Donnerstag, 19. Januar 2017


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Stift Klosterneuburg: Gefängniszellen zu besichtigen

(lifePR) (Klosterneuburg, ) Mit einer Kuriosität überrascht das Stift zum Weinkulturtag am 7. September seine Besucher: Im Rahmen eines Weinparcours durch das Stift gibt es erstmals auch die Gefängniszellen des Stiftes zu besichtigen.

Wie viele andere übte auch das Stift Klosterneuburg als Grundherr die niedere Gerichtsbarkeit vom Mittelalter bis 1848 aus. Sichtbares Zeugnis ist das noch bestehende Gerichtsgebäude auf dem Stiftsplatz. Unsichtbar - und selbst nur wenigen Stiftsmitarbeitern bekannt - blieben hingegen bisher die gleichfalls erhaltenen Gefängniszellen im Leopoldihof: Kammern mit Pritschen für jeweils drei Menschen, die offenbar mit Ketten an Eisenringe gefesselt werden konnten: Eine eisenbeschlagene Tür mit einer Beobachtungsklappe, ein kleines vergittertes Fenster, keine Heizung. Um sich die Zeit zu vertreiben, dienten den Häftlingen die hölzernen Pritschen auch als Spielfelder: Mehrere Mühle-Spiele und "Hahn und Henne" sind in die Balken geritzt. Jahrzehnte dienten die Zellen als Lagerkeller und Rumpelkammer. Einzig die Mitarbeiter der Stiftsfeuerwehr kamen dorthin, denn zuletzt dienten die Zellen als Übungsort für den Einsatz von schweren Atemschutzgeräten in verqualmten Räumen. Jetzt hat das Archäologenteam des Stiftes zwei der Zellen so weit gesäubert, dass sie am Weinkulturtag besichtigt werden können.

Das sonst so reichhaltige Stiftsarchiv bringt wenig Licht in das Dunkel der Geschichte der Zellen, denn nur vom Jahr 1837 gibt es ein "Arrestanten-Verzeichnis" mit Namen, Grund und Inhaftierungszeit: "Schüblinge" - die an ein anderes Gericht überstellt wurden - blieben ein bis zwei Tage, eine Magdalena Kattmayer saß 10 Tage wegen Ehrenbeleidigung, ein Anton Koller wegen "umsonst fahren" 8 Tage in der Zelle. Bettler - ein häufiges Delikt - mussten meist drei Tage in das unangenehme Loch, eine Franziska Göbl wegen Betrug dagegen 13 Tage. Zu welcher Zeit die Räume als Zellen genutzt wurden, konnte bisher nicht eruiert werden. Ob etwa in einer der Zellen auch Marzellin Ortner einsaß, ist daher unbekannt: Marzellin kam als Laienbruder in das Stift, schnitzte die berühmten Schränke der Schatzkammer, organisierte 1683 die Verteidigung der Stadt gegen die Türken und wurde als Dank zum Kellermeister ernannt. Doch in dieser Position wurde er so aufmüpfig, dass ihn der Propst ins Gefängnis werfen und seine Weinration kürzen ließ...

Weinkulturtag: Sonntag, 7. September 2008, 10-18 Uhr mit umfangreichen Programm für die ganze Familie: Live-Fassbinden, Sektproduktion zum Mitmachen, Traubenpressen für Kinder, Weinverkostung und Weinparcours durch das ganze Stift, darunter auch die Gefängniszellen. Ticket: € 5,-

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