kann, die insbesondere mit einer Steigerung der Gebäudesanierungsquote durch den Einsatz intelligenter Gebäudetechnik einhergehen muss", so Dr. Herma.

Wie EnEV easy in der Praxis - von der Baubranche und den Immobilienbesitzern - angenommen wird sowie ein abschließendes Urteil darüber, wird sich erst im kommenden Jahr, mit dem in Kraft treten und der Umsetzung der Regelung zeigen.

Weitere Informationen finden Sie auch im Presseportal unter:
www.vdzev.de
www.intelligent-heizen.info

Spitzenverband der Gebäudetechnik VdZ

Die VdZ - Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik e.V. (www.vdzev.de) vertritt als Branchenverband die gemeinsamen Interessen der Industrie, des Großhandels und der Fachbetriebe in den Bereichen Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik. Sie repräsentiert damit die dreistufige Wertschöpfungskette im Bereich der Gebäude- und Energietechnik von 53.000 Unternehmen mit über 430.000 Beschäftigten und einem Branchenumsatz von derzeit rund 60 Milliarden Euro. In ihren Arbeitsgremien (Projektforum) bündelt sie das Branchen-Know-how, um auch gesellschaftsrelevante Themen der Branche lösungsorientiert zu bearbeiten und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Weitere zentrale Aufgaben der VdZ sind die Information von Experten und Verbrauchern in Form der Verbraucherkampagne "Intelligent heizen" (www.intelligent-heizen.info) und allgemeinverständlichen Fachinformationen zu Gebäudetechnik und Förderprogrammen. Die VdZ bekennt sich dabei zu den Zielen eines nachhaltigen, effizienten und umweltschonenden Energieeinsatzes, der Schonung der Ressourcen und des Einsatzes von Erneuerbaren Energien. Sie informiert technologieoffen, marken- und energieträgerneutral.

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