Dienstag, 06. Dezember 2016


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Menschenwürdige Arbeit für alle: Universität Kassel eröffnet Internationales Zentrum

(lifePR) (Kassel, ) Strategien für eine nachhaltige Entwicklung sind das Ziel des Exzellenzzentrums "International Center for Development and Decent Work" (ICDD), das am Montag an der Universität Kassel eröffnet wurde. Mit Ausbildung und Forschung wollen Wissenschaftler aus Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika Hunger und Armut in den Entwicklungsländern bekämpfen und so zur Verwirklichung eines der zentralen Millenniumsziele der Vereinten Nationen beitragen: Produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle.

"Das Zentrum bietet einen einzigartigen Blick auf die aktuellen Probleme in vielen Ländern des Südens", sagte der Leiter des ICDD, der Kasseler Politikforscher und Globalisierungsexperte Prof. Dr. Christoph Scherrer. Ermöglicht werde dies durch die bislang einmalige Zusammenarbeit von Agrarwissenschaftlern und Sozialforschern aus Brasilien, Deutschland, Indien, Kenia, Mexiko, Pakistan und Südafrika.

Die Wissenschaftler wollen beispielsweise erforschen, wie durch eine Stärkung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in den Entwicklungsländern die Landflucht gebremst werden kann. "In Indien arbeiten heute noch 70 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft", betonte Scherrer. Mangelnde Perspektiven führten oft zur Abwanderung in städtische Slums. Nach Einschätzung der Kasseler Forscher kann eine Stärkung der landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten enorme Auswirkungen auf die Entwicklung der ländlichen Gebiete haben. Dies lasse sich beispielsweise in der Milchwirtschaft beobachten.

"Wenn sich die Wertschöpfung erhöht, gibt es auch Spielraum für Lohnerhöhungen", erklärte Scherrer. Ein steigendes Einkommen der Landbevölkerung ermögliche es den Erwachsenen wiederum, ihre Kinder zur Schule zu schicken, statt diese arbeiten zu lassen. Höhere Löhne führten zudem fast zwangsläufig zu einer höheren Produktivität. So könne eine Wachstumsspirale in Gang gesetzt werden, von der letztlich alle Menschen profitierten. "Es geht nicht nur darum, Arbeit zu haben, sie muss auch bestimmten Anforderungen an Würde und Gesundheit des Menschen genügen", sagte der geschäftsführende Direktor des neuen Zentrums.

Das "International Center for Development and Decent Work" wird in den kommenden fünf Jahren mit bis zu fünf Millionen Euro vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Weitere Unterstützung kommt vom Land Hessen und von der International Labour Organization (ILO). "Der Aufbau des Internationalen Zentrums für Entwicklung und menschenwürdige Arbeit unterstreicht die Kompetenz der Universität Kassel im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit", sagte die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, bei der Eröffnung: "Es freut mich, dass wir die wichtige Arbeit des ICDD und seine globale Ausrichtung seitens des Landes zusätzlich durch die Einrichtung einer Juniorprofessur unterstützen können."

Als "international einmalig" bezeichnete der Kasseler Universitätspräsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep den im ICDD gewählten Forschungsansatz: "Wir feiern heute den Beginn einer neuen Qualität der internationalen Beziehungen an der Universität Kassel". Er sei stolz, dass der DAAD die neue Forschungseinrichtung als einen von fünf "Think Tanks" ausgewählt habe, die sich in Deutschland künftig mit der Umsetzung der UN-Millenniumsziele befassen werden. Insgesamt 44 Einrichtungen hatten sich um die Aufnahme in den Kreis dieser Exzellenzzentren beworben. An der offiziellen Eröffnung nahm auch DAAD-Generalsekretär Christian Bode teil.

Expertenausbildung auf Master- und Promotionsniveau Kern des ICDD ist die Ausbildung von Experten auf Master- und Promotionsniveau mit sechs Partneruniversitäten auf vier Kontinenten: Egerton University (Kenia), Tata Institute of Social Science (Indien), Universidad Autónoma de Yucatán (Mexiko), Universidade Estadual de Campinas (Brasilien), University of Agriculture Faisalabad (Pakistan) und University of Witwatersrand (Südafrika).

Die ersten acht Doktoranden starteten mit ihrer Ausbildung vor wenigen Tagen in Kassel. Weitere zwölf Doktoranden arbeiten an den sechs Partner-Universitäten. Sie erforschen Themen wie "Die Arbeitsbedingungen von Straßenverkäufern in Mumbai und Durban", "Der Beitrag der Handelspolitik zu menschenwürdiger Arbeit - Brasilien und Südafrika im Vergleich" und "Die Verbesserung der Wertschöpfung in der mexikanischen Viehwirtschaft".

Die Promotionen ordnen sich in die drei Forschungsschwerpunkte des ICDD ein:

1. "Möglichkeiten zur Steigerung der Wertschöpfung im ländlichen Raum",
2. "Geeignete Instrumente zur Durchsetzung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen",
3. "Strategien zur Ermöglichung politischer Teilhabe".

Die künftigen Forschungsergebnisse sollen über ein Webportal, Policy Briefing Papers und Weiterbildungsseminare verbreitet werden. Bei der Ausbildung kooperiert das ICDD mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen, die die Decent-Work-Agenda formuliert hat.

Erster Ela-Bhatt-Gastprofessor lehrt bereits in Kassel Schon seit Oktober lehrt der Soziologe Prof. Edward Webster von der University of the Witwatersrand in Johannesburg an der Universität Kassel. Webster ist der erste Ela-Bhatt-Professor des ICDD, dessen Forschung zu menschenwürdiger Arbeit internationale Anerkennung erfährt. Die Professur ist nach einer der führenden Frauen- und Arbeitsrechtlerinnen Indiens benannt. Das ICDD wird sie nun jedes Jahr mit einer international anerkannten Forscherpersönlichkeit aus den Partnerländern besetzen.

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