Donnerstag, 08. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 132387

Krise sorgt für geringere Bezüge bei DAX-Aufsichtsräten

Höhere Verantwortung und Haftung bilden sich nicht in der Vergütung ab Towers Perrin-Studie "Aufsichtsratsvergütung DAX" 2009

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) Im Zuge der aktuellen Wirtschaftskrise wird die Aufsichtsratsvergütung in den führenden börsennotierten Unternehmen in Deutschland für 2009 deutlich fallen. So gehen die Bezüge der Aufsichtsratsvorsitzenden im DAX durchschnittlich um rund 15% zurück. Basis der Projektion sind Analystenschätzungen zur Geschäftsentwicklung für das laufende Jahr. Selbst im Szenario einer um 20% über den Analystenprognosen liegenden Unternehmensperformance sinkt die Vergütung noch um 8%. Mit einem aktuellen Durchschnittswert von 226.000 Euro pro Jahr bewegt sich die Gesamtvergütung der Aufsichtsratsvorsitzenden im DAX deutlich unterhalb des internationalen Niveaus: Sie verdienen im Vergleich zu ihren Pendants in den führenden Unternehmen in der Schweiz rund ein Drittel weniger; mit Blick auf Unternehmen in den USA und Großbritannien erhalten sie etwa die Hälfte.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Towers Perrin-Studie "Aufsichtsratsvergütung DAX", die 2009 im achten Jahr in Folge die Aufsichtsratsvergütungen der im DAX notierten Unternehmen untersucht. Angesichts der volatilen wirtschaftlichen Entwicklung werden in der Analyse erneut auf Basis verschiedener Szenarien der Geschäftsentwicklung Prognosen für die Entwicklung der Aufsichtsratsvergütung für 2009 ermittelt.

"Der Rückgang in den Bezügen belegt, dass in Deutschland neben der Vergütung von Vorständen auch jene von Aufsichtsräten mit der wirtschaftlichen Entwicklung konform geht. Allerdings ist diese Entwicklung gegenläufig zu dem gerade in der Krise deutlich höheren Arbeitspensum und der zunehmenden Verantwortung der Unternehmenskontrolleure", erläutert Michael H. Kramarsch, Deutschland-Geschäftsführer von Towers Perrin. Joachim Kayser, Partner und Leiter Board Services bei Towers Perrin, prognostiziert: "Insbesondere vor dem Hintergrund der vom Gesetzgeber geforderten stärkeren Haftung der Unternehmenskontrolleure werden wir in den kommenden Jahren steigende Aufsichtsratsbezüge sehen, vor allem im mittleren und unteren Vergütungsbereich."

Weiterhin hohe Transparenz des Vergütungsausweises

Im Vergleich zur Vorjahresanalyse sind mit Beiersdorf, Fresenius und Salzgitter drei Unternehmen neu in den DAX aufgerückt, nachdem Continental, Hypo Real Estate und Deutsche Postbank ausgeschieden sind. Wie im Vorjahr entsprechen mit Ausnahme von Merck alle DAX-Unternehmen den betreffenden Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex und weisen ihre Aufsichtsratsvergütung vollständig individuell aus. Im Rahmen der Hauptversammlungen 2009 haben drei Unternehmen die Vergütung der Mitglieder in den Aufsichtsräten angepasst: Henkel, K+S sowie Siemens. Bei der Commerzbank wurden Satzungsänderungen zur Aufsichtsratsvergütung von den Aktionären abgelehnt.

Sinkendes Niveau bei den Vergütungshöhen, aber weiter große Spreizung

Die durchschnittlichen jährlichen Gesamtbezüge eines Aufsichtsratsvorsitzenden im DAX belaufen sich 2009 auf 226.000 Euro und fallen damit um rund 15% geringer aus als im Vorjahr (266.000 Euro). Um der volatilen Wirtschaftslage gerecht zu werden, untersucht die Studie neben den auf Analystenprognosen basierenden Vergütungen auch die Vergleichswerte für den Fall von Abweichungen von 20 % über bzw. unter diesen Prognosen. Selbst im Fall einer 20-prozentigen Überschreitung der Analystenschätzungen sinkt die Vergütung der DAX-Aufsichtsratsvorsitzenden im Vergleich zum Vorjahr noch um 8% auf 244.000 Euro in 2009. Werden die Analystenschätzungen um 20 % verfehlt, sinkt der Vergleichswert um -21% auf 209.000 Euro.

Mit Blick auf die unternehmensspezifische Rangreihe der Vergütungshöhen von Aufsichtsratsvorsitzenden hat sich eine relativ kompakte Spitzengruppe herausgebildet: Siemens (435.600 Euro), E.ON (432.200 Euro), RWE (358.900 Euro), Volkswagen (354.500 Euro), Henkel (324.800 Euro) sowie Daimler und ThyssenKrupp (je 311.000 Euro). Schlusslicht ist mit weitem Abstand Infineon mit ca. 53.600 Euro Jahresgesamtvergütung für den Aufsichtsratsvorsitzenden. Die Spanne von Faktor 8 zwischen den höchsten und geringsten Bezügen (2008: Faktor 12) hat sich deutlich verringert, ist aber nach Ansicht der Studienautoren noch immer hoch.

"Insbesondere die Vergütung am unteren Ende des Vergleichsfeldes reflektiert nicht die gestiegene Aufgabenvielfalt und Verantwortung. Hohe Bezüge sind keine Garantie für eine professionelle Mandatsausübung, fördern aber vor dem Hintergrund einer immer komplexeren, internationaleren Unternehmenswelt sowie einem deutlichen Mehr an Verantwortung und Haftung das Begreifen der Aufsicht als eine Aufgabe, die volle Konzentration und hohes persönliches Engagement erfordert", so der Corporate Governance-Experte Michael H. Kramarsch.

Ein Vergleich der DAX-Vergütungshöhen auf internationaler Ebene ist aufgrund der unterschiedlichen Governance-Strukturen nur unter Einschränkungen zulässig. Jedoch liegt die durchschnittliche Vergütung eines DAX-Aufsichtsratsvorsitzenden deutlich unter jener von nicht-exekutiven Managern in der Schweiz (SLI: 763.000 Euro), Großbritannien (FTSE 100:466.000 Euro) und in den USA (Fortune 500: 413.000 Euro).

Struktur der Vergütung bleibt weitgehend stabil

Wie in den Vorjahren setzen alle DAX-Unternehmen auf eine Festvergütung, wobei Adidas, Daimler und Fresenius Medical Care ausschließlich auf diese Vergütungskomponente setzen. Alle anderen Firmen nutzen auch variable Vergütungselemente, 19 greifen dabei auf kennzahlenbasierte Bemessungsgrößen wie Gewinn pro Aktie, Brutto-Cashflow oder Renditegrößen zurück. 2009 sind drei Unternehmen in den DAX aufgestiegen, die in ihrer variablen Vergütung auf eine Dividenden abhängige Tantieme setzen: Beiersdorf, Salzgitter und Fresenius SE.

Nachdem bei K+S die Gesamtkapitalrendite die Dividende in der variablen Vergütung abgelöst hat, setzen damit wieder 14 DAX-Werte auf eine Dividenden-abhängige Tantieme (2008: 11). Nach Auffassung der Studienautoren wird sich dennoch der Trend zur Abkehr von der Dividende als Bemessungsgrundlage fortsetzen.

2009 hat Siemens eine neue Langfristvergütung mit dreijährigem Bemessungszeitraum eingeführt. Das Unternehmen kam damit vorab dem im August 2009 aktualisierten Aktiengesetz und Deutschen Corporate Governance Kodex nach, der u. a. eine sich am langfristigen Unternehmenserfolg orientierende variable Vergütung (für den Vorstand) fordert. Derzeit beträgt der langfristorientierte Anteil an der Gesamtvergütung im DAX durchschnittlich 15%.

"Der Trend zur Professionalisierung der Aufsichtsratstätigkeit wird sich unter Berücksichtigung der modifizierten Corporate Governance-Vorschriften fortsetzen", zeigt sich Towers Perrin-Berater Joachim Kayser überzeugt. Als Ideal sieht er eine Vergütungsstruktur an, die je zur Hälfte aus einer Festvergütung und einer variablen Vergütung besteht. Bei der variablen Vergütung sollten analog zum Vorstand mehrheitlich langfristige und nachhaltige Anreize gesetzt werden. "Eine in diesem Sinne ausbalancierte Vergütungsstruktur wird sowohl der Kontrolltätigkeit als auch der Strategiebegleitung als den zentralen Aufgabenfeldern der Aufsichtstätigkeit gerecht."

Zukünftig mehr Diversität in den Aufsichtsräten

Insgesamt sind in den DAX-Aufsichtsratsgremien derzeit 513 Mandatsträger tätig. Der Frauenanteil beträgt 13 %, wobei der Anteil der weiblichen Kontrolleure im Arbeitnehmerlager den der Mandatsinhaberinnen auf Kapitalseite deutlich übersteigt (20% bzw. 6%). Hinsichtlich ihrer Nationalität stammen die Aufsichtsräte der DAX-Unternehmen zu mehr als drei Viertel (77%) aus Deutschland. Dieser Wert kontrastiert die Herkunft des Grundkapitals bei in Deutschland börsennotierten Aktiengesellschaften, das zu mehr als der Hälfte (53%) in der Hand ausländischer Investoren ist, insbesondere aus den USA und Großbritannien (jeweils 21%), der Schweiz (14%) und Luxemburg (11%).

Die Studienautoren gehen zukünftig von wesentlich diverseren Aufsichtsgremien aus.

Maßgebliche Gründe sind die steigenden Anforderungen an die Qualifikation und Haftung von Aufsichtsräten, der wachsende Einfluss ausländischer Kapitalgeber aber auch das 2009 in Kraft getretene Vorstandsangemessenheitsgesetz (VorstAG), das für Vorstandsmitglieder eine zweijährige Karenzzeit vor dem Wechsel in den Aufsichtsrat des eigenen Unternehmens vorsieht. "Eine solche Karenzregelung ist nicht zielführend, da durch sie wertvolles Knowhow zum Unternehmen und der Branche sowie notwendige Management-Erfahrung verloren geht", kritisiert Towers Perrin-Berater Joachim Kayser.

Und Towers Perrin-Geschäftsführer Michael Kramarsch geht nicht zuletzt angesichts dieser Regelung davon aus, dass es schwieriger wird, Mandate qualifiziert zu besetzen. "Wir werden zukünftig nicht nur mehrheitlich aktive oder ehemalige deutsche Vorstände in den Aufsichtsgremien der führenden Unternehmen sehen, sondern mehr Frauen und zunehmend auch ausländische Manager. Dessen ungeachtet erweisen sich die deutschen Besonderheiten in der Unternehmens-Governance, wie das zweistufige Board System oder große mitbestimmte Aufsichtsräte, als nachteilig für die internationale Attraktivität der Aufsichtstätigkeit in Deutschland."

Information zur Studie und Bezug

"Aufsichtsratsvergütung DAX 2009" analysiert die aktuellen Vergütungen von Aufsichtsratsvorsitzenden in DAX-Unternehmen. Grundlage der Auswertungen sind ausschließlich öffentlich verfügbare Quellen, insbesondere Satzungen und Hauptversammlungsbeschlüsse aus dem Jahr 2009. In die Analyse einbezogen wurden: die jährlich garantierten festen Bezüge, die Aufsichtsratstantieme für 2009 (basierend auf Analystenschätzungen für 2009), die in 2009 ausbezahlten Langfristvergütungen sowie Sitzungsgelder und Ausschussvergütungen. In der aktuellen Studienausführung wurden vor dem Hintergrund der schwierigen Wirtschaftslage Szenario-Betrachtungen dargestellt.

Konkret wird die Entwicklung der Aufsichtsratsvergütung bei der Berechnung der Tantieme basierend auf Analystenschätzungen für das Jahr 2009 ermittelt, ergänzt um Szenarien einer jeweils um 20% besseren bzw. schlechteren Entwicklung. Eine kostenlose Zusammenfassung der Studie kann bei Towers Perrin/ Frau Anna-Maria- Angermann (anna-maria.angermann@towersperrin.com) bestellt werden.

Towers, Perrin, Forster & Crosby, Inc

Towers Perrin zählt zu den weltweit führenden Management-Beratungen. Mit mehr als 5.000 Mitarbeitern agiert Towers Perrin weltweit in 26 Ländern. Im deutschsprachigen Raum arbeiten derzeit mehr als 300 Mitarbeiter an den Standorten Frankfurt, Köln, Reutlingen, München, Wien und Zürich.

Im Bereich Human Capital Group berät Towers Perrin Unternehmen in den Themenfeldern Vergütungs- und Talent-Management, Strategie und Organisation der HR-Funktion, betriebliche Altersversorgung und M&A. Seit 2005 werden sämtliche Deutschlandaktivitäten von Towers Perrin im Bereich der betrieblichen Altersversorgung (bAV) unter der Marke Rauser Towers Perrin gebündelt.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

Erste Verwaltungsratssitzung in neuer Unternehmenszentrale

, Medien & Kommunikation, Niedersächsische Landesforsten

Am heutigen Donnerstag tagte der Verwaltungsrat der Niedersächsischen Landesforsten (NLF) erstmalig im neuen Gebäude der Betriebsleitung in Braunschweig....

"Lean & Green"-Gewinner gekürt

, Medien & Kommunikation, Vogel Business Media GmbH & Co.KG

Effizienz, Kostenvorteile und eine schlanke Produktion: Am 5. Dezember kürten die Beratungsunternehmen Growtth Consulting Europe und Quadriga...

Maria verteidigt ihr Glück – jetzt auch gedruckt - E-Book von Peter Ahnefeld bei EDITION digital nun auch als Buch

, Medien & Kommunikation, EDITION digital Pekrul & Sohn GbR

Mit dieser Neuerscheinung bereitet die EDITION digital aus Godern bei Schwerin sowohl Lesern als auch Autor Peter Ahnefeld gleichermaßen ein...

Disclaimer