Mittwoch, 07. Dezember 2016


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Winzige beschichtete Ballons ermöglichen schonende Therapie von Gefäßleiden

Größte randomisierte Studie weltweit zeigt Überlegenheit der Behandlungsmethode bei arteriellen Verschlüssen an den Beinen/ neues Verfahren am UKL täglich im Einsatz

(lifePR) (Leipzig, ) Ein kleiner beschichteter Ballon revolutioniert die Behandlung von Gefäßleiden: Eine multizentrische Studie zeigt jetzt die erhöhte Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der Behandlung von arteriellen Verschlüssen in den Beinen mittels medikamentenbeschichteter Ballons gegenüber Verfahren der konventionellen Dehnung. Die Methode wird erst seit einigen Jahren an verschiedenen Gefäßzentren in Deutschland angewendet - am Uniklinikum Leipzig kann damit bereits die Hälfte aller Patienten behandelt werden.

Die gemeinsame Studie der Gefäßspezialisten am Universitätsklinikum Leipzig und der Harvard Medical School in Boston wurde jetzt im New England Journal of Medicine online veröffentlicht.

"In Untersuchungen mit fast 500 Patienten konnten wir umfänglich zeigen, dass wir in vielen Fällen durch die Anwendung von medikamentenbeschichteten Ballons die Verengungen in Blutgefäßen noch besser, schonender und nachhaltiger behandeln können als mit den herkömmlichen unbeschichteten Ballons oder durch die Implantation von Stents", erläutert Prof. Dierk Scheinert, Leiter der Abteilung für Interventionelle Angiologie am UKL. Die nicht-operative Methode, die von dem renommierten Gefäßmediziner seit Jahren umfassend untersucht wird, zählt zu den modernsten und schonendsten Verfahren weltweit. Sie wird täglich am Universitätsklinikum Leipzig angewendet und in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig weiter erforscht. Über einen winzigen Zugang an der Leiste werden über einen Katheder feinste Instrumente bis zur Blutgefäßverengung geschoben und dort eine Art Ballon aufgeblasen, der die Ader dehnt und weitet und danach wieder entfernt wird. Das Besondere: Der Ballon ist mit einem Medikament beschichtet, das am Ort der Verengung sofort ins Gewebe freigesetzt wird und dort den erneuten Verschluss des Gefäßes verhindert, indem es die Bildung von Narbengewebe stark einschränkt. "Wir konnten im Vergleich mit der Verwendung unbeschichteter Ballons nachweisen, dass nach zwölf Monaten signifikant weniger Neuverengungen und -verschlüsse auftraten und die behandelten Patienten deutlich besser laufen konnten. Das heißt auch, dass somit kaum Nach- oder Zweitbehandlungen mehr nötig waren und sind - das gilt für mehr als 80 Prozent aller Patienten in dieser Studie", betont Prof. Scheinert. "Zudem bietet die Methode einen ganz klaren Vorteil gegenüber dem Einsatz von Stents, denn sie kommt weitgehend ohne Implantation eines mechanischen Fremdkörpers aus. Man kann sagen, dass sich eine grundlegende Änderung der Behandlungsstrategien bei Patienten mit peripheren Gefäßerkrankungen abzeichnet - weg von Implantaten, hin zu einer eher biologischen Behandlung mit lokaler Medikamentenapplikation."

Besonders bedeutend sind die Erkenntnisse beispielsweise für die schonende Behandlung der Schaufensterkrankheit, einer Durchblutungsstörung in den Beinen. Sie wird verursacht durch Kalkablagerungen, die die Blutgefäße verstopfen. Bis zu 20 Prozent der über 65-Jährigen sind davon betroffen.Die Erkrankten bleiben beispielsweise vor Schaufenstern stehen, weil niemand bemerken soll, dass sie vor Schmerz nicht weiterlaufen können. Unbehandelt können die Beine dauerhaft Schaden nehmen. Sobald klar ist, dass Gefäßverengungen vorliegen, sollte daher schnell eine Behandlungsnotwendigkeit geprüft werden.

"Mit der Einrichtung der Interventionellen Angiologie am Uniklinikum Leipzig im September 2014 haben wir den wichtigen Schwerpunkt der Stoffwechsel- Herz- Gefäßmedizin gezielt verstärkt", erklärt Prof. Wolfgang E. Fleig, medizinischer Vorstand am UKL. "Resultat ist eine noch umfassendere Versorgung unserer Patienten mit den allerneuesten Standards der Therapie." Prof. Michael Stumvoll, Dekan der Medizinischen Fakultät ergänzt: "Wir bewegen uns mit der begleitenden medizinischen Forschung auf höchstem internationalen Niveau. Das wird dem Schwerpunkt weitere Impulse geben und exzellente Nachwuchswissenschaftler nach Leipzig ziehen."

Originalpublikation:

Kenneth Rosenfield, M.D., Michael R. Jaff, D.O., Christopher J. White, M.D., Krishna Rocha-Singh, M.D., Carlos Mena-Hurtado, M.D., D. Christopher Metzger, M.D., Marianne Brodmann, M.D., Ernst Pilger, M.D., Thomas Zeller, M.D., Prakash Krishnan, M.D., Roger Gammon, M.D., Stefan Müller-Hülsbeck, M.D., Mark R. Nehler, M.D., James F. Benenati, M.D., and Dierk Scheinert, M.D. for the LEVANT 2 Investigators. Trial of a Paclitaxel-Coated Balloon for Femoropopliteal Artery Disease. New England Journal of Medicine (NEJM), June 24, 2015 http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1406235

Universitätsklinikum Leipzig AöR

Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) blickt gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät als zweitältester deutscher Universitätsmedizin auf eine reiche Tradition zurück. Heute verfügt das Klinikum mit 1450 Betten über eine der modernsten baulichen und technischen Infrastrukturen in Europa. Zusammen mit der Medizinischen Fakultät ist es mit über 6000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Stadt Leipzig und der Region. Jährlich werden hier über 350.000 stationäre und ambulante Patienten auf höchstem medizinischen Niveau behandelt. Diese profitieren von der innovativen Forschungskraft der Wissenschaftler, indem hier neueste Erkenntnisse aus der Medizinforschung schnell und gesichert in die medizinische Praxis überführt werden.

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