Sonntag, 22. Januar 2017


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Im Gedenken der Kinder

Verbrechen in der NS-Zeit

(lifePR) (Hamburg, ) Das Medizinhistorische Museum Hamburg am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichte und Ethik der Medizin am UKE eine Sonderausstellung über die so genannte "Kinder-Euthanasie" in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Ausstellung öffnet am 3. September. Nach jahrelanger Recherche haben UKE-Wissenschaftler des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin Präparate von Kindern gefunden, die in Lüneburg, Rothenburgsort und der Anstalt Langenhorn zu Tode gekommen waren. Sie werden am 15. September im Rahmen einer Gedenkstunde beerdigt.

"Wir haben im Rahmen einer Dissertation im Jahr 2009 Hinweise darauf bekommen, dass Präparate von Kindern im UKE zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet worden sind. Diesen Hinweisen sind wir sorgsam nachgegangen. Mir war klar, dass wir diese Kinder finden wollen, ja finden müssen. Das waren wir uns selbst, dem UKE und Hamburg schuldig. Das war unsere Verantwortung als Nachgeborene, unsere Verantwortung den Opfern gegenüber", sagt Prof. Dr. Heinz-Peter Schmiedebach, Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin des UKE. "Meine Mitarbeiterinnen haben sich systematisch auf die Suche gemacht und in den über 200.000 Einzelpräparaten in unserem Archiv, die zu Diagnostik und wissenschaftlicher Auswertung regulär erstellt worden sind, nach den Präparaten gesucht, für die unfassbare Verbrechen verübt worden sind. Wir haben Präparate von 17 Personen gefunden. Fünf Präparate konnten als fünf Kinder identifiziert werden, die aus Hamburg stammten. Es handelte sich um mikroskopische Präparate von Gehirnen für die neuropathologische Forschung. Präparate von 12 Personen aus Lüneburg sind verdächtig, ebenfalls von Kindern zu stammen, die im Rahmen der so genannten 'Kinder-Euthanasie' ermordet worden sind."

"Mit der Beisetzung der sterblichen Überreste auf dem Ehrenfeld für Verfolgte der NS-Herrschaft auf dem Ohlsdorfer Friedhof können nun fünf der ermordeten Kinder, deren Präparate für Zwecke der Forschung missbraucht wurden, ihre Ruhe finden. Niemals wieder dürfen Rassismus, Verachtung und Hass die Geschicke unserer Gesellschaft bestimmen", sagt Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Wissenschaft und Forschung der Freien- und Hansestadt Hamburg.

"Fassungslos stehen wir heute vor der Frage, wie Kinderärzte die ihnen Schutzbefohlenen derartig dem System ausliefern konnten - wohl wissend, dass die Kinder Leid und Tod erfahren würden. Es ist unsere Pflicht, die geschichtlichen Tatsachen rückhaltlos offen zu legen - so schmerzhaft das auch sein mag. Wir müssen uns stets und auch jetzt dafür einsetzen, dass Angriffe auf die Menschenwürde in unserer Gesellschaft keine Chance haben und Wissenschaft dort endet, wo sie die unantastbare Würde des Einzelnen berührt", sagt Prof. Dr. Kurt Ullrich, Leiter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKE.

Die Präparate der fünf Kinder, die aus Hamburger Krankenhäusern stammen, werden als sterbliche Überreste am 15. September um 11 Uhr in einer Gedenkfeier auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Alle Anteilnehmenden sind zu dieser Gedenkstunde eingeladen.

"Alle diese Kinder waren besondere Kinder. Sie verdienten größten Schutz und größte Fürsorge. Stattdessen wurden sie in ihren Familien, in Krankenhäusern oder Schulen gezielt aufgespürt und durch das nationalsozialistische Terror-Regime im Namen einer zutiefst menschenverachtenden Pseudo-Wissenschaft ermordet. Meine besondere Anerkennung gilt all denjenigen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, über die 'Kinder-Euthanasie'-Morde aufzuklären", sagt Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Wissenschaft und Forschung der Freien und Hansestadt Hamburg.

Anerkennung von Schuld
Die Ausstellung "Im Gedenken der Kinder. Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit" zeigt mehr als 30 Bild-/Texttafeln sowie Medienstationen mit Originalsequenzen eines Propagandafilmes und Lesungen aus Briefen von Opfern und Tätern. "In erster Linie dokumentiert die Ausstellung die grausamen Verbrechen, die im Namen der Wissenschaft an den Kindern verübt wurden", sagt Prof. Dr. Heinz-Peter Schmiedebach, Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin des UKE. Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Priv.-Doz. Dr. Thomas Beddies, Medizinhistoriker an der Charité Berlin: "Es wiegt meines Erachtens besonders schwer, dass bei den in unserer Ausstellung dokumentierten Taten nicht nur im Hinblick auf das Arzt-Patienten-Verhältnis schwere Verfehlungen festzustellen sind, sondern die Abhängigkeit des Kindes vom Erwachsenen, also der Vertrauensvorschuss, den das Kind gewähren muss, in gröbster Weise missbraucht wurde."

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